FYI.

This story is over 5 years old.

Tech

Wie ein computergeneriertes Mädchen tausende Pädophile entlarvt hat

Die Menschenrechtsorganisation Terre des Hommes hat einen virtuellen Lockvogel entwickelt, um auf die Ausbeutung von Kindern durch den Webcam-Sex-Tourismus aufmerksam zu machen.
5.11.13

Eine Organisation, die sich für Kinderrechte einsetzt, hat gerade in den Niederlanden einen einwandfreien Online-Betrug durchgezogen—und damit die Identität von 1.000 Männern aufdeckte, die junge Mädchen für Online-Sex ausnutzen.

Die Menschenrechtsorganisation Terre des Hommes entwickelte ein computergeneriertes, virtuelles ‚Mädchen' mit dem Namen ‚Sweetie', das auf dem Bildschirm wie ein echtes 10-jähriges philippinisches Mädchen aussieht. Die Organisation arbeitete in einer Lagerhalle in Amsterdam, von wo aus sie sich in öffentlichen Online-Sex Chats anmeldete und sich als Sweetie ausgab. Innerhalb von 10 Wochen wurde Sweetie von mehr als 20.000 Männern angesprochen.

Das virtuelle Mädchen wird über eine App gesteuert, die jede Bewegung und jede Reaktion kontrolliert. Sie redete mit den Männern nur so lange, bis genügend Informationen und Daten gesammelt wurden, um sie ausfindig zu machen.

Das Internet ist frei, aber nicht ohne Gesetze.

Mit den Daten wie Name, Adresse, Fotos und Videos wandte sich die Organisation dann an Google und Facebook, um die Identitäten der anonymen Pädophilen zu ermitteln. Gestern am 5. November übergab Terre des Hommes dann über 1.000 Namen an die Polizei zur Strafverfolgung. Die meisten Beschuldigten kommen auf den USA, Großbritannien und Indien. Es wurden aber auch 44 Deutsche aufgelistet.

Die Organisation wollte auf die weitgehend unbekannte, aber rasant zunehmende Ausbeutung von Kindern im Webcam-Sex-Tourismus aufmerksam machen, und die Polizei zu einer aktivieren Rolle auffordern. Sie haben ein Video auf ihre Webseite geladen, welches den Prozess erklärt und nun Unterschriften für eine Online-Petition sammelt, die Druck auf Regierungen auslösen soll, mehr im Kampf gegen dieses zunehmende Phänomen zu unternehmen.

Webcam-Sex-Tourismus ist in Entwicklungsländern weit verbreitet. Laut den Vereinten Nationen und Schätzungen des FBI sind zu jeder Tages- und Nachtzeit rund 750.000 Pädophile online unterwegs. Terre des Hommes schätzt, dass allein auf den Philippinen zehntausende Kinder im Alter von 6 Jahren hinter Sex Kameras ausgebeutet werden.

Die Kinder melden die Vergehen nicht der Polizei, und so sind die Verbrechen schwer zu beweisen. Daher ist es nötig, dass die Polizei proaktiv handelt, damit das Problem nicht weiter wächst und außer Kontrolle gerät. Und damit Kinderpornografie insgesamt nicht zu einer Industrie mit mehreren Millionen Euro Umsatz wächst, die sich in der Hand von kriminellen Gangs befindet.

„Die Sexualverbrecher, die so aktiv sind, haben nicht das Gefühl, dass sie gegen das Gesetz verstossen," sagte Hans Guyt von Terre des Hommes gestern. „Das Internet ist frei, aber nicht ohne Gesetze."