Anzeige
Prügelei

Eishockey-Spieler geht auf das ganze Team los

In einem mehr als unsportlichen Blackout knockte der Enforcer Damir Ryspayev in einem Vorbereitungsspiel der russischen KHL erst einen Gegenspieler zu Boden und knöpfte sich anschließend den Rest des Teams vor—inklusive Auswechselbank.

von Florian Jentsch
09 August 2016, 9:15am

Während die Eishockey-Teams hierzulande gerade erst in die Saisonvorbereitung eingestiegen sind, ist man in der russischen Liga KHL schon einen Schritt weiter und hat bereits die ersten Vorbereitungsspiele absolviert. Bei zweien dieser Vorbereitungsspiele kam es vergangenes Wochenende schließlich zu gleich mehreren Eklats.

Die Mannschaften von HC Beijing Kunlun Red Star aus Peking und HK Barys Astana aus Kasachstan trafen gleich zweimal aufeinander. Schon im ersten Spiel ließen die Spieler nichts anbrennen und so standen am Ende ganze 196 Strafzeit-Minuten, mehrere Schlägereien sowie ein verletzter Spieler von Barys Astana auf dem Spielbericht. Diese aufgeheizte Stimmung sollte sich dann auch im zweiten Spiel fortsetzen. Der als Enforcer bekannte Damir Ryspayev von Barys Astana setzte dem Ganzen allerdings die Krone auf.

Nach nur drei Minuten brach Chaos auf dem Eis aus, nachdem Ryspayev einen Spieler von Kunlun Red Star hinterrücks ins Gesicht schlug und damit zu Boden schickte.

Als sich jedoch niemand wirklich mit dem Eisrüpel messen wollte, nahm der die Dinge einfach selbst in die Hand und knöpfte sich einen nach dem anderen jeden der auf der Spielfläche stehenden Gegenspieler vor.

Und als er sich dort ausgelassen hatte, fuhr er einfach weiter zur Bank von Kunlun Red Star, um sich dort mit dem Rest der Mannschaft anzulegen. Erst durch das Eingreifen seiner Mitspieler konnte Ryspayevs Ausraster ein Ende bereitet werden.

Dieses Verhalten des Kasachen muss man schlicht und ergreifend als unsportlich, wenn nicht sogar fast schon unmenschlich bezeichnen. Aber was ist von einem Eishockeyspieler, der in 150 Spielen nur ein Tor, dafür aber ganze 567 Strafminuten angesammelt hat, eigentlich schon anderes zu erwarten?

Das Spiel fand direkt nach dem Zwischenfall sein Ende, weil sich die Mannschaft von Kunlun Red Star weigerte, noch mal das Eis zu betreten. Somit bleiben am Ende ein automatischer 5:0-Sieg für Barys Astana sowie zwei Fragen: Warum sind die Schiedsrichter nur so halbherzig dazwischen gegangen und haben die Situation so unnötig eskalieren lassen? Und warum hat sich die KHL dazu entschieden, Damir Ryspayev für dessen unvertretbares Verhalten nur für den Rest der Saisonvorbereitung zu sperren, anstatt einen Spieler, der dem Ansehen des Eishockey im Grunde nur schadet, länger oder gar komplett aus dem Verkehr zu ziehen?

UPDATE: Die KHL reagierte nun auf den Vorfall und sperrte den 21-Jährigen lebenslang (!). „Im Eishockey darf es zu Schlägereien zweier Gegner kommen, wenn alles fair abläuft. Aber für zügellose Gewalt ist, wie in jedem anderen Sport, kein Platz", erklärte KHL-Präsident Dmitry Chernychenko.