Biergarteln für Zuagroaste – das How-To Biergarten

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Biergarteln für Zuagroaste – das How-To Biergarten

Auch wenn ein Biergarten kein Drei-Sterne-Restaurant ist, gelten hier ungeschriebene Gesetze, die es zu beachten gilt.

Sommerzeit ist Biergartenzeit! Es gibt nichts Schöneres im Sommer als nach einem langen Arbeitstag, bei dem man die Sonne nur hinter einer dicken Glaswand beobachten konnte, sich aufs Rad zu schwingen und in den nächstgelegenen Biergarten zu fahren.

Mit einer schönen Maß Helles und einer zünftigen Brotzeit lässt man in München gerne mal den Tag abklingen. Leider beobachtet man dabei allerdings auch immer wieder Leute, die in die Biergarten-Fettnäpfchen-Falle tappen und alles falsch machen, was es falsch zu machen gibt. Denn auch wenn ein Biergarten kein Drei-Sterne-Restaurant ist, gelten hier ungeschriebene Gesetze, die es zu beachten gilt.

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Erst einmal heißt es ein lauschiges Plätzchen finden. Wenn du jetzt mit deinem Freund oder deiner Freundin ein romantisches Abendessen in trauter Zweisamkeit geplant hast, bist du in einem Biergarten definitiv falsch: „Biergärten erfüllen wichtige soziale und kommunikative Funktionen, weil sie seit jeher beliebter Treffpunkt breiter Schichten der Bevölkerung sind und ein ungezwungenes, soziale Unterschiede überwindendes Miteinander ermöglichen", steht in der Bayrischen Biergartenverordnung geschrieben – ja, die gibt es wirklich. Das typische Erscheinungsbild eines Biergartens sind nämlich seine einladenden Bierbänke, die für etwa zehn Personen ausgerichtet sind. Das heißt, freien Platz an einer bereits besetzen Bank suchen und mit den Tischnachbarn freundlich anstoßen. Wenn ihr unter euch bleiben wollt, bleibt zu Hause.

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Beim Trinken gibt es keine Kompromisse: Bier muss es sein. Natürlich als Maß im 1-Liter-Krug. Alternativ kann man auf ein Weißbier oder auf Russn zurückgreifen. Der politisch unkorrekte Begriff entstand durch russische Zwangsarbeiter, bei denen nach dem 1. Weltkrieg die Mischung aus Weizenbier und Zitronenlimo besonders beliebt war. Die Getränke gibt es per Selbstbedienung an der Schänke.

Obwohl die meisten Biergärten auch Speisen anbieten, darf man sich sein eigenes Essen mitbringen – ohne gleich mit Hausverbot bestraft zu werden. Dies geht auf etwa 200 Jahre zurück, als die ersten Biergärten entstanden sind: Als es noch keinen Strom gab und die Brauer das Bier zum Kühlen in Kellern lagerten, hatten sie die findige Idee, sich den Transport ins nächste Wirtshaus zu sparen, und direkt an der Lagerstätte auszuschenken. Damit den Wirten ihr Geschäft durch den alternativen Bierausschank nicht verdorben wurde, einigte man sich darauf, dass in den neu entstandenen Biergärten kein Essen verkauft, wohl aber welches mitgebracht werden darf. Heutzutage darf das Essen sowohl verkauft als auch mitgebracht werden.

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Wenn du jetzt allerdings auf die Idee kommen solltest, auf dem Weg zum Biergarten noch eben eine Pizza oder Thai-Curry to go mitnehmen zu können, wirst du am Ende mit missbilligenden Blicken der anderen Biergartengäste bestraft. Zu einer Brotzeit im Biergarten greift der Bayer nämlich beherzt auf klassische Speisen zurück: Obazda mit Soletti, Radieschen, Wurstsalat, Kartoffelsalat, weißer Rettich und etwas Gurke oder Tomate. Wer stilvoll in den Biergarten spazieren möchte, der nimmt zum Transport keinen Hipster-Jutebeutel, sondern einen schönen geflochtenen Weidekorb. Ausgebreitet darf die Brotzeit dann gerne auf einem schönen rot-weiß gestreiften Tischtuch werden. Dieses hat man natürlich ebenfalls in seinem Körbchen mitgebracht.

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Falls du jetzt der Meinung bist, zu solch einer deftigen Brotzeit gehöre noch die typische Münchner Weißwurst, dann lass dir gesagt sein: Auf gar keinen Fall! Die Weißwurst wird nur vor 12 Uhr mittags gegessen und mit einem Weißbier runtergespült. Stattdessen darfst du dir aber getrost ein frisches Hendl oder Leberkas am Selbstbedienungsstand kaufen. In manchen Biergärten gibt es zusätzliche Stände an denen Steckerlfisch verkauft wird. Solltest du dich in solch einem wiederfinden, dann lass dir diese kulinarische Köstlichkeit keinesfalls entgehen. Der Steckerlfisch ist eine an einem Stab (bayrisch: Stecken) befestigte Makrele, die dann über Holzkohle gegrillt wird. Das Fischmesser suchst du hierfür allerdings vergeblich – gegessen wird der nicht ganz günstige Fisch nur mit den Händen!

Auch wenn in Biergärten Selbstbedienung ist, wird das Geschirr samt Maß meist trotzdem vom Personal abgeräumt. Und hier solltest du nicht gleich aufschreien, wenn der nette Mann deine noch nicht leer getrunkene Maß mitnimmt. Es ist nämlich höchst verpönt, den letzten Schluck Bier auszutrinken. So sehr, dass der Bierrest im Krug sogar einen eigenen Namen verdient: Noagerl.

Fotos: Alex Foster| Flickr | CC BY 2.0