Ich habe aus Versehen das am meisten illegal gehandelte Tier der Welt gegessen

Wenn du Bedarf an einer schrecklichen Mahlzeit mit Schuld und schlechtem Karma als Beilage hast, wie ich es ungewollt erlebt habe, dann ist Schuppentierfleisch genau das Richtige für dich. Wir sehen uns in der Hölle!

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29 April 2015, 8:00am

An einem Morgen ging ich mit meinem neuen einheimischen Freund auf den Markt neben der Autobahn. Aus all den Tieren, die da zur Auswahl standen, suchte er sich ein mir unbekanntes kleines Biest heraus. „Das wird dir schmecken", versicherte er mir.

Ich bin eine Journalistin auf Einsatz in Äquatorialguinea in Westafrika und ich hatte keine Ahnung, was da vor mir lag. Es war eine eigenartige Kombination aus dünnem Fell, Schuppen und einem dicken, eingerollten Schwanz wie ein Leguan.

Der Verkäufer hob es am Schwanz auf und schlug es kräftig gegen den Tisch, sodass es bewusstlos wurde. Sein kleiner Kopf baumelte hin und her, seine Gliedmaßen hingen schlaff hinunter. Dann zündete er es an. „So werden die Haare entfernt", erklärte mir mein Freund.

Ich sah dabei zu—leicht geschockt—wie die Haut schwarz wurde und seine Seele den Körper verließ. Dann tauchte der Verkäufer das Tier in einen Eimer mit braunem Wasser, steckte es in eine Plastiktüte und überreichte es uns mit einem Lächeln auf dem Gesicht. „Cuarenta mil francos."

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Vierzigtausend zentralafrikanische Francs (CFA-Francs), umgerechnet etwa 60 Euro. Eine ziemlich teure Mahlzeit, besonders für Zentralafrika.

Wir gingen zurück zu meinem Freund nach Hause und machten gemeinsam mit einigen unserer Freunde einen Eintopf mit Zwiebeln, Tomaten und Paprikaschoten. Ich konnte nicht hinsehen, als er das tote Wesen in kleine Stücke hackte und in den Topf warf. Ein eigenartiger Geruch verbreitete sich in der Küche, als der Eintopf vor sich hin köchelte.

Zwei Stunden später war das Essen fertig. „Voilà, dein erstes Gericht mit Schuppentier!", verkündete mein Freund, als er mir den Teller reichte.

Ach du scheiße.

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Das Schuppentier ist das am meisten gehandelte Tier der Welt und soll um die 20 Prozent des Schwarzmarktes für Wildtiere ausmachen. Es gibt acht verschiedene Arten, von denen alle auf der Roten Liste der Gefährdeten Arten der Weltnaturschutzorganisation (IUCN) stehen. Vier davon leben in Asien, vier in Afrika.

In China und anderen südostasiatischen Ländern gilt das Fleisch als Delikatesse. Traditionelle Medizinmänner rösten und zerstoßen die Schuppen zu einem Pulver, das sie als Zutat für Magen- und Lebertonika verwenden. Sein Blut soll heilende Kräfte besitzen. Manche verarbeiten die Haut des Schuppentiers zu Kleidung und verwenden ihre Föten als Arzneimittel.

Ich kann persönlich dafür einstehen, dass das Schuppentier weder Zauberkräfte hat, noch besonders gut schmeckt. Die wirksamste Eigenschaft dieses Viehs ist sein merkwürdiger Geruch, der das ganze Haus vollstank. Bei meinem ersten zögerlichen Bissen stellte sich heraus, dass das Tier nicht nur so riecht, sondern auch so schmeckt.

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Das Fleisch des Schuppentiers ist dunkel und hat eine klebrige, sehnige Konsistenz. Wir aßen Reis dazu. Die Schuppen waren kaum genießbar und fühlten sich ungefähr gleich knackig an wie ein menschlicher Fingernagel. Mein Freund fragte, ob er den Kopf haben könnte. Von mir aus gerne. Er steckte ihn in den Mund und saugte fröhlich am Schädel herum.

Vor diesem Erlebnis wusste ich nicht einmal, dass es so etwas wie ein Schuppentier überhaupt gibt, geschweige denn von der Problematik um den illegalen Handel. Mein Freund sieht es als Buschfleisch an—er und andere Einheimische jagen und essen so ziemlich alles, was sie hier im Dschungel finden, auch Affen. Schuppentiere werden in Westafrika wegen ihres Fleischs gejagt und ihr Marktpreis motiviert Dorfbewohner dazu, den kleinen Kreaturen Fallen zu stellen. Ihre wichtigste Verteidigungsmethode ist es, sich zu einem Ball zusammenzurollen und sich auf ihre harten Schuppen als Schutz zu verlassen, was sie für Menschen zur leichten Beute macht.

Laut eines Berichts des Journals Frontiers in Ecology and the Environment aus dem Jahr 2014 wird geschätzt, dass jedes Jahr um die 10.000 intakten Schuppentiere von Behörden beschlagnahmt werden, hauptsächlich in Asien. Ihre Schuppen sind derzeit um die 550 Euro pro Kilo wert und andere Körperteile werden für bis zu 900 Euro verkauft.

Der florierende illegale Handel von Schuppentieren wird oft vom Wildern der charismatischeren „Großen Fünf", zu denen Elefanten oder Nashörner zählen, in den Schatten gestellt. Nur wenige Menschen auf dieser Welt rennen für Schuppentiere einen Marathon oder richten Stiftungen ein, obwohl alle in Asien lebenden Schuppentier-Arten als stark gefährdet oder vom Aussterben bedroht gelten, die afrikanischen als gefährdet.

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Schuppentiere ernähren sich hauptsächlich von Ameisen und Termiten, die sie mit ihrer Zunge fangen, die sie weiter ausstrecken können, als ihr Körper lang ist. Wissenschaftler sind außerdem um die Ökosysteme der tropischen Wälder besorgt: Die Population der holzfressenden Insekten steigt stetig, während ihre Jäger langsam verschwinden.

„In Afrika werden sie ständig illegal gejagt, sowohl wegen ihres Fleischs, als auch für den Export nach Asien", sagt Melanie Croce, Leiterin des Naturschutzzentrums des Bioko Biodiversity Protection Program in Äquatorialguinea. „Wir haben eine Initiative gestartet, mit der wir versuchen, das Wildern von Schuppentieren zu verhindern, indem wir den Dorfbewohnern alternative und nachhaltige Erwerbsquellen wie die Schmuckherstellung oder die Strandaufsicht näher bringen. Aber leider haben sie noch nicht damit aufgehört. Einer meiner Kollegen beobachtete kürzlich, wie einige Äquatorialguineaner ein lebendiges Schuppentier über ein offenes Feuer hielten."

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Es gibt zwar Gesetze, die das Jagen und Fallenstellen in Reservaten in Äquatorialguinea verbieten, aber sie werden nur selten durchgesetzt. Solange das Tier als kostbar gilt, wird das Wildern kein Ende nehmen.