FYI.

This story is over 5 years old.

Zuckerrohr

Die Einwohner von Maui finden die Zuckerernte ganz und gar nicht süß

Ach, das wunderschöne Maui. Wir waren zwar noch nie dort, aber können uns vorstellen, wie beeindruckend die leuchtenden tropischen Blumen, die saftigen süßen Früchte und die sanft wiegenden Wellen sind … und der dicke, lungenreizende Rauchteppich, der...
11.3.15
Photo via Flickr user crobj

Ach, das wunderschöne Maui. Wir waren zwar noch nie dort, aber können uns vorstellen, wie beeindruckend die leuchtenden, tropischen Blumen, die saftigen, süßen Früchte und die sanft wiegenden Wellen sind … und der dicke, lungenreizende Rauchteppich, der von März bis November über Teilen der Insel liegt.

In Maui beginnt gerade die Zuckerrohrernte und seit Jahren beschweren sich die Einwohner über einen ganz bestimmten Teil dieses Prozesses: Das Abfackeln der Zuckerrohrfelder. Die Hawaiian Commercial & Sugar Co. besitzt die einzige noch übrig gebliebene Zuckerplantage auf der Insel, die noch aus dem späten 19. Jahrhundert stammt. Bevor das Zuckerrohr von den 14.500 Hektar geerntet wird, verbrennt das Unternehmen die Blätter der Pflanzen, die nur ganz wenig Zucker enthalten und deren Transport zur Zuckerrohrverarbeitungsfabrik in westlichen Puunene sich nicht rentieren würde. Aber laut eines Artikels des Honolulu Civil Beat haben einige Einheimische genug vom Rauch, den diese Brände produzieren, und sie beschweren sich über die Auswirkungen auf ihre Gesundheit.

Anzeige

„Ich habe so viel Rauch abbekommen, dass ich lungenkrank geworden bin", sagte Karen Chun zum Civil Beat. Das war 2011, als Chun noch in Bayview lebte, einer Gegend in Maui in der Nähe der Zuckerfelder. Als die Felder abgebrannt wurden—während der Saison sind das etwa 160 Hektar pro Woche—sagte Chung, hatte sie das Gefühl, ihr Haus würde brennen. Im gleichen Jahr wurde ihr das Reaktive-Atemweg-Dysfunktion-Syndrom (RADS) diagnostiziert. Sie gründete dann die Website Stop Cane Burning.

Chun ist nicht alleine. Die Handy-App CleanAirMaui registrierte allein im Jahr 2014 mehr als 1.100 Beschwerden über Rauch und Asche auf der Insel. Manche Einwohner, wie Kimmer Spencer, ein Gesundheitshelfer der Kihei Elementary School, machen sich Sorgen über die Auswirkungen der Brände auf Kinder und behaupten, der Rauch führe zu einem Anstieg von Asthma-Anfällen und Nasenbluten.

„An manchen Tagen, wenn die Felder brennen, öffnet man die Tür und kann beobachten, wie der Rauch ins Klassenzimmer zieht", sagte Spencer zum Civil Beat. „Wenn da große schwarze Klumpen vom Himmel fallen, dann atmen wir sie auch ein."

Die Einwohner von Maui wünschen sich, dass die Hawaiian Commercial & Sugar Co. auf grüne Erntemethoden umsteigt, für die das Unternehmen andere Maschinen und Verarbeitungsanlagen benötigen würde. Laut Civil Beat würde sich auch die Zahl der Transporte zwischen den Feldern und den Fabriken um das Dreifache erhöhen. Aus naheliegenden Gründen sträubte sich das Unternehmen bisher auf diese Methode umzusteigen.

Neben der anekdotischen Beweise ist bisher unklar, ob der Rauch messbare Auswirkungen auf die Gesundheit der Einwohner hat. Das Gesundheitsministerium, das der Hawaiian Commercial & Sugar Co. jährlich die Zulassen erteilt, die Felder abzubrennen—ohne öffentliche Anhörung—hat dem Zuckerunternehmen in der Vergangenheit bereits wegen Gesundheitsangelegenheiten Geldstrafen auferlegt. 2013 musste das Unternehmen 1,3 Millionen Dollar [1,2 Millionen Euro] für die Überschreitung der sichtbaren Emissionen und für die unsachgemäße Bedienung von Maschinen in seiner Zuckerfabrik in Puunene bezahlen. Was die Luftqualität angeht, behauptet das Gesundheitsministerium jedoch, sie werde an zwei Stationen, in Kihei und Paia, überwacht und bei keiner der beiden konnten abnormale Werte von Giftstoffen in der Luft festgestellt werden.

Trotzdem hat Maui County die zweithöchste Asthmarate unter Kindern im ganzen Bundesstaat und laut Civil Beat belegt eine Studie aus dem Jahr 2006 den Zusammenhang zwischen dem Verbrennen von Zuckerrohrpflanzen in Brasilien und einem 20-prozentigen Anstieg der Krankenhausaufenthalte bei älteren Menschen und Kindern.

Die Auswirkungen des Rauchs sind für viele Einwohner deutlich, wie für einen Lehrer, der per CleanAirMaui-App Beschwerde eingelegt hat.

„Um acht Uhr früh ist mein Klassenzimmer in Wailuku voll mit Rauch", schreibt er. „Viele Schüler haben bereits Asthma und der Rauch reizt ihre Lungen. Wir müssen alle unsere Gesichter mit T-Shirts abdecken, um atmen zu können."