Collage: Lisa Ziegler

Der Bauchnabel ist der schmutzigste und faszinierendste Ort deines Körpers

Über 2.000 Spezies können hier wohnen. Mit Bauchnabelbakterien kann man Käse machen und mit Bauchnabelfusseln den Grill anzünden.

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16 Januar 2017, 3:00am

Collage: Lisa Ziegler

Bauchnabel! Sie sind viel mehr als eine Fusselgrube. Viel mehr als eine seltsame Ansammlung von Narbengewebe. Und auch nicht "bloß eine Ablagestelle für den Kaugummi auf dem Weg zum Oralsex", wie mein spätpubertärer Cousin behauptet.

Dein Bauchnabel war am Anfang deines Lebens tatsächlich der Nabel deiner Welt. Schließlich ist er ein Überbleibsel der Nabelschnur, durch die du im Mutterleib gegessen, geatmet und gekackt hast. Jepp. Wo heute dein Bauchnabel ist, waren früher dein Mund, Nase und After zugleich!

Der Bauchnabel ist sozusagen ein kaputter USB-Anschluss an deine Mutter. Die erste Schramme im Leben eines Menschen. Eine Körperstelle, die alle Säugetiere vereint. Bis auf ganz wenige Ausnahmen haben wir alle welche—nur sind sie bei vielen Säugetieren nicht sichtbar. Bauchnabeln sind ganze Fetisch-Portale gewidmet (um teilzunehmen, muss man das Foto des eigenen Nabels hochladen). Und ab einem gewissen Bauchumfang eignet sich der Bauchnabel wohl hervorragend als Drogenversteck (40 Tüten Heroin und Crack passen bei manchen rein).

Und trotzdem wissen wir doch eigentlich erstaunlich wenig über diese ehemalige Körperöffnung. Oft noch nicht mal die Pluralform! (Laut Duden heißt die Mehrzahl "die Nabel", oder, seltener, "Näbel".)  Lasst uns also um den eigenen Nabel kreisen—und auch reinschauen.  

Darin leben bei einem Durchschnittsmenschen 67 Spezies. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie mit dem wunderbaren Namen "Ein Dschungel da drin". Die Forscher haben 60 Bauchnabel untersucht und insgesamt sogar 2.368 Spezies gefunden: Bakterien, Parasiten, kleine Tiere. (Na, immer noch Lust, Sekt zu schlürfen, "der so schön prickelte in meine Bauchnabel"?)

Manche von den Bakterien lassen Bauchnabel streng riechen. "Innies" (nach innen gestülpte Bachnabel) sind dafür anfälliger als "Outies", also Außenbauchnabel, die übrigens nur 10 Prozent der Menschen besitzen.

Ein weiterer Bauchnabelforscher, Karl Kruszelnicki, hat Bauchnabelfusseln untersucht—diese wollmausähnliche Köttel, die sich im Bauchnabel ansammeln. Sie bestehen aus Textilfasern, Haaren und Hautzellen. Menschen mit Bauchhaaren (sprich: oft Männer) tendieren besonders zu Fusselanhäufung, weil die Härchen Textilfasern anziehen. Gibt es allerdings zu viele Haare am Bauch, funktionieren sie eher wie eine Barriere und halten den Bauchnabel fusselfrei.

Kruszelnicki hat außerdem herausgefunden, dass die Menge der Nabelfussel vom Alter abhängt (je älter, desto fusseliger), von körperlicher Aktivität (je mehr Bewegung, desto fusseliger) und von der Jahreszeit (je mehr Kleidung, desto fusseliger). Die Farbe der Fussel hat laut Kruszelnicki mit der Farbe der Klamotten und des Hauttons zu tun (helle Haut = eher hellere Fussel und andersrum).

Foto: Brenna | Flickr | CC BY 2.0

Den Guiness-Buch-Rekord für die größte Sammlung von Bauchfussel hält übrigens Graham Barker. Zwischen 1984 und 2000 füllte er drei ganze Flaschen mit dem Inhalt seines Nabels. Die beindruckende Sammlung ist hier zu sehen.

Barker hat die Besucher seiner Seite nach ihrem Nabel-Verhalten ausgefragt und Erstaunliches zu Tage gefördert, besonders, was die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten von Bauchnabelfusseln angeht.

Sie eigenen sich als:

Ohrstöpsel

Grillanzünder

Romantisches Andenken

Eine Nutzerin schreibt: "Ich habe ziemlich viele davon [den Bauchnabelfusseln ihres Freundes] im Anhänger, den ich an meiner Halskette trage. Außerdem ist ein Bild von ihm darin. Ich erzähle es aber niemanden und mache es auch nicht auf, weil ich Angst habe, dass die Bauchfussel wegfliegen."

Außerdem kann man mit Bauchnabelinhalt Käse herstellen, der "den Körpergeruch und -Geschmack des Spenders trägt." 

Hört sich nicht gerade nach einem Festmahl an, aber die Bakterien, die im Nabel und zwischen den Zehen leben, wie der Lactobacillus, sind genau dieselben, die in der Käseproduktion benutzt werden. Aber das ist eine ganz andere schmutzige und faszinierende Geschichte.

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