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Dieser japanische Internet-Mogul ist neuer stolzer Besitzer von 4Chan

Auf den legänderen 4Chan-Gründer Moot folgt nun ein 39-jähriger japanischer Internetmillionär. Kann er das anarchistische Forum profitabel machen?

Seit 4Chan vor zehn Jahren online gegangen ist, hat uns das Forum mit Memes, der Anonymous-Bewegung und zahllosen erbarmungslosen Trollen beschenkt. Was das wohl expliziteste und schamloseste Forum des Internets allerdings nicht geschafft hat, ist seinen langjährigen Betreiber Chris Poole aka Moot wirklich reich zu machen. Vielleicht auch deshalb hat der von Anon heißgeliebte 26-Jährige im Januar als Chef von 4Chan hingeschmissen.

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Nun wurde bekannt, dass Chris Poole 4Chan für eine unbekannte Summe an den Japaner Hiroyuki Nishimura verkauft hat. Der japanische Internet-Mogul ist nicht nur der Gründer von 2channel, dem japanischen Message-Board, das als Inspiration überhaupt erst zur Gründung von 4Chan führte, er ist auch bekannt als Geschäftsmann, der weiß, wie sich mit Webforen Geld verdienen lässt. 4Chan wiederum litt unter Moot immer wieder unter chronischen Geldsorgen und musste zeitweise sogar offline gehen, da Poole die Server-Kosten nicht bezahlen konnte.

Nachdem Nishimura 1999 2channel gegründet hatte, machte er das Forum qua seiner Ignoranz gegenüber teuren Gerichtsverfahren und den Gefühlen anderer Internet-Genossen und Gegner zu einer profitabelen Seite. In seinen Jahren als Chef von 2Channel erreichte er so mit der Seite zeitweise Umsätze in Höhe von einer Million Euro und verdiente sich nebenbei den Titel „Bad Boy of the Japanese Internet."

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Seit Nishimura 2channel 2009 verkauft hat, hatte er einige persönliche Skandale zu überstehen: Unter anderem musste er eine empfindlich hohe Geldstrafe wegen Steuerhinterziehung zahlen und im vergangenen Jahr soll es einem Amerikaner unter mysteriösen Umständen gelungen sein, zeitweise die Kontrolle über seine US-Server zu übernehmen.

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Dennoch könnte Nishimura zur jetzigen Zeit genau der richtige Betreiber sein. Zu 2Channel-Zeiten konnte er seine Seite tatsächlich für Marketingkunden attraktiv machen und mit Werbeeinnahmen Geld verdienen, was 4Chan stets nur schwerlich gelungen ist—vor allem aufgrund des expliziten Contents über den Anon den lieben langen Tag in vielen Ecken von 4Chan diskutiert. Bis heute hat 4Chan ökonomisch nur dank Spenden überlebt.

Was genau Nishimura mit 4Chan vorhat ist aktuell noch nicht klar. Die New York Times berichtet allerdings, dass Poole selbst auf philosophischer Ebene darüber nachdenke, ob Display-Bannerwerbung der richtige Weg sei, um im Internet Geld zu verdienen. Was der Betreiberwechsel für die anarchischen Inhalte des Boards bedeutet, ist noch vollkommen unklar.