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Versteckte Bilder enthüllen die Skrupellosigkeit von Großwildjägern

Hinter den Kulissen einer Messe, auf der Trophäenjäger Safari-Trips anbieten, die viel weniger dem Artenschutz als dem Vergnügen der Touristen dienen.

von Kaleigh Rogers
18 August 2016, 7:00am

Bild: Screenshot aus dem Video

In erschreckender Regelmäßigkeit hören wir in den Nachrichten von „Hobbyjägern", die auf einer ihrer Touren seltene Tiere erlegen—und das nur zum Spaß. Wenn Bilder der Jäger, die mit ihren Trophäen protzen, an die Öffentlichkeit kommen, sorgen sie regelmäßig für einen veritablen Shitstorm—das durfte zuletzt die damals 19-jährigen Amerikanerin Kendall Jones erleben, als ihre Bilder neben mehreren erlegten Tiere die Runde machten. Doch trotz der kurzzeitigen öffentlichen Empörung floriert der Markt auf dem die Symbole der Trophäenjagd gehandelt werden, weiterhin prächtig.

Aufnahmen der Humane Society von einer großen Trophäenjagd-Messe in Las Vegas zeigen, wie es hinter den Kulissen von diesem Geschäft abläuft. Die Messe wird von einer internationalen Non-Profit-Organisation veranstaltet, die sich zumindest dem Namen nach dem Artenschutz verschrieben hat. Doch die mit der versteckten Kamera gedrehten Bilder zeichnen ein anderes Bild.

Die Trophäenjagd—bei der große, seltene Tiere wie Löwen nur getötet werden, um ausgestopft und an der Wand aufgehangen zu werden—gilt auch unter Afrika-Besuchern als äußerst umstrittene Sportart. Nach außen hin wird das Bild einer gut geführten, um den Artenschutz bemühten Sportindustrie gepflegt, doch hinter geschlossenen Türen offenbart sich eine etwas andere Realität.

Das heimlich aufgenommene Video zeigt, wie Verkäufer auf der Messe vom Anfang des Jahres versuchen, Ausflüge zu verhökern, auf denen Touristen Leoparden, Elefanten und andere wilde Tiere jagen können—eine erfolgreiche Jagd wird garantiert. Die Humane Society hat den Film gedreht, bearbeitet und ihn Motherboard zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt. Es wurden lediglich die Gesichter der im Video zu sehenden Personen unkenntlich gemacht.

Nichts von alledem, was im Video auf der alljährlichen Messe des Safari Club International in Las Vegas im Februar dieses Jahres zu hören ist, ist illegal oder besonders überraschend—ähnliche Behauptungen und Angebote wird man auch auf den Websiten diverser Trophäenjagd-Reiseveranstalter vorfinden—und dennoch geben die Aufnahmen einen seltenen Einblick in eine Welt, in der die Tiere im Grunde nur zum Vergnügen und in einem ungleichen Kampf getötet werden.

„Diese Leute machen es einem echt leicht", erzählt ein Besucher der verdeckt filmenden Besucherin der Humane Society. „Dank ihnen muss man kein Experte sein, um zu jagen."

Safari Club International (SCI) ist sowohl eine Trophäenjagd-Organisation als auch eine Non-Profit-Organisation, die sich im Bereich des Artenschutz engagiert. International hat sie vor einem Jahr für Aufmerksamkeit gesorgt, als ein Mitglied des Clubs aus den USA, Walter Palmer, den unter Artenschutz stehenden Löwen Cecil aus dem Hwange-Nationalpark in Simbabwe erschossen hat. Palmer behauptete, nicht gewusst zu haben, dass der Löwe geschützt gewesen sei. Der SCI hat daraufhin lediglich Palmer die Mitgliedschaft im Club gekündigt und eine Untersuchung eingeleitet, deren Ergebnisse bis heute aber nicht der Öffentlichkeit präsentiert worden sind. Cecils Tod hat in der Öffentlichkeit für viel Hass und Wut auf die Welt der Trophäenjagd gesorgt.

Zwei Verkäufer in dem Video machen sich dennoch über Cecil lustig. „Was für ein Haufen Schwachsinn das alles war", sagt einer der Männer. „Ich jage schon seit 33 Jahren dort. Wer verdammt nochmal ist Cecil? Ich hab' noch nie in meinem Leben von einem Cecil gehört." Ein anderer Verkäufer scherzt: „Jetzt sind wir auf der Suche nach Cecils Bruder."

Das Argument der Trophäenjagd-Befürworter ist, dass es eine bewährte Methode sei, um den Artenschutz zu finanzieren: Man lässt ein paar reiche Jäger für das Privileg des kontrollierten Tötens einer Handvoll Tiere zahlen und kann dann mit diesem Geld die gesamte Art schützen. Es erscheint zunächst auch logisch: Wenn die Trophäenjagd so viel Geld einbringt, möchte man in der Branche mit Sicherheit nicht, dass all die wertvolle Beute von der Erde verschwindet.

