Thump

Was ein legales Drug Checking wirklich bringt – und wo es seine Grenzen hat

In Berlin will man erstmals in Deutschland Drogentests erlauben. In der Schweiz geht das bereits seit zehn Jahren. Wir haben uns die Erfahrungen vor Ort erklären lassen.

von Thomas Vorreyer
14 Februar 2017, 3:13pm

Jugendberatung Streetwork

Kannst du bald deine Drogen legal in Deutschland testen lassen? Bundesländer wie Bayern stellen sich beim Thema Drug Checking zwar quer, aber in Berlin sieht die aktuelle Koalitionsvereinbarung zwischen SPD, LINKE und BÜNDNIS 90/ Die Grünen vor, "Maßnahmen [zu] stärken, welche die Verminderung der Begleitrisiken von Drogenkonsum [harm reduction] zum Ziel haben." Drug Checking wird dabei explizit mit erwähnt. In Zeiten von gefährlichen Hochdosierungen, Streckungen und Verunreinigungen würde Berlin damit mit zahlreichen deutschen Nachbarländern gleichziehen. Etwa mit der Schweiz.

Die Konradstraße 1, gleich hinter dem Hauptbahnhof am Sihlufer in Zürich. Die städtische Jugendberatung Streetwork betreibt vor Ort das Drogeninformationszentrum DIZ. Wer hier hingeht, nimmt Drogen und sucht Informationen; Informationen darüber, was genau in den Drogen drin ist; ob nun im LSD-Filz, der Ecstasy-Pille oder dem Kokain-Beutelchen. Beim DIZ bekommt er Antworten, denn das Zentrum bietet Drug Checking an. Dafür gibt es zwar auch kein Schweizer Gesetz – aber eben zumindest kein Verbot.

Zum Drogentest kannst du hier kostenlos dienstags und freitags eine Probe abgeben und erhältst später die Ergebnisse per Mail oder auf telefonische Nachfrage. Verpflichtend ist bei der Abgabe aber ein Beratungsgespräch, das anonym dokumentiert wird. Getestet werden die Proben dann nicht in Zürich, sondern beim Kantonsapothekeramt in Bern. Bis zu 40 Proben können pro Woche vom DIZ angenommen werden. Über 10.000 Menschen haben den Service bereits genutzt. Außerdem geht Streetwork mit einem mobilen Drug Checking gezielt zu einzelnen Großveranstaltungen wie etwa dem "Voodoo-Goa" in Zürich letzten Samstag und bietet ein umfangreiches Onlineprogramm an.

Die Erfolge der Initiative sind vielfältig: ein Konsumrückgang von 20 Prozent in der Zielgruppe, die Begleitung von über 100 Menschen in Therapieangebote oder Erkenntnisse, wie dass in einem Jahr 80% aller Kokain-Proben mit dem gefährlichen Entwurmungsmittel Levamisol gestreckt waren. Welche weiteren Effekte, aber auch Probleme es noch gibt, erzählt Christian Kobel, der Projektleiter des DIZ. Er sagt auch: "Wir würden unsere Erfahrungen und unser Wissen bei Bedarf sehr gerne auch der Berliner Verwaltung zukommen lassen."

Das ausführliche Interview mit Christian Kobel liest du jetzt bei THUMP.

Tagged:
HEROIN
ecstasy
LSD
MDMA
Drogen
Kokain
ghb
drug-checking
Safer Use
Drogeninformationszentrum