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Reinhard Grindel ist zum neuen Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes gewählt worden. Der bisherige DFB-Schatzmeister wurde als einziger Kandidat von den Delegierten des außerordentlichen Bundestages mit 250 zu 4 Stimmen zum Nachfolger von Wolfgang Niersbach gekürt. Niersbach hatte wegen der WM-Affäre seinen Rücktritt erklärt.„Der neue DFB wird eine gute Zukunft haben, wenn es uns gelingt, alles zu vereinen: die sportlichen Erfolge, das äußere Erscheinungsbild, aber eben auch die inneren Werte", erklärte Grindel nach der Wahl. Der CDU-Politiker wird sein Mandat im Bundestag niederlegen und muss Anfang November im Amt bestätigt werden. Doch er ist umstritten.Der 54-Jährige ist Quereinsteiger und noch nicht lange im Fußball aktiv. Als Journalist leitete er die ZDF-Studios in Berlin und Brüssel—obwohl er damals schon CDU-Mitglied war. Im 2002 zog er dann für die Union in den Bundestag ein. Erst im Jahr 2011 kam er als Vizepräsident des Niedersächsischen Verbandes zum Fußball. Laut der Süddeutschen Zeitung beschrieben ihn Weggefährte aus Journalismus und Politik als „karriereorientierten Machtmenschen". Nun steht er an der Spitze des größten Sportverbands der Welt.
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Grindel, den die Amateur-Vertreter an der DFB-Spitze haben wollten, war für das Profi-Lager und die DFL nicht der Idealkandidat. Kritische Stimmen behaupten er sei zu unerfahren und der Aufgabe nicht gewachsen, den krisengeschüttelten DFB wieder in die Spur zu bringen und Vertrauen zu schaffen. „Als amtierender Schatzmeister des DFB hat Grindel sich in Sachen Transparenz und Aufklärung des WM-Vergabeskandals nicht gerade mit Ruhm bekleckert", erklärt Özcan Mutlu, Sprecher für Sportpolitik der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen. „Mit ihm wählen die Mitglieder einen Funktionär, der auf Tauchstation gegangen ist, als es darauf ankam und Vertrauen wiedergewonnen werden musste."Seit dem Jahr 2013 belastete ihn zudem ein weiterer Interessenkonflikt: Grindel wurde fast zeitgleich DFB-Schatzmeister und Vize-Chef des Sportausschusses des Bundestags. Während der DFB sich für Integration und Toleranz stark macht, pochte Grindel in einer Budestagsdebatte darauf, dass junge Deutsche mit doppelter Staatsbürgerschaft sich für eine Nationalität entscheiden müssen. Der DFB erklärte, Grindel werde „parteipolitisch umstrittene Themenfelder nicht in den Mittelpunkt seiner politischen Arbeit stellen, sondern sich vielmehr sportpolitischen Fragestellungen zuwenden". Ein Maulkorb für einen gewählten Politiker. Grindel widersprach, dass es solche Absprachen gibt.Reinhard Grindel, das CDU-Phantom, das YouTube-Star… äh DFB-Präsident wird
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Der Spiegel ordnete Grindels politischen Kurs „näher" an Horst Seehofer als an dem der Kanzlerin ein. So warne er „vor der Ausbeutung der Sozialsysteme, der Überforderung des deutschen Staates, der Masseneinwanderung". Ob Hardliner Grindel zum DFB passt und dem Anspruch „Für Toleranz und Integration" sowie den Veränderungen im korrupten Fussball gerecht wird, ist jedoch fraglich. Das zeigen vor allem einige seiner Entscheidungen bei Abstimmungen im Bundestag wie die Seite abgeordnetenwatch.de dokumentiert: Schärfere Regeln gegen Abgeordnetenbestechung- (Grindel sagte) NEINVerbot der NPD - NEINFrauenquote in Aufsichtsräten - NEINPrivatisierung der Wasserversorgung verhindern (Grünen-Antrag) - NEINRecht auf Eheschließung für gleichgeschlechtliche Paare - NEINKürzungen der Solarförderungen - JAKeine Panzer an Saudi-Arabien verkaufen - NEINAbschiebestopp für syrische Flüchtlinge - NEIN--Seine restlichen Abstimmungen findet ihr hier.Folgt Benedikt bei Twitter: @BeneNieWo der neue #DFB-Präsident #Grindel politisch einzuordnen ist? Hier: pic.twitter.com/eb01EaBbWO
— Rafael Buschmann (@Rafanelli) 15. April 2016
