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Warum ein peruanisches Natur-Viagra den Titicacasee-Riesenfrosch ausrottet

Jugo de Rana besteht aus pürierten Innereien des Telmatobius culeus und soll angeblich die Männlichkeit stärken—vor allem führt der Konsum des Safts jedoch zum Aussterben seiner Hauptzutat.
16.10.14

Jugo de Rana gilt in großen Teilen Perus als heiß geliebte Allzweckwaffe. Der Saft soll gegen Bronchitis, Asthma, Arthritis, Tuberkulose, gegen Alltagsstress, das Altern und sogar gegen Impotenz helfen. Vielen gilt es als das peruanische Viagra.

Die Hauptzutat des traditionellen, von Straßenhändlern zubereiteten Wellness-Cocktails sind die pürierten Innereien des Titicacasee-Riesenfrosches, den die geschätzten Verkäufer direkt vor den Augen des Kunden erlegen. Dieser Frosch ist inzwischen akut vom Aussterben bedroht.

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Der nur im Titicacasee lebende Telmatobius culeus macht auf den ersten Blick einen wenig glamourösen Eindruck. Mit den bräunliche Hautfalten, die seinen Körper bedecken, und erinnert er eher an eine Amphibien-Version einer blubbernde Bulldogge, die dank ihrer Hautschichten atmet.

Die medizinischen Vorzüge von Jugo de Rana liegen neben einer gestärkten Manneskraft, angeblich auch in einer Verbesserung des Blutflusses und der Lungenleistung. Die Formel selbst ist kein Geheimnis, auch wenn sie von Shop zu Shop variiert: Zu den Zutaten gehören unter anderem Johannesbrot, Honig, Brühe weiße Bohnen und vor allem eine ordentliche Portion Maca-Wurzeln, sowie natürlich ein ganzer Titicaca-See-Riesenfrosch.

Es gibt allerdings keine wissenschaftlichen Erkenntnisse, die stichhaltig belegen, dass in dem Frosch-Elixier tatsächlich all die magischen Kräfte stecken, die ihm zugeschrieben werden. Dennoch existieren immerhin einige Hinweise darauf, dass die Maca-Wurzel für eine Stärkung der Fruchtbarkeit sorgen kann.

Unser Motherboard-Korrespondent Mariano Carranza hat sich vor Ort in Lima nicht nur dem Genuss von Jugo de Rana hingegeben, sondern auch Dr. Gustavo F. Gonzales getroffen. Der Professor für Endokrinologie widmet sich in seiner Forschung schon länger der Frage, ob Maca tatsächlich eine Libido steigernde Wirkung hat. Je länger er uns von der Wirkung der Macas berichtete, umso mehr erschien das Trinken der Frosch-Extrakte wie ein veraltetes Ritual, und nicht wie ein wundersames Allheilmittel.

Der übermäßige Konsum des Telmatobius culeus hat inzwischen eine Reihe von akademischen, staatlichen und zoologischen Initiativen angestoßen. Bei unserem Aufenthalt in Lima, trafen wir unter anderem auch Roberto Elías, der mit der Hilfe des Zoos in Denver, gegen die Verwertung des Froschsafts kämpft.

In ihren Konservierungskampagnen wollen Elías und sein Team die Bewohner in dem Gebiet darüber aufklären, wie sie den Frosch nutzen können, ohne zu seinem Aussterben und einem unvermeidbaren ökologischen Ungleichgewicht beizutragen. Die peruanische Regierung kämpft ebenfalls gegen den illegalen Handel mit dem Titicacasee-Riesenfrosch, in dem bei einigen der Saftverkäufern inzwischen Razzien durchgeführt und die bedrohten Tiere beschlagnahmt werden.

Der Durst nach Jugo de Rana scheint unter der peruanischen Bevölkerung dennoch nicht nachzulassen. Die Verkäufer, die wir trafen, berichteten uns, dass sie jeden Tag zwischen 50 und 70 pürierte Fröschen verkaufen. Die Situation erinnert an andere bedrohte Tierarten wie Tiger oder Nashörner, die auch gejagt und gehandelt werden, weil allzu viele Konsumenten in ihnen medizinische Heilmittel vermuten. Auch eindeutige wissenschaftliche Erkenntnis, die den Glauben an die medizinische Wirkung getöteter Titicacasee-Frösche widerlegen, werden wohl so schnell nicht zu einem Ende der kulinarischen Folklore des Jugo de Ranas führen. Selbst wenn der mythische Viagra-Saft die wohlfunktionierende Symbiose von Mensch und Natur gefährdet.