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Einführung des Dislike-Buttons abgelehnt: Mark Zuckerberg gefällt das nicht

Der Facebook-Babo macht sich trotzdem Sorgen um die akkurate Emotionsexpression seiner Nutzer. Die beweisen mit zahllosen Anti-Like-Buttons, dass das unbegründet ist.
12.12.14
​Gefällt uns nicht. Bild: ​Wikimedia Commons​LMFAO

​Nachdem sich die erste Frage- und Antwortrunde mit Mark Zuckerberg hauptsächlich in modischen Petitessen erschöpfte, hat sich der Facebook-Gründer am Donnerstag Abend in einem ​zweiten Q&A erneut den Belangen seiner Nutzer gestellt.

Neben einem kurzen, sich schnell erschöpfenden Diskurs darüber, ob Facebook eigentlich Zeitverschwendung sei (überraschende Antwort des Facebook-Gründers: keineswegs!) erwähnte der CEO auch, dass sein Team über die Einführung eines Dislike-Buttons nachgedacht hat. Den gäbe es aber nach reiflicher Überlegung nun doch nicht, so Zuckerberg:

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„Manche Menschen möchten schnell und einfach ausdrücken, dass sie etwas nicht gut finden. Aber wir sind der Meinung, dass ein Dislike-Button nicht gut für die Welt wäre. Ich glaube nicht, dass das auf soziale Ebene für unsere Gemeinschaft wertvoll wäre."

Trotz alledem mache sich der Facebook-Babo Sorgen, wie seine Nutzer zukünftig unter traurigen Postings ihre Gefühle akkurat zum Ausdruck bringen können—sein Unternehmen denke daher intensiv über die Implementierung anderer Gefühls-Schablonen nach:

„Nicht immer wollen die Leute nur Like drücken. (…) Deswegen überlegen wir schon länger, wie die Leute am Besten ein weites Spektrum an Emotionen wie Gelächter oder Überraschung ausdrücken können. Es muss so einfach wie der Like-Button sein. Denn wenn man kommentiert, fühlt man sich ja immer unter Druck gesetzt, etwas witziges oder cleveres sagen zu müssen, um zur Diskussion beitragen zu können. "

Genau. Und wie sozial wertvoll die Schwarmintelligenz reagiert, wenn sie zur Kommantarfunktion mehrere grobschlächtige Emotionen wie Staunen, Lachen und Weinen zur Auswahl hat, sieht man ja bei Buzzfeed, Bild oder der Bravo:

Guckt mal @BILD, bei der Bravo kann man seine Meinung viel differenzierter ausdrücken! @janboehm pic.twitter.com/RS8y6e3EAB

— nidu (@Dunkelzone) December 2, 2014

Und während sich Mark Zuckerberg noch über die Einführung anderer Optionen den Kopf zerbricht, ergießt sich im dazugehörigen​ Thread schon ein Füllhorn an Alternativvorschlägen. Längst hat Facebook seine eigene Sprache und seine eigenen kulturellen Codes hervorgebracht—und die gehen ungefähr so:

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„Why not give a love button?" fragt einer. „Verpiss dich, du Hippie", ist die Antwort.

Emotionsbuttons sind einfach eine wunderbar schnelle Methode, seine Gefühle der Welt ​mitzuteilen—und in den ewigen Facebook-Signifikantenketten kann ein Like längst soviel mehr bedeuten als seine wörtliche Übersetzung 'gefällt mir'.

Und so fordern andere Nutzer auch gleich einen Ausdruck für die Facetten von Gleichgültigkeit—ein tatsächlich wichtiges Sentiment, dass insbesondere für #foodporn und repetetive Urlaubsbilder entfernter Bekannter variabel eingesetzt werden könnte:

Manche Posts wie Kettenbriefchen, banale Sinnsprüche in Kursivschrift vor Sonnenuntergängen oder die jämmerlichen „Ich widerspreche hiermit den neuen Nutzungsbedingungen"-Proteste verlangen auch immer wieder den Ausdruck brutaler Belanglosigkeit:

Es kann so einfach sein. Oder wie wäre es gleich mit einem entschiedenen Mittelfinger?

Dislike-Button oder nicht, man kann auf Facebook eigentlich nur missverständlich kommunizieren—da helfen möglicherweise auch keine neuen Zeichen. Denn wie wir wissen, geht es bei jeder Diskussion im Internet schließlich früher oder später eh um Hitler.

Es scheint jedenfalls nicht so, als ob die Facebook-Nutzer große Lust darauf hätten, sich ein paar neue Gefühlsoptionen von Mark Zuckerberg diktierten zu lassen.

Was soll's: Die Sprache des Internets ist eh eine Baudrillard'sche Hyperrealität, dessen Bedeutung sich aus ihren selbst produzierten Zeichen generiert. Und dank der digitalen ​Meme-Produktion ist das nächste mehrfach codierte Statement eh nur einen Klick entfernt.