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Lärm-Umweltverschmutzung ist tödlich

Zwei neue Studien zeigen den Zusammenhang von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und dem Leben in der Nähe vom Flughafen.

von Mat McDermott
12 Oktober 2013, 7:31am

Neue Studien, die im British Journal of Medicine veröffentlicht wurden, und in zwei verschiedenen Ländern durchgeführt wurden, beweisen einmal mehr die fatalen Folgen eines konstant erhöten Lärmpegels: Menschen, die in der Nähe von Flughäfen leben haben grundsätzlich ein höheres Risiko für Herzkrankheiten.

Die erste der zwei Studien analysiert die Daten von 3,6 Millionen Menschen, die in der Nähe des Londoner Flughafen Heathrow wohnen. Nachdem alle anderen Risikofaktoren wie Alter, Ethnie und Einkommen ausgeklammert wurden, haben Forscher herausgefunden, dass das Risiko eines Schlaganfalls, koronarer Herzerkrankung und von Herz-Kreislauf-Erkrankungen höher lag, als bei dem Rest der Bevölkerung. Die Differenz zum Durchschnittswert war am höchsten für die 2 Prozent, die dem stärksten Lärmpegel zu jeder Tages und Nachtzeit ausgesetzt waren.

Die zweite Studie schaute sich eine viel größere Menge von Menschen an: ungefähr sechs Millionen Personen im Alter über 65 Jahren, die in der Nähe von 89 verschiedenen Flughäfen in den USA wohnen. Diese Studie befand, dass in Gegenden mit einem Lärmpegel von 10 Dezibel, das Risiko mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen ins Krankenhaus eingeliefert zu werden 3,5 Mal höher ist. Und auch hier war das Risiko für die am höchsten, die der meisten Lautstärke ausgesetzt sind: Das gemessene Volumen für diese höchstbelasteten Lärmlevel lag bei durchschnittlich 55dB. Diese Gruppe wies ein 3,5 Prozent höheres Risiko ins Krankenhaus eingeliefert zu werden aus als der landesweite Durchschnitt. Im allgemeinen könnte man sagen, dass 2,3 Prozent der aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen ins Krankenhaus eingelieferten Personen aus diesen demographischen und geographischen Regionen in Verbindung mit der Lautstärke stehen, der sie ausgesetzt waren.

Wie es typisch für die meisten Forschungen ist, muss aber auch hier noch bewiesen werden, wie genau die Korrelation zwischen Lautstärke und Herzproblemen aussieht. Die Forscher in London spekulieren, dass die Lautstärke bei Nacht und die begleitende Schlafunterbrechung verantwortlich sein könnten, allerdings ist dies nicht gesichert und es bedarf weiterer Forschung.

In einem erklärenden Begleittext zu den veröffentlichten Studien folgert Professor Stephen Stansfield von der Queen Mary University London - ein Psychologe, der an keinen der beiden Studien als Autor beteiligt war: „Diese Studien stellen vorläufige Beweise darüber bereit, dass die dauerhafte Konfrontation mit Flugzeuglärm nicht nur nervig ist, den Schlaf stört und die Lebensqualität verringert, sondern auch systematisch das Gesundheitsniveau schwächt und die Gefahr von Todesfällen durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht.“

Professor Stansfield fordert, dass Stadtplaner diese Beweise beachten sollten, wenn sie neue Flughäfen bauen oder bereits existierende expandieren. Die geplanten Erweiterung Landebahnerweiterung am Heathrow Airport oder auch in Frankfurt, so wie die Lage der Einflugsschneisen am neuen Berliner Flughafen werden stets kontrovers diskutiert. Die britische Luftfahrtindustrie bringt dabei dass gängige Pro-Argument auf den Punkt mit der Aussage, die Erweiterung sei nötig um einen „Luftfahrstillstand“ über England zu vermeiden.

Auch wenn die aktuellen medizinischen Studien sich nur auf Flughäfen beziehen, ist es interessant zu anzumerken, dass jene Dezibel Level, welche das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen in den USA erhöhen, niedriger sind, als die Durchschnittslautstärke in New York City (ohne Flughäfen einzurechnen).

Eine Studie aus dem Jahr 2010 hat erfasst, dass 60 Plätze in Manhatten mehr als 70dB laut sind - ein Level, das den Verlust vom Hörsinn bedeuten kann, wenn man der Lautstärke konstant ausgesetzt ist. Alles, was man dazu sagen kann, ist, dass die Lautstärke den Menschen in Manhatten, und wir reden hier noch nicht mal von den Menschen, die in der nähe eines Flughafens leben, nicht einfach nur potentiell den Hörsinn zerstört, sondern vielleicht auch das Herz krank macht.