Oliver Schories ist nicht Van Damme, sondern ein mittelgroßer gemischter Salat

Liebe Fans von Oliver Schories, das fällt uns wirklich nicht leicht, aber es muss gesagt werden.

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Feb. 17 2015, 6:30pm

Im März veröffentlicht Oliver Schories sein drittes Album Fields without Fences. Weil der Bremer gerne mal als neue elektronische Hoffnung des putzigen Stadtstaates gefeiert wird, hat mich Thump ins Docks geschickt, damit ich rausfinde, was er live so taugt. Und jetzt hab ich den Salat-gemischt und mittelgroß. Ich zupfe ihn für euch mal auseinander.

Salat

Bleiben wir kurz bei diesem Bild, denn es verdeutlicht ganz gut das Problem dieses Abends. Jemand, der einen gemischten, mittelgroßen Salat bestellt, hat entweder ein Entscheidungsproblem, er versucht, einem gewissen Maß an Selbstdisziplin gerecht zu werden, oder hat schlichtweg grad keinen Hunger und isst aus bloßer Höflichkeit mit. Oder hattest du irgendwann schon mal Heißhunger auf einen mittelgroßen, gemischten Salat? Eben.

Was uns gleich zur nächsten Frage führt: Was haben Höflichkeit, Selbstkontrolle und Entscheidungsschwäche mit einer guten Party zu tun? Und genau da liegen die Schwächen von Oliver Schories und seinem Publikum.

Van Damme

Ich habe mir von Oliver Schories vorab schon das ein oder andere Soundcloud-Set angehört. Und gerade seine Jahreszeiten-Zusammenstellung können wirklich einen richtig guten Soundtrack für Autofahrten abgeben. Was heißt, ich möchte ihm wirklich nicht ein gewisses Talent absprechen. Es gibt einige Tracks, die man sich auf seinem Debütalbum „Herzensangelegenheiten" wirklich gut geben kann. Aber schon da zeigt sich das Problem, das live noch deutlicher wird und offenbar auch kurz vor Release des dritten Albums weiterhin besteht. Ich nenne es den „missglückten Van Damme". Jeder hat wohl diesen Werbespot gesehen, in dem der gute Jean-Claude sich lässig zwischen zwei LKWs in einen schmerzhaften Spagat hinablässt. Sein Blick: cool, entschlossen, geradeaus. Nur musst du eben ein verdammter Van Damme sein, um das so hinzubekommen. Oliver Schories will mit seinem Set einen vandammesken Genrespagat hinlegen und streut von allem ein bisschen ein, er mischt TechHouse mit Minimal, Popeinflüssen und DeepHouse-Momenten. Ein extra aus Bremen angereister Besucher meinte zu mir, dass Oliver Schories einfach der Geilste sei, weil er wüsste, was die Leute wollen. Ich würde eher sagen, dass er (noch) nicht so recht weiß, was er selbst will. Oder es einfach allen recht machen will-was die noch schlechtere Alternative wäre.

Die Axt im Club

Es kommt natürlich auch darauf an, von welcher Crowd wir hier reden. Meine Publikumsstudie kam zu folgendem Ergebnis: Jede Glitzerkanone wurde mehr bejubelt als ein gelungener, wieder einsetzender Basslauf. Es gab tatsächlich eine selbsternannte VIP-Gruppe, die sich mit einer eisgekühlten Flasche Wodka und Red Bulls in einer Ecke durchweg selbst ablichtete. Aus nicht recherchierbaren Gründen wurden am Anfang der Veranstaltung aufblasbare Äxte von der Bühne aus ins Publikum geschmissen und es gab genügend Besucher, die sich berufen fühlten, diese auftragsgemäß über sich in die Höhe zu halten. Ich habe zwei Tänzer mit Axt befragt:

Thump: Darf ich mal fragen, warum du mit dieser Axt über dem Kopf tanzt?
Typ: Hä? Was willst du?

Ich frage mich nur, ob das Ausdruck für irgendetwas ist, dass du die ganze Zeit diese Axt über deinen Kopf hältst beim Tanzen? Oder ob du das schmückend findest?
Typ: Haha, was hast du denn? Die wurden halt ins Publikum geworfen.

(Das zweite Gespräch war leider noch weniger ertragreich.)

Es gibt eine Reihe von Sprichwörtern, die Äxte mit Problemlagen verschiedenster Art verbinden. An dieser Stelle scheint mir das von der Axt im Wald sehr passend. Oder auch schlichtweg, verdammte Axt, nur weil man euch etwas hinwirft, müsst ihr es nicht fressen oder in die Luft halten. Dazu kommt diese ganze Glitzermentalität. Auch wenn manch eine Edgar-Freecard das behauptet-ein Haufen Scheiße stinkt nicht weniger, nur weil du Glitzer drauf streust. Ein Publikum wird auch nicht automatisch schöner mit Glitzer auf den Wangen und eben erst recht nicht mit Gummiäxten in der Hand. Die Veranstaltung selbst nannte sich zudem Cirque du Son und es turnten einige, ziemlich begabte Artisten durch die Gegend, seilten sich ab und auf und hatten wohl den Auftrag, dem Großraumdisko-Ambiente ein wenig Manegenstimmung einzuhauchen. Das haben sie leider nicht geschafft-es wirkte eher so, als ob du in ein stinklangweiliges Selbstportrait einen lustigen Hut einzeichnest.

Das Ende vom Kreis...

... gibt es nicht. Und genauso lässt sich ein Publikum nie ganz vom Künstler trennen und du weißt am Ende nicht ganz, wer eigentlich wen oder was verursacht. Fassen wir es einfach mal so zusammen: Du hast nichts verpasst.

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