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Der Kampf gegen rassistische Emojis

Emoticon-Rassismus: Keine Schwarzen und ein Typ, der „irgendwie asiatisch“ aussieht. Aber: zwei Kamele und einen lächelnden Scheißhaufen.
30 August 2013, 11:14am
Bild: Screenshot

Wenn du lange genug im Internet bist, dann triffst du mit höchster Wahrscheinlichkeit auf Leute, die sich darüber aufregen, dass es keine afroamerikanischen Emoji-Symbole gibt. Diese Verfechter der Vielfalt versuchen jetzt tatsächlich etwas gegen Emoticon-Rassismus zu unternehmen, indem sie bei Apple eine Petition einreichen und so mehr Symbole für farbige Menschen auf der Emoji-Tastatur fordern.

„Wenn diese Emojis beim Simsen und Twittern standardmäßig verwendet werden, dann wäre es nicht schlecht, wenn sie die Vielfalt der Leute, die sie nutzen, auch widerspiegeln.“ So wird in einer Petition auf DoSomething.org argumentiert, die von Fast Company entdeckt wurde.

Die Petition beklagt, dass von 800 Emoticons nur zwei Symbole nichtweiße Personen sind: Ein Typ der „irgendwie asiatisch“ aussieht und ein anderer mit einem Turban. Allerdings wird darauf hingewiesen, dass es zwei verschiedene Kamele und einen lächelnden Scheißhaufen gibt, sowie einen Polizisten, eine Braut, eine Oma, einen Tänzer, die alle weiß sind. Es gibt überhaupt keine Schwarzen.

Die Antragsteller fordern von Apple, dass beim neuen Update von iOS7, im Herbst dieses Jahres, mindestens vier dunkelhäutige Gesichter hinzugefügt werden: ein Mann, eine Frau, ein Junge und ein Mädchen. Sie zeigen sogar netterweise, wie die Symbole aussehen könnten.

Angenommen, Apple besitzt diese Emojis nicht. Die süßen kleinen Symbole sind in Japan entstanden (wo es keine sehr große schwarze Bevölkerung gibt) und waren eine Zeitlang nur dort zugänglich. 2010 wurden dann hunderte von Emojis zum Unicode–Standard hinzugefügt, wodurch sie in den USA und anderen Ländern verwendet werden konnten. Schon kurz darauf machte Apple seine Version, iEmoji, im iOS-Betriebssystem verfügbar und fügte der Emoji –Auswahl des IPhones Symbole und Farben hinzu. Nur einfach nicht genügend Farbe.

Die Wut über gleichartige Emojis wird nun seit über einem Jahr immer größer. Im vergangenen Dezember machte Miley Cyrus Schlagzeilen, als sie auf den Emoji-Gleichstellungs-Zug aufsprang und auf Twitter in wenigen Worten zu einem Emoticon-Update für ethnische Vielfalt aufrief.

Ein paar Monate danach, während des “Black History Month”, kamen auf Twitter und Instagram wieder drängende Forderungen nach einer Symbol-Vielfalt auf. Im April dieses Jahres entstand dann ganz plötzlich der Twitteraccount @BlackPeopleEmoji - obwohl darüber wohl hauptsächlich fragwürdige, rassistische Dinge getwittert werden, um dann zu erörtern, ob diese rassistisch sind.

Bei der Markteinführung von iOS6 im vergangenen Juni, hatte Apple die ersten schwulen und lesbischen Paare in ihre Emoji-Palette aufgenommen. Bedenkt man den Aufschrei, den es bis dahin auf den Social Media Sites bezüglich rassistischer Emoji gegeben hatte, ist es seltsam, dass Apple diese Erweiterung der kulturellen Vielfalt nicht genutzt hat, um auch ein paar schwarze Leute hinzuzufügen.

Jedoch weitete sich die Kontroverse noch weiter aus. Im vergangenen Monat wurde in einem Blog-Eintrag auf „Immigration Talk“ hingewiesen, wie durch fehlende schwarze Emojis, die hässliche Fratze von institutionellem Rassismus und gesellschaftlichen Hierarchien symbolisiert werden kann, und zwar durch so kleine und banal wirkende Dinge wie die folgenden:

Einige der weißen Emojis, wie etwa der Polizist, scheinen Machtpositionen innezuhaben, was die Idee vermittelt, dass Minderheiten üblicherweise keine solchen qualifizierten Jobs haben. Darüber hinaus verkörpert die blonde Prinzessin die Vorstellung, dass nur reine, royale Weiße Macht erlangen können. Ich wundere mich, dass es keinen weißen König gibt. Auch der weiße Engel symbolisiert weiße Reinheit und das Symbol der weißen, betenden Hände, besagt, dass Religion oder Katholizismus ein „weißes“ Konzept ist. Weiterhin symbolisiert das Fehlen nichtweißer Frauen ein mangelndes Bewusstsein für die gesellschaftliche Intersektionalität zwischen Ethnizität und Gender.

Abgesehen von gesellschaftspolitischen Auswirkungen, sollte es selbstverständlich sein, dass hier in den USA, im größten Schmelztiegel der Welt, in dem fast ein Drittel des Landes nichtweiß und mehr als 13 Prozent afroamerikanisch ist, dass die Online-Kommunikation unsere Bevölkerung widerspiegelt. Wo wir gerade dabei sind: Wie wäre es mit ein paar Latino-Emojis?

Bis jetzt sind 1.768 der 10.000 Unterschriften für die DoSomething-Petition zusammengekommen. Bei Interesse kannst du hier auch deine Unterschrift hinzufügen. „Wir liefern eure Unterschriften an Apple“, schreiben die Antragsteller. „Vielleicht auf dem Rücken zweier unterschiedlicher Kamele.“