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Video: Diese McDonald's-Werbung ist wirklich creepy

Für den Werbespot erntete McDonald's heftige Kritik. Und er ist tatsächlich so schlecht, wie alle sagen.

von Nick Rose
19 Mai 2017, 9:27am

Fast-Food-Werbeleute wissen, wie sie die Aufmerksamkeit von Kindern bekommen und, ob es einem gefällt oder nicht, haben ihre Werbung erfolgreich auf die jüngste Zielgruppe zugeschnitten und Kinder dazu gebracht, Burger, Pommes und Chicken Nuggets zu essen.

Aber vergessen wir mal gerissene und raffinierte Werbung: McDonald's hat jetzt in Großbritannien mit den Folgen eines ziemlich unsensiblen Spots zu kämpfen, der eigentlich eher emotional sein sollte, aber bei den Zuschauern unten durchgefallen ist – und das ist noch harmlos ausgedrückt.

Wie? Wenn ihr an den Tod eurer Eltern denkt, bekommt ihr nicht Bock auf einen Burger?

Am Anfang des peinlichen Spots sieht man einen kleinen britischen Jungen mit strahlend blauen Augen, der in alten Erinnerungen kramt. "Mama, wie war Papa so?", fragt er seine Mutter, die gerade bügelt.

Sie lässt ihre Arbeit kurzerhand liegen und geht mit ihrem Sohn durch den Ort spazieren. Während sie so die Straßen entlanggehen und ein paar Runden auf dem Spielplatzkarussell drehen, erzählt sie ihrem Jungen ein paar ziemlich weirde Dinge über seinen verstorbenen Vater. Sowas wie: "Alle Mädchen flogen auf ihn." Oder: "Seine Schuhe haben so geglänzt, man konnte sich darin spiegeln." Ja, und dass er Techno liebte.

Die Klaviermusik wird lauter, die Streicher anschwellen, die Dramatik steigt und die beiden kommen schließlich bei McDonald's an. Der Kleine bestellt sich einen Filet-o-Fish – und natürlich liebte auch sein Vater Filet-o-Fish. Und er hat sich auch immer, wie sein Sohn, mit Sauce Tartare das Kinn vollgeschmiert.

Als dann die Mutter aus dem Fenster schaut und ihre Pommes isst, fragen wir uns langsam, ob man ihren Geschichten wirklich trauen kann. Sie macht weniger einen traurigen Eindruck, sondern scheint sich eher zu fragen: "Warum verdammt noch mal stellt er so viele Fragen über seinen Vater?" Vielleicht steckt sie ja hinter seinem mysteriösen Tod. Oder vielleicht hat der Vater einfach nur zu viele Filet-o-Fish gegessen? Wir haben uns den Spot mehrmals angeguckt und immer noch keine Antworten finden können.

OK, da haben wir vielleicht ein bisschen übertrieben. Aber Werbung für eine Fast-Food-Kette, die auf Kinder abgezielt ist, sollte niemals Raum lassen für solche Art von Interpretationen durch Erwachsene (die eher auf dem Niveau von Filmstudenten im ersten Semester sind). Und das ist bei dem Spot der Fall. Die eigentliche Frage ist doch: Warum hielt McDonald's es für klug, einen grüblerischen Filet-o-Fish-Spot à la Ingmar Bergman zu drehen, der sich mit der Trauer von Kindern beschäftigt?

Schließlich hat McDonald's den Spot zurückgezogen und erklärte gegenüber der BBC, dass sie nicht die Absicht hatten, irgendjemanden zu verärgern, und dass sie mit dem Spot nur darstellen wollten, "welche Rolle McDonald's im täglichen Leben unserer Kunden spielt – in guten wie in schlechten Zeiten."

Klar, der Spot endet nicht damit, wie ein kleiner Junge vor dem Grab seines Vaters steht und Tränen in seinen Milchshake kullern, aber dieser Versuch von McDonald's, mit dem Tod eines Vaters und einem trauernden Kind emotionalen Content zu produzieren, lässt uns mindestens genauso verwirrt und durcheinander zurück wie der Junge in der Werbung.