Tiefrote Zahlen: Soundcloud macht so viel Verlust wie noch nie

Mitbegründer und CEO Alexander Ljung sieht das 2007 gegründete Unternehmen allerdings noch in der Wachstumsphase.

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06 Januar 2017, 2:19pm

Alex Ljung im Jahr 2012 im Berliner Büro von Soundcloud. Foto von imago/ZUMA Press

Die Streaming-Plattform Soundcloud kommt finanziell seit Jahren auf keinen grünen Zweig. In einem gestern veröffentlichten Finanzbericht für das Geschäftsjahr 2015 wies das Unternehmen einen Verlust von über 50 Millionen Euro aus. Damit wurde der bisherige Negativwert von ca. 39 Millionen Euro aus dem Jahr 2014 getoppt. Der Umsatz stieg zwar im gleichen Zeitraum um knapp vier Millionen Euro, allerdings wurde dabei auch die Belegschaft deutlich vergrößert, so dass die Personalausgaben um elf Millionen stiegen.

Alles hängt vom neuen Abo-Service ab

Die schlechten Zahlen bringen Soundcloud in immer größere finanzielle Schwierigkeiten. Es besteht sogar die Gefahr, dass dem Unternehmen das Geld ausgeht, wie Mitgründer und CEO Alexander Ljung in dem Bericht schreibt. Trete dieser Fall ein, müsse nach weiteren Einnahmemöglichkeiten gesucht werden, was eigentlich nicht geplant sei.

In dem Geschäftsbericht für das Jahr 2015 betont die Unternehmensleitung daher, wie sehr alles vom Erfolg des Ende 2016 in Deutschland gelaunchten Streamingservice Soundcloud Go abhängt: "Die Annahme eines erfolgreichen Launches des neuen Abo-Diensts ist das Schlüsselelement der Finanzplanung für die nächsten drei Jahre."

Soundcloud begründet den hohen Verlust mit massiven Investitionen

Gegenüber THUMP gab das Unternehmen an, dass man 2015 stark darauf fokussiert war, ein Monetarisierungsmodell zu entwickeln, inklusive des Abo-Services Soundcloud Go. "Das bedeutete massive Investitionen sowohl in Technologie, Personal und Marketing, als auch in komplexe Lizensierungsverfahren mit den entscheidenden Partnern aus der Musikindustrie. Daher blieb das Unternehmen unprofitabel."

Wie viel Geld bisher durch Soundcloud Go eingenommen wurde, ist jedoch unklar, da das Unternehmen keine Angaben zu zahlenden Nutzern macht. Der Branchenanalyst Mark Mulligan sagte gegenüber der Wirtschaftsseite Bloomberg Businessweek, dass Soundcloud Go in den acht Ländern, in denen es bisher verfügbar ist, bislang ungefähr 250.000 Abonnenten habe. Zum Vergleich: Die Branchenriesen Spotify und Apple Music haben 40 bzw. 20 Millionen zahlende User.

Wie jedes große Unternehmen hat auch Soundcloud einen Businessplan. In diesem geht die Unternehmensleitung davon aus, dass auch in den nächsten drei Jahren rote Zahlen geschrieben werden. Die Frage ist nur, ob der Verlust verringert werden kann. Alexander Ljung sieht das Unternehmen noch immer in einer Wachstumsphase, die eben Investitionen erfordere. Verluste in dieser Phase seien daher "nicht ungewöhnlich", wie er in einem Interview im Dezember letzten Jahres bereits sagte.

Neue Investoren oder kompletter Verkauf denkbar

Sinkt der Verlust in den nächsten Jahren nicht, wird das Unternehmen entweder weitere Investoren finden müssen, der Anteile erwirbt. Zuletzt kaufte Twitter für 70 Millionen Anteile an dem Berliner Start-Up. Oder das Unternehmen wird möglicherweise ganz verkauft. Nachdem Spotify im September Abstand von einem solchen Kauf nahm, wurden zuletzt Gerüchte gestreut, dass Google an Soundcloud interessiert sei.

Aktuelle gibt sich das Unternehmen jedoch optimistisch. "2016 gab es nicht nur in der gesamten Branche ein solides Wachstum, sondern auch für Soundcloud selbst", gab Soundcloud gegenüber THUMP an. Spätestens in einem Jahr wird klar sein, ob sich das auch in den Zahlen bemerkbar macht.

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