Die Fünf

DJ Platinums fünf wichtigste Jersey Club Tracks

Jersey Club ist in Europa nicht gerade das bekannteste Musikgenre. DJ Platinum will dazu beitragen, dass sich das ändert.

von Ugur Gültekin
24 März 2017, 4:38pm

zvg

In unserer Rubrik "Die Fünf" befragen wir Schweizer Produzenten und DJs zu ihren fünf Favourite-Songs aus einer bestimmten Epoche, aus einem bestimmten Genre oder eines bestimmten Künstlers. Dieses Mal präsentiert uns der Zürcher DJ Platinum fünf Jersey Club Tracks, die seiner Meinung nach die ganze Welt hören sollte.

Wer sich im Zürcher Nachtleben bewegt, kommt an DJ Platinum nicht vorbei. Der 36-jährige Ausnahmekönner ist bereits seit Mitte der 90er Jahre als DJ in der ganzen Schweiz unterwegs und gilt als eine der Fixgrössen im Bereich HipHop. Er war bereits Anfang der 00er Jahre bei Warner Music unter Vertrag und veröffentlichte dort seine eigene Compilation, gründete 2006 mit K-Rim, Aystep und Rockay die legendäre 4Tune DJ-Crew, und ist einer der meistgebuchten DJs des Landes, wenn es um Rap und R'n'B geht. Doch darüber hinaus hat DJ Platinum eine andere grosse Vorliebe zu einem Genre, das in der Schweiz eher ein Schattendasein fristet, obwohl es richtig geile Club-Mucke darstellt: Jersey Club Music. Was an der Beziehung von DJ Platinum und diesem speziellen Genre dran ist, was ihm daran gefällt und welche Tracks er einem Laien als erstes zeigen würde, erklärt er uns hier gleich selbst:

"Was mir an diesem Genre am meisten gefällt, sind die Breaks. Es gibt wohl ganz wenige andere Genres, die diese Ur-DNA des HipHops, die Drumbreaks, so konsequent benutzen und einfliessen lassen wie Jersey Club Music. Ein weiterer fester Bestandteil des Genres sind die Party-Break-Elemente in Form von Vocal-Samples von Künstlern wie Big Kap, Fatman Scoop oder Lil Jon. Im Laufe der Zeit wurde Jersey Club dann auch von Trap und EDM beeinflusst. Diese Art von Musik basiert sehr stark auf Sampling und ist auch deswegen immer wieder in den Fokus der Musikindustrie geraten, die regelrechte Razzien im Internet durchgeführt hat, um die inoffiziellen Jersey Club Remixes löschen zu lassen. Allgemein hat ein solches Nischen-Genre in einem Land wie der Schweiz einen schweren Stand. Es braucht einiges an Engagement von Liebhabern dieser Musik. Darum möchte ich an dieser Stelle meine fünf Favourite Jersey Club Tracks präsentieren und meine Liebe zu dieser Musik mit euch teilen."

DJ Tameil – "K-Swift"

"Dieser Song ist einer von ganz vielen Tribute-Tracks an DJ K-Swift. Sie hat zu ihrer Zeit das Genre massiv gepusht und es auch über die regionalen Grenzen hinweg bekannt gemacht. Sie wird deswegen auch Club-Queen genannt. Allgemein spielen weibliche Artists eine sehr wichtige Rolle innerhalb dieses Genres. Leider ist K-Swift 2008 verstorben. DJ Tameil gilt seinerseits als der Jersey-Club-Godfather. Er hat diese Art von Musik sehr stark geprägt und dazu beigetragen, dass das Genre so klingt, wie es heute eben klingt. Er hat in diesem Track die typischen B-More-Horns und 808-Claps verwendet. Ausserdem ist ein Vocal-Sample von Lil Jon zu hören, das fast nicht mehr als solches erkennbar ist. Das Vocal-Sample von K-Swift ist super repetitiv und macht eins klar: Wer auf deepe Lyrics steht, wird in diesem Genre nicht ganz befriedigt sein."

DJ Jayhood – "Bust the Windows"

"Jayhood ist einer der vielversprechendsten Youngsters im Game. Er ist für unzählige Produktionen zuständig und ist neben Künstlern wie Sliink, R3ll, Tiga oder Lilman für eine Innovationswelle verantwortlich, die seinesgleichen sucht. Er wird im Verlauf dieses Jahres auch eine gemeinsame Produktion mit der Club Syndrom Family veröffentlichen. 'Bust the Windows' mag ich vor allem wegen seines Aufbaus. Das Intro eignet sich perfekt, um es mit anderen Tracks zu mixen. Das mag ein nerdiges Argument sein, aber diese Art von Musik ist halt auch bisschen ein Ding von DJs für DJs. Und: Es existiert auch eine gesunde Portion Competition unter den jungen Produzenten, die sich zum Beispiel darin ausdrückt, dass die Sample-Chops immer komplexer werden. Dieser Battle-Gedanke hält das Genre in Schwung. Ich habe diesen Track 2008 als Eröffnungstrack für einen Mix für Radio 105 benutzt."

DJ Sega – "Be"

"DJ Sega ist ein Ausnahmetalent schlechthin. Er lässt sich sehr schwer schubladisieren und hat einen unverkennbaren Stil. Eigentlich sollte man für ihn ein ganz eigenes Genre erschaffen, damit man seinem Stil gerecht wird. Ob Kinderlied, Oper oder Death Metal – DJ Sega schafft es, aus jeglichem Ausgangsmaterial was Ultracooles zu bauen, das dich weghaut. Er stammt aus Philadelphia, ist aber Mitglied der Brick Bandits, einem renommierten Jersey-Club-Label. Der Track 'Be' war zum Zeitpunkt, als er erschienen ist, auch ausserhalb der Szene ein Erfolg und hat viele Leute aus der Electronic-Szene mit dem Genre bekannt gemacht."

Mike V – " The Weasel Goes Pop"

"Dieser Track ist eine frühe Brick-Bandits-Produktion des Label-CEOs Mike V. Bezeichnend für die Wurzeln des Genres, das auf Roller-Skating-Bahnen entstanden ist, hat er hier auch an die ganz Kleinen gedacht und ein Kinderlied gesampelt. Diese Vorgehensweise findet sich schon im Vorläufer des Genres, in vielen Baltimore-Club-Produktionen, in denen man beispielsweise Songs aus der amerikanischen Sesamstrasse gesampelt hat. Jüngstes Beispiel für die Verwendung von Kinderliedern in Jersey-Club-Tracks ist 'Caillou Anthem' von DJ Taj, das auf Youtube über 30 Millionen Views vorzuweisen hat."

DJ Tim Dolla – "Da Business"

"Alles was nach 'Girly-R'n'B' klingt, findet in Jersey-Club-Tracks immer wieder Verwendung. Die Mischung aus soften Vocals und den peitschenden Drumsets schafft hierbei einen speziellen Kontrast. Die Arbeit mit den verschiedenen Tempi ist wohl auch spannend und führt zu interessanten Experimenten. Tim Dolla ist auch Mitglied der legendären Brick Bandits, des Labels, dass das Gerne in den 00er Jahren massiv dominiert hat. In diesem Track hat er keinen klassischen Drumbreak oder genre-typische Vocalelemente verarbeitet. Mit ganz wenigen und simplen selbst beigefügten Bestandteilen und dafür umso mehr Samples aus dem Original-Track von Yung Berg hat er hier eine soliden Club-Banger kreiert."


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