Gegner der Trophäenjagd weisen jedoch darauf hin, dass die Branche schlecht geführt wird und werfen die Frage auf, wie viel von dem Geld tatsächlich in den Artenschutz fließt.

Screenshot aus dem Material von der versteckten Kamera. Bild: Humane Society

„Wenn einem Land der politische Wille fehlt, Artenschutz-Bestimmungen zu stärken und umzusetzen, oder wenn die notwendigen Ressourcen fehlen, um Populationszählungen durchzuführen, Wilderei zu verhindern und den Lebensraum zu schützen und wiederherzustellen, wird die Situation durch das Töten zusätzlicher Tiere bei der Trophäenjagd nur noch verschlimmert", ist in einem aktuellen Bericht der Demokraten der Abteilung für natürliche Ressourcen nachzulesen. Darin wird unter Berufung auf wissenschaftliche Studien darauf hingewiesen, dass die Trophäenjagd für den Artenschutz oftmals eher schädlich als förderlich ist.

Der SCI behauptet, in Artenschutzprogramme zu investieren, doch gleichzeitig fördert er das Töten gefährdeter Tiere wie Löwen, Elefanten und Nashörnern und versorgt die Jäger mit Genehmigungen und dem Zugang zu Safariausflügen, die einzig und allein darauf ausgelegt sind, Beute zu erlegen. Der SCI hat nicht auf Motherboards Anfragen reagiert, hat aber in der Vergangenheit gesagt, dass die Trophäenjagd zu einer ihrer wichtigsten Einnahmequelle für die Unterstützung von Artenschutzprogrammen zählt.

„Das Afrika-Programm der SCI Foundation unterstützt Regierungen und Nichtregierungsorganisationen bei der wissenschaftlichen Kontrolle und Verwaltung der Wildtierbestände, bei der Umsetzung von Richtlinien zum Artenschutz und mit regionalen Kooperationen, durch die die nachhaltige Nutzung von Wildressourcen optimiert werden soll", heißt es beispielsweise auf der Website der Organisation. „Die SCI Foundation hat seit 2008 über 3,5 Millionen US-Dollar für den Artenschutz in Afrika ausgegeben und sich für mehr als 11 Arten in über 13 Ländern eingesetzt."

Auf der vom SCI veranstalteten jährlichen, fünftägigen Messe bieten Verkäufer aus aller Welt den etwa 20.000 Besuchern hunderte von sehr teuren Jagdausflügen zum Verkauf oder in Auktionen an. Im vergangenen Jahr konnte die Messe 2,7 Millionen US-Dollar einfahren.

Es klingt vielleicht nicht sehr logisch, doch tatsächlich hat sich die Jagd in der Vergangenheit durchaus als Methode des Tierschutzes beweisen können: In den USA haben Jagd-/Tierschutz-Gruppen zweifellos finanziell zum Schutz der natürlichen Ressourcen beigetragen. Organisationen wie beispielsweise Ducks Unlimited und Pheasants Forever errichten Wildschutzgebiete und sanieren Sumpfgebiete. Ziel ist es einerseits, die Tiere und ihren Lebensraum zu schützen, andererseits aber auch, einen gesunden Vogelbestand für die Jagd aufrechtzuerhalten. Kann man die Trophäenjagd also zur gleichen Kategorie rechnen oder ist es nur ein passender Vorwand für eine schwächer kontrollierte Industrie, die von Protzerei und Männlichkeitswahn angetrieben wird?

Realistisch gesehen ist es ein bisschen von beidem. In schlecht verwalteten Gegenden kann die Trophäenjagd die Tierwelt tatsächlich zusätzlich gefährden. Wenn sie aber ordnungsgemäß durchgeführt wird, verteidigen sogar Naturschutzexperten die Methode.

„In Südafrika ist es im 20. Jahrhundert in großem Umfang zur Erholung von Wildtierbeständen gekommen, die auch auf die Jagd zurückzuführen sind", sagte Rosie Cooney von der Weltnaturschutzunion IUCN im vergangenen Jahr der BBC.

Es kann aber verständlicherweise schwierig sein, diese beiden Extreme miteinander zu vereinbaren. Wenn Filmmaterial an die Öffentlichkeit gelangt, in dem zu sehen ist, wie die Tiere gequält werden, bevor man sie tötet; wenn ein Land die Jagd einer bestimmten Art verbietet, weil es selbst nicht mehr sicher ist, wie viele Exemplare übrig sind; wenn ein beliebter Löwe aus seinem sicheren Zuhause gelockt wird, nur um gejagt und schließlich getötet zu werden; oder wenn der Verkäufer auf einer Messe den von ihm angebotenen Safariausflug mit der Versicherung „dank Jagdhunden liegt die Erfolgsrate bei etwa 100 Prozent" anpreist. All diese Fakten lassen die These, dass die Trophäenjagd die beste Strategie sei, um den Tierschutz finanziell zu unterstützen, doch eher zweifelhaft erscheinen.
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