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Ein unangenehmes µTorrent-Add-On kann deinen Computer in die Luft jagen

Die Zusatzsoftware nutzt die Rechenleistung der Nutzer zum Litecoin-Mining—und jeder Krypto-Coin landet ausschließlich bei µTorrent.
8.3.15
​Bild: Screenshot µTorrent

Seit rund einem Jahrzehnt arbeitet µTorrent die Download-Wünsche zahlloser Nutzer ab. Der Torrent-Client verzeichnet schon weit mehr als 100 Millionen User und gilt vielen dank der geringen benötigten Speichermenge, seinem unaufdringliches Design und einem leistungsstarken Interface noch immer als das vielleicht beste Torrent-Programme.

Spätestens Ende vergangener Woche ist aber der Zeitpunkt gekommen, dass Programm zu deinstallieren—oder sich zumindest ganz genau anzuschauen, was eine unangenehme mitgelieferte Bloatware mit deinem Rechner anstellen kann.

In der neuesten Version von µTorrent versteckt sich nämlich auch ein Programm mit dem Namen Epic Scale, dass heimlich die Rechenleistung des Nutzers zum Mining der Kryptowährung Litecoin nutzt. Solche Rechenoperationen zur Vermehrung der digitalen Kryptowährung lassen Bitcoin-Enthusiasten eigentlich von meist ​riesigen Server-Farmen erledigen.

Im Falle von Epic Scale allerdings wird schlicht ein riesiges Netz an Fremdrechnern aufgebaut und ausgenutzt, wobei alle Gewinne vollständig µTorrent und Epic Scale gutgeschrieben werden.

Die Nutzungsbedingungen von Epic Scale gehen neben diesem unangenehmen Konzept, tatsächlich noch einen Schritt weiter, und warnen gleich prophylaktisch davor, dass die Software wortwörtlich den Computer des Nutzers in die Luft jagen könnte:

„You release Epic Scale and its agents … from and against all claims … arising from or related to (i) the use of the Application on your computer, including without limitation any blowouts or other damage to your computer from overheating due to intensive use of graphics cards or chips, or any slowing of your processing speed."

Das fragwürdige Software-Paket wurde durch einen User namens Groundrunner entdeckt und ​im µTorrent Forum gepostet: „Das Programm ist aufgrund der erhöhten CPU-Auslastung kaum zu übersehen."

Ein µTorrent-Administrator hat inzwischen bestätigt, dass das Programm tatsächlich auf Windows-Rechnern installiert werde, um dort die Kryptowährung LiteCoin zu minen, und sie zurück an µTorrent und Epic Scale zu senden.

Epic Scale installiert sich zwar nicht heimlich (wie viele Webseiten berichtet haben), sondern gelangt auf den Rechner durch einen standardisierten Installationsprozess, den µTorrent inzwischen zu seiner Haupteinnahmequelle gemacht hat. Das Programm ist eines von insgesamt drei Software-Paketen, die nur allzu leicht als Teil des aktuellen Updates versehentlich mit installiert werden.

Die Installationshaken für die Add-ons werden von vielen Usern häufig gleichermaßen achtlos übersehen und weitergeklickt, wie auch die ​notorisch unbeachteten Nutzungsbedingungen.

Die Software, die schließlich auf dem Rechner landet, unterscheidet sich erheblich, von den Features, die sich viele Nutzer von µTorrent ursprünglich versprechen. Die Nutzungsbedingungen räumen Epic Scale weitreichende Rechte ein:

  • Epic Scale darf CPU-Leistung, Internet-Verbindung und Speicherplatz nutzen.
  • Zugriff auf die im Download-Prozess eingegebenen Daten. Die Daten dürfen auch für Epic-Scale-Lizenzgeber gesammelt werden.
  • Die von Epic Scale genutzte Rechenleistung darf für Crypto-Mining, wissenschaftliche Forschung, Datenverarbeitung und -analyse und weitere Ziele eingesetzt werden

Der BitTorrent-Sprecher Christian Averill erklärte inzwischen, dass sein Unternehmen (dem µTorrent gehört) die Vorwürfe „heimlicher Installationen sehr ernst" nehme. Er gab aber auch zu Protokoll, dass „für jede Installation eine extra Opt-In-Zustimmung unabhängig von unserer Software" nötig sei.

Auch wenn diese Interpretation strenggenommen korrekt ist, so sehen die Zustimmungsfenster für Epic Scale denjenigen für die Installation der Kernsoftware µTorrent zum Verwechseln ähnlich. Außerdem erscheint Epic Scale auf den ersten Blick eher als harmloses Add-On und kaum als ein Programm, dass theoretisch deinen Computer zerstören könnte oder zumindest seine Ressourcen anzapft, damit andere damit Geld verdienen.

Abgesehen von der Verletzung der Privatsphäre und einem möglichen Sicherheitsrisiko, verlangsamt das Programm den Computer und erhöht den Stromverbrauch. Das ist bei einem Programm, dass als diskreter Teil eines beliebten und schlanken Torrent-Clients beim Nutzer ankommt und durch nur wenige Bestätigungen auf Millionen von Rechnern landen könnte, schlicht unredlich.

In einem Kommentar-Thread hat ein Nutzer, der angeblich der ​Gründer von Epic Scale ist, das Programm verteidigt. Die Software „nutzt den PC auf einem geringen Level. Viele Nutzer machen ohnehin nur von einem kleinen Teil ihrer Rechenleistung gebraucht. Wenn der Computer ein aufwendiges Programm startet, hört unsere Software auf zu arbeiten.

Außerdem gibt Epic Scale an, einen „großen Anteil" seiner Rechenleistung letztlich für wohltätige Zwecke zu nutzen bzw. das Geld des Minings zu spenden. Allerdings haben die Entwickler nicht bekannt gegeben, wie hoch dieser Anteil ist und auch keine weiteren Belege für überwiesene Spendengelder vorgelegt (eine ​Liste der Charity-Initiativen findet sich hier).

µTorrent ist schon länger dafür bekannt, dass es nur mit großer Mühe auf Windows installiert werden kann, ohne dabei unangenehme Bloatware oder eine furchtbare Toolbar mit zu installieren. Stets muss man sich durch verwirrend formulierte Fenster klicken.

Auf dem Mac muss der Nutzer zwar lediglich die Installation einer (furchtbaren) Yahoo-Toolbar umgehen, aber auch dieses Add-on kommt in einem Fenster daher, dass dem offizielles Terms of Service-Fenster erstaunlich ähnlich sieht.

Eine sofortige Deinstallation von µTorrent ist also nicht die schlechteste Idee. Selbstverständlich gibt es ​schon lange zahlreiche ​gute und vor allem ​unaufdringliche Alternativen, für all diejenigen die nicht auf das gute alte Torrent-Download-Vergnügen verzichten können.