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Srebrenica

Griechische Fans glorifizieren Völkermord an Bosniern

Nationalistische griechische und bosnische Fans haben das gestrige WM-Qualifikationsspiel dazu genutzt, ihren gegenseitigen Hass offen zum Ausdruck zu bringen. Grund dafür ist ihre jeweilige Beziehung zu Serbien.

von Toni Lukic
14 November 2016, 12:00pm

Foto: twitter.com/Souidos

Gestern kam es in Piräus zum Verfolger-Duell in der WM-Qualifikationsgruppe H zwischen Griechenland und Bosnien-Herzegowina (1:1). Das Duell war nicht nur brisant, weil man sich um den zweiten Platz hinter Belgien stritt, sondern weil es auch politischen Zündstoff barg. Nachdem Miralem Pjanic die Bosnier in Führung brachte zündeten einige Bosnier im Gästeblock massig Pyro und warfen teils Fackeln auf die Heim-Fans.

Denn die nationalistischen griechischen und bosnischen Fans stehen sich nicht sonderlich wohl gesonnen gegenüber. Hintergrund ist ihre jeweilige Beziehung zu Serbien. Griechische Patrioten sehen sich als orthodoxe Brüder der Serben. Olympiacos-Fans pflegen eine intensive Freundschaft zu Roter-Stern-Belgrad-Anhängern, genauso wie PAOK Saloniki zu Partizan Belgrad. Bosniakische Nationalisten haben seit dem Bürgerkrieg Anfang der Neunziger selbst ein großes Problem mit Serben. Dieser fußballerische Stellvertreterkrieg manifestierte sich gestern in einem Banner der griechischen Fans.

Auf dem Transparent steht in serbisch der Spruch „Nož, žica, Srebrenica". Wörtlich bedeutet es „Messer, Draht, Srebrenica". Er ist eine Anspielung auf den Völkermord in Srebrenica im Juli 1995, als serbische Paramilitärs 8.373 muslimische Männer hinrichteten. Die Opfer waren häufig mit Draht gefesselt, bevor sie exekutiert wurden. Es war der größte Genozid in Europa seit dem zweiten Weltkrieg.

Der Spruch wird häufig bei Sportveranstaltungen genutzt, wenn serbische Teams gegen bosnische antreten—gerne auch mit dem Zusatz „Biće repriza!" („Es wird eine Wiederholung geben!"). Die Provokation von bosnischen und kroatischen Fans gegenüber Serben sollte allerdings auch nicht verschwiegen werden. Der Spruch „Srbe na Vrbe" („Hängt die Serben an die Weidenbäume") ist auch dort ein beliebter Ausdruck. Trotz der martialischen Ausdrücke sind die gewalttätigen Auseinandersetzungen der Fanlager noch in den letzten Jahren vergleichsweise im Rahmen geblieben.