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Russland hat erstmals ein Pepe-Meme abgefeuert

Der grüne Frosch ist zwar als antisemitisches Hasssymbol bekannt, doch das hindert die russische Botschaft in Großbritannien nicht daran, ihn in einem politischen Tweet einzusetzen.

von Samantha Cole
10 Januar 2017, 2:33pm

Screenshot: Twitter

Eigentlich wäre der Tweet, den die Botschaft der russischen Föderation in Großbritannien gestern Nachmittag absetzte, keine Nachricht wert. Klar, der Text ist provokant, aber das ist schließlich nichts Neues. Der Post wäre wohl im Datenmeer untergegangen, wäre da nicht das mitgepostete Bild: Es zeigt Pepe den Frosch. Die russische Botschaft nutzt das berühmte Meme natürlich nicht ohne Hintergedanken, sondern um seine politischen Gegner in Reddit-Manier in die Pfanne zu hauen: Denn der Tweet richtet sich direkt an den Account der britischen Premierministerin @TheresaMay, die in der Presse aufgefordert wurde, eine Annäherung zwischen Russland und den USA zu unterbinden.

Pepe ist ein großmäuliger grüner Frosch, der in den letzten Jahren eine erstaunliche Karriere von einer harmlosen Comicfigur zum Liebling der 4Chan- und Reddit-Foren hingelegt hat. Inzwischen ist Pepe nicht nur zum Posterboy der digitalen Alt-Right mutiert, sondern wurde auch in eine Datenbank anitsemitischer und rechter Hasssymbole aufgenommen.

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Nun wurde das Pepe-Meme durch den Tweet der russischen Botschaft erstmals von Diplomaten, also als staatlich gesponsortes Kommunikationsmittel eingesetzt. Ein historischer Moment.

Das US-Verteidigungsministerium scheint der Eskalation im Meme-Krieg eher gelassen gegenüber zu stehen. Im Internet allerdings verbreitete sich der Tweet dennoch wie ein Lauffeuer. Dabei ist es nicht das erste Mal, dass es der russische Botschafts-Account in Großbritannien mit einem viralen Tweet in die Schlagzeilen schaffte. Die Inhalte von @RussianEmbassy sind ein bunter Mix aus Parodien auf amerikanische Nachrichtendienste und auf „liberale Eliten", gespickt mit Tweets über Syrien und Bildern von idyllischen russischen Schneelandschaften.

Bedenkt man, dass Pepe sich vor den Augen der Öffentlichkeit zu einem Lieblings-Meme der rechten Szene entwickelt hat, ist der Tweet aber dennoch bemerkenswert. Und so erreicht die Debatte unter dem Tweet dann auch schnell neue Tiefen der Diskussionskultur: Jegliche Kritik, dass es sich bei Pepe um ein beliebtes Symbol weißer Nationalisten handele, wird sofort von einer ganzen Horde Pepe-Accounts niedergeschrien, mit dem Argument, es gäbe keine nachgewiesene Verbindung zwischen dem Comic-Frosch und Neonazis.

Tatsächlich ist es nur schwer vorstellbar, dass die Social Media-Verantwortlichen hinter @RussianEmbassy sich den White Supremacist-Konnotationen des Frosches nicht bewusst sind. Nicht zuletzt, da sie auch noch Tweets unterstützen, die das Meme verteidigen und Kritiker angreifen:

„Es würde mich sehr überraschen, wenn die Verantwortlichen für den Twitter-Account der Botschaft tatsächlich nichts von Pepes nationalistischer Doppeldeutigkeit mitbekommen haben, die sich im letzten Jahr herausgebildet hat", erklärte der Professor für Medienkommunikation Ryan Milner gegenüber Motherboard. „Ich vermute, dass die Schnittmenge an Leuten, die Pepe kennen und Pepe in diesem Kontext benutzen würden, aber nicht wissen, dass Pepe von weißen Nationalisten instrumentalisiert wird, verschwindend gering ist. Natürlich könnte ich mich irren, aber das sagt mir mein Gefühl."

Bild: Twitter

Milner ist der Meinung, dass die russische Botschaft mit dem skandalösen Tweet genau das erreicht hat, was sie wollte: ein freundliches Augenzwinkern an die Anhänger des Memes (die Alt-Right-Bewegung) senden und alle andere damit provozieren. „Das heißt nicht, dass wir den Post 'einfach ignorieren' sollten. Vielmehr sollten wir uns ebenfalls auf die Meta-Ebene begeben und deutlich bei jeder Beurteilung auf seine antagonistischen Konnotationen hinweisen. Unsere Botschaft sollte sein: 'Wir wissen genau, was ihr da macht und lassen uns davon nicht beeindrucken.'"

Zwischenzeitlich feiern einige Trump-Anhänger auf 4Chan den Frosch selbst als großen Sieger: Sie glauben, dass sie durch die Verbreitung des hässlichen Frosches in allen denkbaren Variationen eine Art „Meme-Magie" freigesetzt haben, die Donald Trump im Endeffekt sogar den Siegeszug ins Weiße Haus ermöglicht hat.