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Ein Zürcher möchte über ein Facebook-Video 40.000 Franken Schulden begleichen

Im Video spricht er darüber, wie die Schulden seinen Alltag prägen. Auf Crowdfunding-Plattformen wurde sein Aufruf nicht akzeptiert.
10.1.17

Screenshot von Facebook

"Wenn ich durch Crowdfunding wieder ein normales Leben führen könnte, würdest du mich unterstützen?", schrieb Oliver Jordan Tewelde als Einleitung über sein Video auf Facebook, das bereits über 200 mal geteilt wurde. Aufgrund eines Fahrradunfalls, bei dem eine Frau verletzt wurde, fielen für den Zürcher nach Eigenangaben Kosten von 40.000 Franken an. Zum Zeitpunkt des Unfalls verfügte er anscheinend über keine Haftpflichtversicherung, da seine Mutter kurz zuvor aus Geldmangel die Versicherung von ihr und ihrem Sohn gekündigt habe, wie er im Video sagt.

Oliver erzählt, dass er die Aktion zuerst über mehrere Crowdfunding-Plattform starten wollte, diese aber keine solchen Projekte finanzieren. Um zu erfahren, warum Crowdfunding-Plattformen Projekte wie jenes von Oliver ablehnen, haben wir bei einer davon nachgefragt.

Die Sprecherin der Zürcher Crowdfunding-Plattform 100-Days sagt gegenüber VICE, bei ihnen treffe im Durchschnitt etwa ein Projekt pro Woche ein, das eine Schuldenbegleichung zum Ziel habe. 100-Days fokussiere aber auf Crowdfunding zukünftiger Ideen, Projekte und Produkte und nicht auf Finanzierungen vergangener Schulden. "Nähmten wir ein solches Projekt an, müssten wir auch alle anderen annehmen." Weil es so viele seien, würde das zur Benachteiligung von andersartigen Projekten führen. Im konkreten Fall von Oliver sei am Montag eine E-Mail bei 100-Days eingetroffen. Obwohl diese noch nicht beantwortet wurde, vermutet 100-Days, dass bei ihnen das Projekt nicht angenommen werden könne.

Oliver hat beschlossen, auf Facebook über seine Schulden zu sprechen und so ein tabuisiertes Thema in die Öffentlichkeit gerückt. In der Schweiz hat mehr als jede zwanzigste Person Schulden, die sie nicht begleichen kann. Schulden sind für viele Betroffene eine grosse psychische Belastung und einer der Hauptgründe, um in Armut abzurutschen. Das Bundesamt für Statistik registrierte im Jahr 2014 über eine halbe Million Menschen in der Schweiz, die von Armut betroffen sind. Zusätzlich dazu waren doppelt so viele, also jeder achte Einwohner, von Armut gefährdet. Im Kanton Zürich waren gemäss dem Sozialbericht aus dem Jahr 2015 rund 46.200 Personen auf Sozialhilfe angewiesen.

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