2 Knarren und 4 Messer auf Schwarz: Wenn ein Waffenmarkt zum Glücksspiel wird

Ein Gamer verklagt den Entwickler von Counter Strike, weil der virtuelle Schwarzmarkt um Waffen-Skins vollkommen eskaliert ist.

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29 Juni 2016, 5:07am

Auf OPSkins lassen ich virtuelle Waffen-Skins ins echtes Geld umtauschen. | Bild: Screenshot, OPSkins.com

Michael John McLeod ist sauer. Jahrelang war der Gamer ein begeisterter Zocker von Counter Strike: Global Offensive (CS:GO), doch nun könnte er dem Entwickler des Spiels einen schweren Schlag versetzen. McLeod hat Anklage gegen Valve erhoben, weil er dem Hersteller des beliebten Strategie-Shooters einen drastischen Vorwurf macht. Sie seien dafür verantwortlich, einen illegalen Online-Glücksspielmarkt zu betreiben.

Dass sich einige Spieleentwickler durch In-Game-Verkäufe in ihren Spielen noch etwas dazu verdienen ist schon seit längerem ein unliebsamer Trendgeworden.

Tatsächlich hat sich um die virtuellen Counter-Strike-Waffen längst ein ganz eigener Markt entwickelt, der losgelöst von dem eigentlichen Game auf anderen Plattformen stattfindet. In Verbindung mit diversen Drittanbieterseiten, die diese virtuellen Waffen als Wetteinsatz annehmen und mögliche entstehende Gewinne in Realgeld auszahlen, konnte sich ein florierender Markt entwickeln, dank dem sich manche junge Gamer bereits mit eigenen Tauschunternehmen selbstständig machen konnten.

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Wie weit sich der virtuelle Waffenhandel, in dem einzelne Skins mehrere tausend Euro kosten können, schon entwickelt hat, zeigt nun die in Connecticut eingereichte Klageschrift von McLeod. Seine Klage richtet sich dabei nicht gegen die Drittanbieter auf denen die Skins umgetauscht werden, sondern gegen Valve selbst, denen er vorwirft, wissentlich einen illegalen Online-Wett- und Glücksspielmarkt zu befeuern. Das Ziel von McLeod ist simpel: Da er selbst teilweise als Teenager bereits Geld über diese Plattformen verloren hat, fordert er laut der Anklageschrift Schadensersatz in unbekannter Höhe.

Im Zentrum der Anschuldigung steht der Handel mit sogenannten Waffen-Skins. Diese Skins modifizieren das Aussehen der eigenen Waffe im Spiel und können weitere Fähigkeiten haben (wie das statistische Erfassen bestätigter Abschüsse mit der jeweiligen Waffe beispielsweise). Diese Waffen-Skins werden am Ende jeder Runde per Zufall innerhalb des Spiels CS:GO an die Spieler ausgegeben und mit ihren Steam-Accounts verknüpft. Steam ist die Valve-eigene Vertriebs-Plattform für die eigenen Spiele und gleichzeitig Community-Plattform für die Zocker. Jeder Spieler eines Valve-Spieletitels muss sich automatisch einen solchen Steam-Account anlegen.

Nun können diese Skins entweder über die offiziellen Kanäle der Steam-Plattform zwischen den Spielern getauscht und gehandelt werden oder aber auch über Drittanbieterseiten, die per Schnittstelle mit den offiziellen STEAM-Accounts verknüpft werden können.

Genau hier liegt auch der Grund dafür, dass extrem seltene Waffenskins so außergewöhnlch hohe Preise erzielen können; insbesondere Messer gehören zu den wertvollsten Gegenständen des Spiels und können bis zu 5.000 Euro wert sein. Die Waffen-Skins haben längst die Funktion von Casino-Chips übernommen und können als Wetteinsatz für professionelle CS:GO eSport-Begegnungen platziert, oder in einem virtuellen Roulettespiel als Glücksspieleinsatz gesetzt werden—alles in Verbindung mit dem offiziellen STEAM-Account. Anschließend können die Skins über Seiten wie OPSkins via Paypal oder Bitcoins wieder in reales Geld umgetauscht werden.

Der Handel über Drittanbieterseiten wie OPSkins floriert prächtig. Besonders Messer haben aufgrund ihrer Seltenheit einen hohen Marktwert und lassen sich hier in Realgeld umtauschen. Foto: Screenshot OPSkins.com

Bereits im Juli vergangenen Jahres berichtete Motherboard über die Möglichkeit, als virtueller Waffendealer horrende Summen verdienen zu können. Einer der Betreiber von OPSKins erklärte Motherboard damals, „Bei uns bekommen die Leute ihr Geld aus jedem Verkauf direkt ausgezahlt. Du kannst also eine Menge Kohle damit machen." An jedem Verkauf verdient OPSkins natürlich ebenfalls mit.

