Anzeige
Tech

Mit dem Tor Messenger kann jetzt jeder verschlüsselt und anonym chatten

Die Stärke des Tor Messengers ist, dass du deine Gewohnheiten kaum ändern musst, um die Sicherheit deiner Daten zu gewährleisten.

von Theresa Locker
30 Oktober 2015, 10:12am

Stell dir vor, du chattest ganz normal, aber keiner liest mit. Bild: Screenshot Tor Messenger

Das Tor-Projekt hat nach zwei Jahren Arbeit ein neues Produkt veröffentlicht, das das Zeug zu einer kleinen Revolution hat: Ein kleines, einfaches Programm, mit dem jeder nicht nur verschlüsselte Nachrichten über das Internet schicken kann, sondern das es Angreifern und Spionen auch fast unmöglich macht, Absender und Empfänger zu identifizieren.

Krypto in komfortabel: Mit der Signal-App kann jeder verschlüsselt auf dem Smartphone kommunizieren

Entwickler Sukhbir Singh schreibt auf dem Tor Blog: „Der Tor Messenger baut auf den Netzwerken auf, mit denen du vertraut bist, damit du so kommunizieren kannst, wie deine Kontakte es möchten und können."

Bedeutet: Das kleine Gratis-Programm ist kompatibel mit so ziemlich allen Chat-Protokollen vom Facebook Chat über Twitter, XMPP, Yahoo! und Google Talk bis zum russischen Odnoklassniki. Nach einer kurzen Verbindung zwischen den Programmen sollen sich so beispielsweise alle Facebook-Messenger-Nachrichten durch das Tor-Netzwerk routen lassen—vorausgesetzt, der Gesprächspartner nutzt das Tool (oder ein anderes, das anonyme Nachrichtenzustellung ermöglicht) ebenfalls. Damit könnte der Tor Messenger auch andere OTR- und Jabber-Clients wie Adium für den Mac oder Pidgin für Windows ersetzen.

Deshalb ist Tor der Goldstandard in Sachen anonymes Surfen

Der Tor Messenger-Client beruht auf Instant Bird, das von der Mozilla-Entwickler-Community entwickelt wurde. Die Verschlüsselung von Off-The-Record-Messaging (OTR) ist hier keine Option, die du jedes Mal selbst einschalten musst, sondern wurde von den Entwicklern der Nonprofit-Organisation des Tor Project voreingestellt aktiviert. Das bedeutet im Umkehrschluss: Hat dein Kontakt keinen OTR-Client, mit dem ein sicherer Austausch möglich ist, wird deine Nachricht auch nicht zugestellt.

Funktioniert auch mit Twitter. Bild: Screenshot Tor Messenger


Traditionell beruhen Messenger-Programme auf einem Server-Client-Modell. Dies bedeutet, dass Facebook auch über den Tor Messenger noch deine Metadaten und speziell deine Beziehungen zu Kontakten auf dem Server speichern kann—Daten, aus denen sich enorm viele Rückschlüsse auf deine Kommunikation ziehen lassen. Beim Tor-Messenger werden alle Inhalte aber OTR-verschlüsselt durch das Anonymisierungsnetzwerk von Tor geleitet, um deine IP zu verbergen und das, was du sagst: „Hier wird deine Route zum Server verschleiert, weil du über Tor kommunizierst", schreibt Singh.

Deine Verbindung zum Chat-Server wird verschleiert, weil du über Tor kommunizierst.

Zusammen mit anderen bereits entwickelten Privacy-by-design-Produkten wie der App Signal macht das den Tor Messenger zu einer großartigen Ergänzung einer Produktfamilie, für die du deinen Gewohnheiten weitestgehend treu bleiben kannst, aber gleichzeitig auf diversen Kanälen mit hochwertiger Verschlüsselung anonymisiert chatten kannst.

Selbst die NSA musste in der Vergangenheit zugeben, dass sie gegen eine professionell genutzte Tor-Anonymisierung weitgehend machtlos ist: „Tor Stinks" heißt es beispielsweise in einem der von Snowden geleakten NSA-Dokumente. Und die OTR-Verschlüsselung, mit dem auch der Tor-Messenger arbeitet, nutzen NSA-Spione sogar selbst mit dem Jabber-Client, um ihre Nachrichten zu verschlüsseln.

Der Tor-Messenger-Client befindet sich bisher nur in der Beta-Phase und soll in Zukunft noch robuster ausgebaut werden. Die Entwickler hoffen noch auf Unterstützung aus der Community, um den Überwachungsschutz zu perfektionieren, aber dennoch kann die Beta bereits für Mac, Linux und Windows heruntergeladen werden.