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Bundesliga

​Der ewige Feuerwehrmann—die tragische Figur des Michael Frontzeck

Die Tage für Michael Frontzeck bei Hannover 96 scheinen gezählt. Es wäre nicht das erste Mal, dass aus dem Retter ein nicht mehr zu Rettender wird. Kein Wunder: Statistisch gesehen ist er der schlechteste Trainer der Bundesliga-Geschichte.
25.9.15
Imago/Kaletta

Wenn ein guter Trainer genannt werden soll, dann kommt einem Michael Frontzeck wohl nicht so schnell in den Sinn. Immer wieder versuchte er, seine Chance als Coach bei einem Verein zu nutzen, doch langfristig konnte er nie überzeugen. Bei Hannover 96 sollte nach dem erfolgreichen Klassenerhalt in dieser Saison endlich alles anders werden. Doch die Chancen für den 51-Jährigen, weiterhin auf der 96-Bank Platz nehmen zu dürfen, dürften wohl im unteren einstelligen Prozentbereich liegen.

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Es grenzt fast an ein Wunder, dass Frontzeck überhaupt noch an diesem siebten Spieltag auf der 96-Bank sitzt. Die meisten Fans prognostizierten schon vor der Saison neben den Aufsteigern aus Darmstadt und Ingolstadt vor allem Hannover als Abstiegskandidaten. Zu viele Abgänge von wichtigen Spielern, kein Sportdirektor und kein klar erkennbares Spielkonzept.

Laut des Sportwettenanbieters bwin war Frontzeck Anfang August mit einer Quote von 3,00 sogar heißester Anwärter auf die erste Trainerentlassung der laufenden Saison. Da Lucien Favre—Quote 67,00—zurücktrat, ist dieser Tippschein jetzt so heiß wie nie. Nach der Niederlage gegen die bis dato punktlosen Stuttgarter ist der 96-Abschied von Frontzeck ein großes Stück näher gekommen. Nachdem auch sein Ex-Verein Borussia Mönchengladbach den ersten Dreier holte, ist 96 neues Schlusslicht mit nur einem mickrigen Punkt.

Der gebürtige Mönchengladbacher steht nun gegen die jüngst vom FC Bayern vermöbelten Wolfsburger vor seinem Schicksalsspiel. Eine Niederlage dürfte das sichere Aus bedeuten. Doch selbst wenn Frontzeck mit 96 gewinnen sollte, wird Martin Bader, ab nächster Woche neuer Geschäftsführer Sport in Hannover, wohl trotzdem auf Trainersuche gehen. Ein weiteres Jahr mieser Abstiegskampf bis zur Nachspielzeit am 34. Spieltag will sich Klub-Boss Martin Kind bestimmt nicht nochmal geben.

Bei Anne Will sitzt ein Professor, der sagt: "Winterkorn war'n Guter." Den Satz merk ich mir für nächstes Wochenende. #frontzeck
— Klaas Reese (@Sportkultur) 23. September 2015

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Für Frontzeck wäre die Entlassung in Hannover nur ein weiterer unbefriedigender Punkt seiner Trainerkarriere. Der 19-fache deutsche Nationalspieler konnte als Cheftrainer noch nie zwei Spielzeiten am Stück bei einem Verein durchhalten. Der übliche Ablauf: Erst Retter, dann nicht mehr zu retten. Mit Alemannia Aachen stieg er ab und in Bielefeld schaffte er erst den Klassenerhalt, um in der Saison darauf als fast sicherer Absteiger noch am 33. Spieltag entlassen zu werden. Bei Borussia Mönchengladbach wurde er ebenfalls nach anderthalb Jahren, auf dem 18. Platz stehend, entlassen. Diesen Teufelskreis wollte der 51-Jährige dann beim FC St. Pauli durchbrechen.

Bei seiner letzten Station vor 96 festigte er den abstiegsbedrohten Kiezklub erst, um anschließend wegen Unstimmigkeiten mit der Geschäftsführung über eine vorzeitige Vertragsverlängerung nach nur 13 Monaten beurlaubt zu werden. Langfristig scheint der Feuerwehrmann, als der er auch in Hannover wieder so vorbildlich einsprang, keine Option für viele Vereine zu sein. Bei 96 wird es auch so kommen. Es spricht eigentlich alles gegen Frontzeck.

Immer dann, wenn #Frontzeck am Anfang der Saison einen Job hat, kann er zwangsläufig nur der Tipp für die erste Entlassung sein. #kicktipp
— Chris Nieh ✈ (@ChrisNieh) 18. September 2015

Der Bonus des Trainers als Retter ist inzwischen nicht nur bei Martin Kind, sondern auch bei den meisten Fans aufgebraucht. Neben den fast schon traditionellen „Kind-muss-weg"-Rufen forderten die 96-Anhänger bei der Niederlage gegen den VfB auch: „Frontzeck raus!" Den Kader, zusammengestellt von Frontzeck und dem ausgeschiedenen Manager Dirk Dufner, wollte der Coach nicht mehr verändern. Ein Angebot von Kind Ende August, noch neue Spieler zu holen, schlug er aus. Kind urteilte jetzt über Frontzecks Kader: „Auf Basis der Spiele, die wir gesehen haben, ist die Leistungsstruktur nicht ausreichend."

Kind und Neu-Manager Bader werden vermutlich schon diese Woche intensiv nach einem neuen Trainer suchen müssen. Statistisch gesehen können sie keinen schlechteren als Michael Frontzeck finden: Mit einem Schnitt von 0,93 Punkten pro Spiel ist der 51-Jährige der schlechteste Trainer der Bundesliga-Geschichte mit mindestens hundert Spielen auf dem Buckel. Und falls sie am Ende der Saison noch immer auf dem letzten Platz stehen, wissen sie ja, wer ein guter Feuerwehrmann ist.