Ein Bloomberg-Artikel zeigte dann im April dieses Jahres erstmals ausführlich auf, wie die horrenden Preise zustande kommen und wie groß der Markt für virtuelle Waffen-Skins tatsächlich ist.

Die gerade eingereichte Klage zitiert ausgiebig aus der Bloomberg-Recherche und erhebt den Vorwurf, dass Valve diesen Markt nicht nur toleriert, sondern ihn wissentlich anfeuert, indem es Drittanbieterseiten wie CSGO Lounge, CSGO Diamonds und OPSkins eine offizielle Verknüpfung mit dem STEAM-Account, und damit die Generierung horrender Gewinne ermöglicht.

Michael John McLeod, et al. vs. Valve Corporation by Polygondotcom

Die offizielle Klage von Michael John McLeod gegen Valve

Dass Valve von diesen Geschäften weiß, bestätigt auch Courtney Timpson, Community Administrator und Sprecherin von CSGO Lounge in besagtem Bloomberg-Artikel. Sie sagt, dass CSGO Lounge in Kontakt mit Valve-Mitarbeitern steht und diese auch technische Unterstützung leisten, wenn es zu Problemen mit der Verknüpfung kommt. Für den Fall der Fälle, dass sich einige Spieler betrogen fühlen, wird im CSGO Lounge Forum darauf verwiesen, dass diese Spieler bitte Valve/STEAM kontaktieren sollen, und nicht CSGO Lounge.

Wie sehr sich dieser Markt für Valve lohnt, belegen einige einfache Zahlen: Counter Strike: Global Offensive erschien erstmals 2012. Der Verkauf lief anfangs nur schleppend. Seit der Einführung der Möglichkeit des Handels mit Waffen-Skins in CS:GO 2014 stieg die Anzahl der CS:GO-Spieler um 1.500 Prozent. 21 Millionen Exemplare verkaufte Valve bisher, was dem Unternehmen einen Umsatz von 567 Millionen US-Dollar einbrachte. Durchschnittlich 380.000 Menschen spielen zeitgleich über den Erdball verteilt CS:GO.

Wie sehr sich der illegale Wett- und Glücksspielmarkt vom eigentlichen Spiel losgelöst hat, zeigt eine Schätzung der Bloomberg Businessweek, die annimmt, dass alleine 2015 mehr als 3 Millionen Spieler 2,3 Milliarden US-Dollar verwettet haben. Da Valve die Software entwickelt hat, auf der die Drittanbieterseiten laufen, verdient das Unternehmen mit jeder einzelnen getätigten Transaktion 15% ihres Wertes.

Das unreglementierte Wetten auf Sportereignisse ist in vielen Ländern der Welt illegal, doch genau dies findet auf den Drittanbieterseiten statt. Hinzu kommt, dass CSGO Lounge, eine der 700 meistbesuchten Webseiten der Welt, keine Altersverifizierung vornimmt und dadurch auch Minderjährigen ermöglicht, an diesen illegalen Glücksspielen und Wetten teilzunehmen. In Deutschland beispielsweise wird das Glücksspiel vom Glücksspielstaatsvertragrechtlich geregelt. Demnach ist Glücksspiel erlaubt, wenn es in eingetragenen Spielotheken, lizensierten Casinos und auf gesonderten Veranstaltungen, wie großen Pokerturnieren stattfindet. Streng genommen ist es nach deutschem Recht daher verboten, Online-Glücksspiele zu spielen. Laut EU-Recht ist es allerdings auf denjenigen Internetseiten legal, die für den EU-Markt lizensiert wurden. Trotz Drängens der EU, den Glücksspielstaatsvertrag zu erneuern und den neuen Entwicklungen anzupassen, bleibt der Online-Glücksspielmarkt in Deutschland weitgehend unreguliert.

Auf CSGOLounge lassen sich virtuelle Waffen als Wetteinsatz auf Professionelle CS:GO-Matches platzieren. Virtuelle Waffen-Skins im Wert von 134.000 US-Dollar werden durchschnittlich bei solche Matches verwettet. FOTO: Screenshot CSGOLounge.com

Die große Frage ist nun, ob das amerikanische Gericht die Klage zulässt. Auch ein Antrag zur Zulassung als Sammelklage ist noch offen. Die Ankündigung von Valve, dass sich durch die Einführung des virtuellen Waffenmarktes der Nervenkitzel eines Schwarzmarktes nacherleben lässt, hat sich im negativen Sinne tatsächlich bewahrheitet—wenn auch anders als erwartet. Welche Konsequenzen diese Entwicklung für Valve und CS:GO haben wird, bleibt abzuwarten.

Valve hat sich bisher noch nicht offiziell zu den Vorwürfen und der Anklage geäußert.