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Champagner

Champagner mit einem Säbel öffnen (ohne dabei draufzugehen)

Die physikalischen Grundlagen des Sabrierens sind ganz einfach, wenn du ein paar Schritte befolgst. Wir zeigen dir, wie du kein Auge oder dein Haustier verlierst.
1.7.15

Ich verdiene mein Geld mit Texten über Getränke. Ich versuche Leuten klar zu machen, wie wichtig Dinge wie Eis und Zitronenscheiben sind und weshalb sie ihren Wermut im Kühlschrank aufbewahren sollten. Ich habe Leuten geraten, nur Gin mit mehr als 40 Prozent zu trinken und ihnen erklärt, wieso jede Party um 19:00 Uhr beginnen und es anständige Gläser geben sollte. Und dass das richtige Licht die Gäste heißer aussehen lässt.

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Aber ich nehme alles zurück. Alles was du brauchst, um Spaß zu haben, ist eine Flasche Champagner und einen Säbel. Egal, ob du am Strand bist, in der Küche, bei einem Grillfest oder ob du eine Hausparty schmeißt, nichts sorgt bei einer Party für einen größeren Knaller als ein bisschen Champagner-Säbelkunst.

Scheinbar wurde die Sabrage von der napoleonischen Kavallerie erfunden, um die Witwe ‚Veuve' Clicquot zu beeindrucken.

Tatsächlich ist es viel einfacher, als es aussieht. Man braucht eigentlich nicht einmal einen richtigen Säbel dazu. Ein Buttermesser tut's auch, genauso ein flacher Flaschenöffner oder der Fuß einer Champagnerflöte. Es geht nämlich nicht um Kraft sondern um den Schwung. Wenn du das drauf hast, schaffst du es mit minimalstem Kraftaufwand, den Korken knallen zu lassen und das Glas rundherum sauber abzutrennen (meistens sogar ohne einen Tropfen zu verschütten).

In meinem neuen Buch Ten Cocktails: The Art of Convivial Drinking habe ich das Geheimnis der Sabrage gelüftet, aber weil ich so nett bin, verrate ich es euch hier, ohne, dass ihr das Buch kaufen müsst:

  • Eine Champagnerflasche nehmen und die Agraffe sowie die Kapsel komplett entfernen.

  • Die Flasche behutsam auf die offene Handfläche legen, so dass der Korken vom eigenen Körper oder Fenster/Freunden/Haustieren/teuren Vasen weg zeigt. Die Glasnaht suchen, die der Flasche entlang verläuft. Sie sollte gerade noch oben zeigen, denn an dieser Naht entlang gleitet der Säbel.

  • Den Säbel flach auf die Flasche legen, im rechten Winkel zur Naht und mit dem Messerrücken (also der stumpfen Seite) nach vorne. Das ist vielleicht nicht gerade intuitiv, aber das stumpfe Ende erledigt hier die Arbeit.

  • Entspannen, ausatmen und den Säbel in einer langen, gleitenden Bewegung entlang der Naht Richtung Korken schieben, bis die stumpfe Seite des Säbels mit dem Korken kollidiert (der schwächste Punkt der Flasche). Das obere Ende der Flasche sollte sich so problemlos lösen und wegbrechen.

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Die physikalischen Grundlagen sind simpel und trotzdem drehen die Leute jedes Mal durch (und ich habe es schon oft gemacht—zum Beispiel bei meiner eigenen Hochzeit). Und sobald sie endlich aus dem Staunen wieder herausgekommen sind, wollen sie es alle selbst ausprobieren. Spätestens dann spürt auch der größte Macho den Druck. Die Hände zittern, die Schultern spannen an und die Stimme wird ganz piepsig, während sie sich fragen, ob sie sich jetzt gleich blamieren.

Und dann kommt da irgendeine Frau und stellt sich der Herausforderung. Und mit einem einzigen eleganten Schwung macht der Korken plopp! und alle flippen aus und springen wie verrückt herum. Das ist wie die Szene in 8 Mile. Nur mit Champagner. Und Säbeln.

Sabrage funktioniert natürlich auch mit Prosecco und Cava. Wichtig ist nur, dass der Schaumwein gut gekühlt ist, dadurch steigen die Erfolgschancen. Und gerate nur nicht in Versuchung, direkt aus einer frisch gesäbelten Flasche zu trinken—im Eifer des Gefechts hältst du das vielleicht für eine gute Idee, aber so verpasst du dir mit ziemlicher Sicherheit ein schönes Glasgow Smile.

Als nächstes werde ich versuchen, eine Champagnerflasche im Kavalleriestil, also auf einem Pferd, zu öffnen. Wo wirst du es versuchen? Und kannst du es mit etwas noch etwas Beeindruckenderem als einer Champagnerflöte? Lass es mich auf Twitter wissen: @alicelascelles #tencocktailssabrage.

Alice Lascelles ist die Autorin von Ten Cocktails: The Art of Convivial Drinking, veröffentlicht von Saltyard Books. Hier ist das Buch erhältlich.