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Nordkorea

Zwei mutmaßliche Attentäterinnen von Kim Jong-uns Halbbruder wurden in Malaysia festgenommen

Die beiden Frauen werden verdächtigt, Kim Jong-nam mit Giftnadeln getötet zu haben.

von David Gilbert
16 Februar 2017, 9:58am

Zwei Frauen, die verdächtigt werden, Kim Jong-nam ermordet zu haben, wurden in Malaysia verhaftet. Der abtrünnige Halbbruder des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong-un war am Montag im Shopping-Bereich des Flughafens von Kuala Lumpur angegriffen worden. Er starb noch auf dem Weg ins Krankenhaus. Südkorea macht das Regime in Pjöngjang für den Tod des 45-jährigen Exilanten verantwortlich.

Die erste Verdächtige war bereits am Mittwoch am Flughafen von Kuala Lumpur verhaftet worden. Sie trug einen vietnamesischen Pass bei sich. Die malaysischen Behörden versuchen momentan, mithilfe ihrer vietnamesischen und nordkoreanischen Kollegen die Identität der Frau zu klären. Mittlerweile wurde auch die zweite mutmaßliche Attentäterin verhaftet. Sie trug einen indonesischen Pass bei sich. Weitere Einzelheiten sind dazu bislang nicht bekannt.

Die erste Verdächtige sei "anhand von Überwachungskamera-Aufnahmen des Flughafens erfolgreich identifiziert worden und zur Zeit der Festnahme allein gewesen", gab die malaysische Polizei am Mittwoch in einem Statement bekannt. Früher am selben Tag hatte die malaysische Malay Mail bereits ein Foto veröffentlicht, das eine der Verdächtigen zeigen soll. Auf dem Bild sieht man eine Frau mit schwarzen Haaren und weißen Oberteil mit den Buchstaben "LOL".

Die Polizei fahndet weiterhin nach vier Männern, die ebenfalls in den Mord verwickelt sein könnten. Der Leichnam wurde derweil an ein anderes Krankenhaus überführt, wo Obduktion stattfinden soll. Vor diesem Krankenhaus wurde ein Auto der nordkoreanischen Botschaft gesehen.

Die genauen Todesumstände im Fall Kim Jong-nam sind weiterhin ungeklärt. In allen Berichten ist jedoch von Gift die Rede. Der Chef der staatlichen Strafverfolgungsbehörde von Selangor, Fadzil Ahmat, sagte in einem Interview mit dem Malaysia's Star, dass Kim Jong-nam "der Rezeptionistin in der Abflughalle gesagt hatte, dass jemand von hinten sein Gesicht gegriffen und etwas Flüssigkeit über ihn geträufelt habe." Dienstag wurde berichtet, dass Giftnadeln bei dem Attentat verwendet worden waren.

Der südkoreanische Geheimdienst gab bekannt, dass es Nordkorea und insbesondere Kim Jong-un persönlich als Drahtzieher vermutet.

"Wenn sich bestätigen sollte, dass die Ermordung Kim Jong-nams im Auftrag des nordkoreanischen Regimes geschehen ist, würde das die Brutalität und Unmenschlichkeit von Kim-Jong-uns Regime beweisen", sagte Südkoreas Premierminister und momentaner Präsident Hwang Kyo-ahn in einem Geheimdiensttreffen.

Der südkoreanische Nachrichtendienst geht davon aus, dass der Auftrag zur Ermordung des abtrünnigen Halbbruders schon lange bestand. Bereits 2012 war Kim Jong-nam Ziel eines möglichen Attentats gewesen. Ein nordkoreanischer Spion hatte damals den Plan zugegeben, den Exilanten in einem Verkehrsunfall töten zu wollen.

Kim Jong-nam, der älteste Sohn des vorherigen Machthabers, Kim Jong-il, galt lange Zeit als nächster Machthaber Nordkoreas. Ein peinlicher Vorfall 2001 in Japan führte allerdings dazu, dass er aufgrund eines gefälschten Passes in Ungnade fiel. Die letzten 15 Jahre verbrachte er im Exil und kritisierte offen den dynastischen Charakter des nordkoreanischen Regimes. Er sagte, dass sein Bruder als Regierungschef scheitern wird.

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