Anzeige
Tech

Die NASA entwickelt einen abgekühlten Winterschlaf für entspannteres Mars-Reisen

Mit RhinoChill sollen Astronauten ihre Reisen durchs All im Tiefschlaf absolvieren, während ihre Muskeln von Robotern stimuliert werden und sich eine intravenöse Nahrungszufuhr um das kulinarische Wohlbefinden kümmert.

von Jordan Pearson
08 Oktober 2014, 7:32am

Bild: SpaceWorks

Bemannte Marsmissionen stellen uns vor völlig neue Herausforderungen im Vergleich zu den kleinen Ausflügen zum Mond. Und wenn wir richtig ernst machen wollen mit unseren Reisevorhaben zu anderen Welten, sollten wir uns vielleicht noch einmal genau überlegen, wie wir die möglicherweise jahrelange Flugzeit im Shuttle überbrücken wollen. Denn irgendwann hat auch der lustigste Astronaut keine Lust mehr auf eine weitere Runde Memory und dann wird die Stimmung schlecht. Doch die NASA hat mal wieder eine überzeugende Idee in petto: Winterschlaf. Oder besser gesagt, eine heruntergekühlte Version des Tiefschlafs.

Von der NASA geförderte Forscher wollen diese Wintrerruhe mit Hilfe von RhinoChill etablieren, einer Vorrichtung, bei der dir mittels kleiner Röhrchen eine Kühlflussigkeit durch deine Nase entspannt bis zu deinem Gehirn hochgeschossen wird.

Interstellare Flüge zu anderen Planeten bringen eine bunten Strauß technischer und logistischer Herausforderungen mit sich, welche die NASA mit Innovationen wie ihrem Z-2 Raumanzug lösen will. „Sobald Menschen beteiligt sind, wird es sofort um ein Vielfaches komplizierter", sagt Bobby Braun, der ehemaliger Cheftechnologe der NASA über Weltraumreisen. 

Menschen im Winterschlaf sind einfach zu verpacken. Image:  SpaceWorks

Für die Erforschung eines reisetauglichen Winterschlafs erhofft sich die NASA vor allem neue Erkenntnisse von SpaceWorks, einem Unternehmen mit Sitz in Atlanta, welches seine Erfindungen letzte Woche auf dem International Astronomical Congress in Toronto vorstellte.

Laut SpaceWorks würde solch ein monatelanger Tiefschlaf auch das Platzproblem in Shuttles lösen, da die Unterbringung von Bordküche, Fitnessgeräten und Gemeinschafszonen nicht mehr nötig ist, wenn die Astronauten festgeschnallt im Innenraum verstaut sind. Zur Vorbeugung von Bewegungsarmut werden wichtige Muskelgruppen elektrisch von Robotern stimuliert und eine intravenöse Nahrungszufuhr kümmert sich um das kulinarische Wohlbefinden.

Der eingesparte Raum ließe sich nun für bessere Sicherheitsfunktionen verwenden. Modelle von SpaceWorks zeigen, dass der Platz für die Crew von seiner aktuellen Größe von 8,2x9 Metern auf 4,3x7,5 Meter reduziert werden könnte. Eine drastische Einsparung, die sich positiv auf Material- und Energiekosten auswirkt und sicher Musik in den Ohren der kostenoptimierenden NASA ist.

Schnall sie an und bring sie zum Schlafen. Bild: SpaceWorks

Aktuelle Prognosen für das Gepäck bemannter Marssiedler belaufen sich auf 31 Tonnen bei einer vier Personen starken Crew. Mit der komatösen Version einer Tiefschlafreise reduziert sich das Gewicht um die Hälfte auf gerade mal 15 Tonnen. So ließe sich sogar die Besatzung verdoppeln. Ein leichtes Raumschiff benötigt außerdem weniger kraftvolle Raketen für den Abflug und spart somit die benötigte Menge an Sprit und dadurch wiederum Kosten.

Selbstverständlich betont SpaceWorks auch die Vorteile eines 180 tägigen Schlafs auf dem Weg zum Mars für das psychische Wohlbefinden der reisenden Astronauten. Im Winterschlaf ist schließlich noch keiner dem Weltraumwahnsinn verfallen. Doch letztendlich liegen die Hauptargumente wohl trotz allem auf der Einsparung von Kosten und Ressourcen.

Bis wir schlafend durchs All düsen ist jedoch noch einige Forschung vonnöten. RhinoChill wurde bisher nur für therapeutische Zwecke verwendet und vor allem—nur auf der Erde. Ob die Kühlflüssigkeit im Orbit ebenso funktioniert wie in unserem terrestrischem Umfeld ist noch unklar. Dennoch, das Potenzial ist für die NASA Motivation genug, es zumindest auszuprobieren.