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Zehntausende diskutieren, ob dieses Facebook-Foto problematisch ist oder nicht

Die Facebook-Community diskutiert den moralischen Anstand.
23.5.16

Dieses Bild, auf dem ein Vater seinen kleinen Sohn nackt in der Dusche in seinem Schoß hält wurde in den letzten Tagen über 38.000 Mal bei Facebook geteilt und mehr als 25.500 Mal kommentiert. In schöner Regelmäßigkeit wurde das Bild jedoch in den vergangenen Wochen wieder von der sozialen Plattform entfernt—und tauchte wieder auf.

Doch obwohl das Bild die Liebe und Geborgenheit zwischen Vater und Sohn in besonders intimer und verletzlicher Form ausdrückt, provoziert die Nacktheit der beiden gleichzeitig einen erstaunlichen Aufschrei, inklusive Pädophilie-Anschuldigungen und einer Diskussion um Privatsphäre in den sozialen Medien.

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Doch die Geschichte hinter dem Foto ist das Gegenteil von Missbrauch oder unbedachtem Intimposting, sondern erzählt von der Geduld, die ein Vater mit seinem kranken Kind hat. Das Bild wurde bereits vor zwei Jahren von der Fotografin Heather Whitten aufgenommen, als ihr Sohn Fox schwer an Salmonellen erkrankt war. Thomas, ihr Mann und der Vater des Kindes, saß über Stunden hinweg mit seinem Sohn auf dem Schoß in der Dusche, um so das Fieber zu senken und das Erbrochene und den Durchfall des Kindes wegspülen zu können. Kurz nachdem die Mutter diesen Moment bildlich festgehalten hatte, wurde Fox ins Krankenhaus eingeliefert.

„Er war so geduldig und liebevoll und stark mit unserem kleinen Sohn in seinem Schoß… Ich ging raus, holte meine Kamera und als ich zurück kam schoss ich ein paar Bilder davon, die ich natürlich teilte", schrieb Heather Whitten zu ihrem Post.

Was dann passierte, erschütterte die Frau aus Arizona mit unerwarteter Unflätigkeit, denn es ergoss sich ein ausgiebiger Shitstorm über das Bild—dabei geriet auch Heather selbst als angeblich egoistische und rücksichtslose Rabenmutter ins Visier der Facebook-Kritiker:

Vielleicht sind die sozialen Medien auch einfach die falsche Plattform, „komplexe" Inhalte in Kombination mit nacken Personen zu verbreiten. Jedenfalls, solange ein Kind in der Nähe eines Mannes auf dem Bild zu sehen ist, wie das äußerst positiv kommentierte Bild einer nackten Mutter mit ihrer Tochter zu beweisen scheint.

Spätestens in der vergangenen Woche drehte sich jedoch die Stimmung: Der Großteil der User reagiert vernüftig auf das Bild und kommentierte den Post mit gerührten liebevollen Worten und Genesungswünschen für das Kind. Andere zeigen sich verwirrt von der entfachten Debatte, da sich ihnen der Stein des Anstoßes nicht erschließen mochte. Wieder andere verweisen darauf, dass es sich hierbei um eine rein private Angelegenheit handle, die im Internet nicht öffentlich verbreitet werden solle:

Die meisten Kommentatoren bezogen jedoch nicht nur deutlich Stellung, indem sie sich mit voller Inbrunst auf die Seite von Heather, Thomas und Fox stellen, sie thematisieren auch die Doppelzüngigkeit der (vor allem amerikanischen) Gesellschaft. Und zum Glück reagiert das Gros der Facebook-Community verstört auf Vorschläge wie diesen:

Es ist in Ordnung mit deinem Kind zusammen zu duschen, aber es ist ein bisschen sonderbar, dass der Vater nackt zu sein scheint!! Er könnte eine kleine Shorts und/ oder ein T-Shirt anhaben. Ich vermute, dass niemand je mit seinem Kind geduscht hat, während er nackt war 100%. Das wäre seltsam!!

Sollte die Angst vor nackter Haut irgendwann einmal solche Auswüchse erreichen, dass wir nicht einmal mehr nackt duschen können, dann sollten wir uns wirklich Gedanken um die moralischen Vorstellungen unserer Online-Gesellschaft machen. Bis dahin reicht es als erster Schritt, genauer hinzusehen und neben der Nacktheit auch auf den jeweiligen Kontext zu achten.