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Elektronische Musik verboten—Selbst Kraftwerk dürfen nicht in Argentiniens Hauptstadt spielen

Statt des “War On Drugs” wird in Buenos Aires ein “War On Electronic Music” geführt.
10.11.16
Auf diese Show müssen alle argentinischen Fans von Kraftwerk vermutlich verzichten. Foto Imago/United Archives International

Im April diesen Jahres starben fünf Menschen beim Time Warp Festival in Buenos Aires, vermutlich durch eine Überdosis nicht näher definierter Drogen. Die Behörden in der argentinischen Hauptstadt entschieden daraufhin, auf unbestimmte Zeit keine elektronischen Musikfestivals mehr zu erlauben. Von diesem Verbot ist nun absurderweise auch das für den 23. November geplante Konzert von Kraftwerk im Luna Park Stadion betroffen.

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Move Concerts, der Promoter der Gruppe, hatte im Juli zunächst die Erlaubnis erhalten, mit dem Ticket-Vorverkauf zu beginnen. Vor zwei Wochen, als bereits 70 % der Eintrittskarten verkauft waren, wurde die Veranstaltung untersagt. Ein Vertreter der Stadtverwaltung begründete diese Entscheidung gegenüber der argentinischen Tageszeitung Claria: "Nach dem Time Warp Festival wurden alle elektronischen Musikfestivals verboten. Daher können wir keine Erlaubnis für diese Veranstaltung erteilen, auch wenn alle erforderlichen Papiere rechtzeitig eingereicht wurden."

Assoziationskette: Wo elektronische Musik ist, sind auch Drogen, und an denen sterben Menschen

Aber ein Konzert ist doch kein Festival im herkömmlichen Sinne, oder? Laut der Stadtverwaltung trifft die Verbotsregel trotzdem zu, denn Kraftwerk "benutzen primär Synthesizer oder Sampler als Instrumente."

Kraftwerks Promoteragentur kann die Definition des Konzertes als Festival nicht verstehen: "Sie benutzen Synthesizer, aber es ist ein ganz anderes Format", erklären sie im gleichen Artikel. "Es ist ein Konzert, das für die Öffentlichkeit zugänglich ist und maximal 2 Stunden dauert. Außerdem werden keine alkoholische Getränke auf dem Konzert angeboten." Daher wurde auch Einspruch gegen diese Entscheidung bei der Stadtverwaltung eingelegt. Noch gab es keine Antwort.

Vermutlich haben die argentinischen Behörden eine einfache Assoziationskette: Wo elektronische Musik ist, sind auch Drogen, und an denen sterben Menschen, wie mutmaßlich beim Time Warp Festival im April. Da hilft nur: elektronische Musik verbieten. Jorge Becco, Vorsitzender der Vereinigung von Clubbesitzern in Buenos Aires, sagte Ende April über diese Vorgehensweise: "Es ist so, als würde man die Gemüseabteilung eines Supermarktes schließen, weil vergiftetes Fleisch in der Schlachterei gefunden wurde."

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