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Restaurant Confessionals

Eines Abends drehte ich durch—mein erster richtiger Job als Koch

Damals arbeitete ich sehr viel, schlief im Restaurant, trank und kokste. An einem Abend, an dem wahnsinnig viel los war, wollte mir der Bartender erzählen, wie ich meine Arbeit machen soll, also flippte ich aus und kam sogar in die Nachrichten.

von Anonym
20 Januar 2015, 8:03am

Willkommen zu den Restaurant Confessionals, wo wir den Leuten aus der Gastronomie eine Stimme geben, die ansonsten viel zu selten zu Wort kommen. Hier erfährst du, was sich hinter den Kulissen in deinen Lieblingsrestaurants so alles abspielt.

Bevor ich diesen Job bekam, war ich Koch im Resort eines Nationalparks. Als ich nach Alaska zurückkehrte, arbeitet ich für einige Köche mit großem Namen. Dann rief mich ein alter Freund an, der gerade ein neues Lokal eröffnete, eine Burgerbar, in der man viel Geld verdienen und Bonuszahlungen bekommen sollte. Ich kündigte meine Jobs, alle drei, und arbeitete wie blöd.

Ich schlief im Restaurant und trank viel. Ich war damals 25, ich kokste—es war mein erster richtiger Job als Koch.

Wir bekamen großartige Rezensionen, was noch mehr Gäste zu uns führte und ich arbeitete noch mehr. Irgendwann drehte ich einfach durch.

Es war Donnerstag Abend. Diese nette vegane Frau war im Restaurant, sie war eine unserer Stammgäste und ich legte Wert darauf, ihr jedes Mal etwas Besonderes zuzubereiten. Sie hieß Pam. Ich war damit beschäftigt, ihr etwas Schönes zu essen zu machen, während uns die Leute die Bude einrannten und die anderen kaum nachkamen. Oben an der Bar arbeitete dieser Barkeeper, den ich nicht wirklich kannte. Er schien aber ein netter Typ zu sein—dachte ich zumindest. Wir redeten nicht viel miteinander, außer wenn ich ihn fragte, ob er mir am Ende meiner Schicht einen Drink macht. Ich war besessen von diesem blöden Salat, der gerade auf der Karte stand und wenn die Leute das Dressing in einer separaten Schüssel neben dem Salat statt darüber bestellten, sah das in meinen Augen klobig aus, also sorgte ich dafür, dass die Servicemitarbeiter den Gästen verständlich machten, dass man das Salatdressing nicht extra neben dem Salat bestellen kann. Unsere Küche war im Untergeschoss und als die Bedienung nach unten kam, um mir zu sagen, dass es ein Problem gab, war es ihr ziemlich unangenehm mir weiterzuleiten, was der Barkeeper zu ihr gesagt hatte. Ich bat sie, ihm meine Regel zu erklären und sie antwortete darauf: „Ich glaube, du solltest selbst mit ihm reden."

Ich ging zu ihm nach oben und er sagte zu mir so etwas wie: „Du machst jetzt genau das, was ich sage. Du musst lernen, ein richtiger Koch zu sein. Also beweg deinen Arsch nach unten und tu, was auch immer du tun musst, damit dieses Problem aus dem Weg geschafft wird." Ich war entsetzt. Ich sah nur noch rot. Als ich wieder in die Küche kam, war mein Freund, der Koch ist, gerade damit beschäftigt, riesige Flaschen mit braunem Senf aufzufüllen. Ich schnappte mir eine und ging wieder nach oben in den kompletten vollen Speiseraum, lief auf die Bar zu und spritzte den Typen mit Senf voll. Als ich mich umsah, stand Pam direkt neben mir. Alles, was mir in diesem Moment einfiel, war, sie zu fragen: „Pam, wie war dein veganes Sandwich?"

Ich ging zurück und arbeitete weiter. Eine Stunde später wurde ich rausgeschmissen. Das war auch gut so, denn wenn ich in diesem Laden länger gearbeitet hätte, wäre ich vermutlich heute tot.

Die Geschichte verbreitete sich in der Restaurant-Community und ich wurde „Colonel Mustard" genannt, ein Name, der mir bis heute geblieben ist.

Ich war jung und dumm.

So konnte ich nicht weiterarbeiten. Glücklicherweise hatte ich bereits meine alten Jobs zurückbekommen, bevor die Story überall bekannt war und ich hatte eine gute Beziehung zu meinen ehemaligen Chefs, also beeinträchtige dieser Vorfall meine Position nicht. Natürlich lachten sich die Chefs eine Weile ins Fäustchen und tun das wahrscheinlich heute noch. Schon klar, ich versteh's.

Noch zwei Jahre danach brachten mir in jedem Restaurant die Mitarbeiter eine Flasche Senf an den Tisch und fragten mich: „Darf ich dir Senf bringen?" Es gibt sogar einen Shot in einer Bar in der Stadt, der „Colonel Mustard" heißt. Der Barkeeper spritzt dir Senf in den Mund, den du mit einem Shot Old Grand-Dad-Whiskey hinunterspülst. Er kostet 1 Dollar. Ich trink lieber Tequila, also ist das nichts für mich.

Ich bin mir nicht ganz sicher, was ich von dieser Aktion gelernt habe, außer dass Talent gar nichts bedeutet. Bei der Arbeit als Koch geht es nicht um Talent, sondern um harte Arbeit.