Der YouTuber, der einen Rentner mit seinem Motorrad tötete, wurde veurteilt

"Alpi" drohte ursprünglich eine lebenslängliche Haftstrafe wegen Mordes. Jetzt kommt er mit drei Jahren Haft davon.

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01 Februar 2017, 1:09pm

"Was für ein behinderter Hurensohn", flucht Alpi, YouTube-MotoVlogger mit 80.000 Abonnenten, in einem seiner Videos. "Hurensohn" galt einem Passanten, der auf die Straße trat, als Alpi nachts mit 110 Sachen durch die Bremer Innenstadt bretterte. Fast hätte es gekracht.

Die Videos auf seinem YouTube-Channel "Alpi fährt" sind mittlerweile offline. Alles, was man noch findet, wurde von Fans hochgeladen. Der 24-Jährige verursachte im Juni 2016 einen tödlichen Motorradunfall. Heute hat das Landgericht Bremen ihn wegen fahrlässiger Tötung zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt

"Er bleibt stehen, ey, wie ein Reh", erzählt Alpi in einem alten YouTube-Video seinem Begleiter an der roten Ampel. "Er wär' gestorben. Ich hätte ihn in seine Einzelteile zerlegt, wie bei Lego." Alpi meint: Ein Fahranfänger hätte den Typen "so hart mitgenommen" – aber er selbst sei erfahren und deswegen "einfach vorbeigezogen".

Am 17. Juni 2016 schaffte er es nicht, "einfach so" an einem betrunkenen 75-jährigen Fußgänger vorbeizuziehen. An diesem Abend war er wieder mit Helmkamera und viel zu hoher Geschwindigkeit in Bremen unterwegs, als der Fußgänger bei roter Ampel die Straße überquerte. Alpi fuhr mindestens 100 km/h. Er schaffte es nicht mehr rechtzeitig zu bremsen. Als er den Rentner trifft, stehen laut Gutachten noch zwischen 63 und 68 km/h auf seinem Tacho. Der Mann flog durch die Luft. Er starb an der Unfallstelle. Alpi verletzte sich schwer.

Vor dem tödlichen Aufprall hatte er am selben Abend schon einen anderen Unfall verursacht. Sein Motorrad rammte ein Auto und hinterließ einen Kratzer und ein kaputtes Blinklicht. Alpi beging Fahrerflucht. Auch deswegen wurde der 24-Jährige ursprünglich wegen Mordes angeklagt: Die Fahrerflucht hätte als "Verdeckung einer Straftat" gewertet werden können, was wiederum im Gesetz als ein Merkmal für Mord gilt. 

Doch die Staatsanwaltschaft ließ den Mordvorwurf und die damit drohende lebenslängliche Haftstrafe fallen und forderte stattdessen mehr als sieben Jahre Haft wegen Totschlags. Alpis Verteidigung plädierte auf fahrlässige Tötung und forderte eine Bewährungsstrafe für den 24-Jährigen – auch weil sie anhand der roten Ampel eine Mitschuld des Opfers am Unfall sah. 

Das Gericht befand heute, dass keine Tötungsabsicht erkennbar war, und verurteilte Alpi wegen fahrlässiger Tötung zu fast drei Jahren Haft. Ein Mordurteil wäre für ein Verkehrsdelikt ungewöhnlich gewesen – oft lautet die Anklage auf fahrlässige Tötung oder Totschlag. Doch die Stimmen, die sich für eine härtere Bestrafung von Rasern einsetzt, werden lauter.

Der Fall Alpis war einer der ersten in Deutschland, bei denen ein Raser wegen Mordes verklagt wurde. Bis jetzt kamen Raser oft mit Geld- oder Bewährungsstrafen davon. Alpi wird für den tödlichen Unfall zumindest fast drei Jahre im Gefängnis sitzen. 

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