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Euro 2016

EM-Vorschau: Gruppe E—Wer wird Zlatans Endgegner?

Treffen sich ein Kampfschwein, eine lahme Ente, ein Fettnäpfchenspezialist und ein Ausgestoßener. Und dann kommt Zlatan.

von VICE Sports
10 Juni 2016, 10:45am

The craic is going to be mighty // EPA Images/Andy Rain

In Gruppe E der Europameisterschaft 2016 spielen Belgien, Italien, Irland und Schweden um den Einzug in die K.O.-Phase. Wer kommt weiter, wer muss frühzeitig die Koffer packen? Wir haben für euch die Stirn in Falten gelegt. Hier unsere Vorschau:

BELGIEN

Wie haben sie sich qualifiziert? Als Gruppenerster vor Wales, bei nur einer Niederlage (gegen Wales).

Bekannte Namen: Vor ein paar Jahren noch undenkbar, steht der Kader der belgischen Nationalmannschaft mittlerweile für eine ganze Reihe international bekannter Stars: Eden Hazard, Thibaut Courtois, Kevin De Bruyne, Romelu Lukaku, Radja Nainggolan, Axel Witsel oder auch Dries Mertens. Und wenn sie jemanden für einen Ellbogencheck brauchen, hätten sie dafür Marouane Fellaini in den eigenen Reihen.

Wird Lukaku einer der Stars der EM? Foto: EPA Images/Laurent Dubrule

Der Trainer: Marc Wilmots, a.k.a. „Willie, das Kampfschwein", hat spätestens seit seinen Eurofighter-Tagen Legendenstatus, und das nicht nur auf Schalke. Seit 2012 ist er Cheftrainer der belgischen Mannschaft. Davor coachte er lediglich den weltbekannten Verein Sint-Truiden sowie interimsmäßig die Königsblauen. Führte seine Mannschaft bei der WM ins Viertelfinale und alle waren enttäuscht. Allein das zeigt, wie stark die aktuelle Generation um Hazard und Co. ist.

Ausblick: Belgien zählt—wie schon bei der WM 2014—zu den großen Favoriten um den Titel. Im Tor steht einer der Besten der Welt. Der Ausfall von Vincent Kompany in der Innenverteidigung wiegt zwar schwer, trotzdem sollte die Abwehr um das Tottenham-Zweigestirn Alderweireld und Vertonghen gut gerüstet sein. Mittelfeld und Angriff sind mit hervorragenden Einzelspielern ausgestattet, die—wenn man dieses Mal ein bisschen mehr Losglück haben sollte—ihre Mannschaft locker ins Halbfinale ballern könnten.

Das Kampfschwein ist zufrieden. Foto: EPA Images/Laurent Dubrule

ITALIEN

Wie haben sie sich qualifiziert? Ohne Probleme als Gruppenerster vor Kroatien. Andererseits spielten in der Gruppe auch nur Norwegen, Aserbaidschan und Malta mit. Ein Härtetest sieht also anders aus.

Bekannte Namen: Der Routinier Andrea Pirlo wurde zu Hause gelassen, dafür wurden die Azzurri-Altstars Gianluigi Buffon und Daniele De Rossi nominiert. Roma-Stürmer El Shaaraway kennt man nicht zuletzt wegen seines Friseurunfalls und Andrea Barzagli, weil er 2009 mit dem VfL Wolfsburg Meister geworden ist. Andere bekannte Namen sind Glatzkopf Chiellini, der Italo-Brasilianer Thiago Motta und Juve-Abwehrass Leonardo Bonucci. Ansonsten bietet der italienische Kader eine Reihe von Namen, die dem Hobby-Fußballfan nicht unbedingt geläufig sein müssen.

Ein Mann, eine Legende. Foto: EPA Images/Andreas Gebert

Der Trainer: Antonio Conte ist ein Lame Duck. Nach der EM hört er nämlich nach nur zwei Jahren bei der Squadra Azzurra auf und wird Trainer beim FC Chelsea. Dass die Fußball-Intelligenzia also eine Menge von ihm und seinen Trainerfähigkeiten halten muss, sollte klar sein. Mal schauen, ob er den Vorschusslorbeeren auch in Frankreich gerecht werden kann.

Ausblick: Die Faustregel lautet: Bei wichtigen Turnieren sollte man die Italiener besser immer auf dem Schirm haben. Buffon ist, obwohl er bald das Rollatoralter erreicht hat, weiterhin ein Klassetorhüter. Auch die eingespielte Abwehr wird wieder schwer zu knacken sein. Über die Stärke des Mittelfelds lässt sich streiten, nicht aber über die des Sturms. Denn der ist alles andere als furchterregend. Wenn du einen Immobile mitnehmen musst, weißt du, wie schlecht die Konkurrenz sein muss. Andererseits war Italien noch nie eine Mannschaft, die wegen ihres Offensivfußballs Turniere gewonnen hat. Den Titel werden sie nicht holen, aber ein Einzug ins Viertel- oder Halbfinale wäre keine große Überraschung.

Schaut sich Antonio Conte schon jetzt nach Spielern für Chelsea um? Foto: EPA Images/Filippo Venezia

REPUBLIK IRELAND

Wie haben sie sich qualifiziert? Nach einem dritten Platz hinter Deutschland und Polen mussten die Iren in die Playoffs. Dort haben sie sich gegen Bosnien-Herzegowina durchgesetzt.

Bekannte Namen: Neben dem Altmeister aller Altmeister, Robbie Keane, sollte man hierzulande auch noch die Junior-Altmeister Shane Long und James McClean sowie den Senior-Altmeister Shay Given kennen.

Der Altmeister unter den Altmeistern: Robbie Keane. Foto: EPA Images/Filipe Farinha

Der Trainer: Martin O'Neill heißt der Mann, der bitte nicht mit Michael O'Neill verwechselt werden sollte. Denn der ist Trainer von Nordirland. Und keiner hat Bock auf Bürgerkrieg, oder? Den Martin kennt man in England vor allem als letzten einigermaßen gescheiten (nicht gescheiterten!) Trainer von Aston Villa. Nur Interviews sollte der gute Mann besser sein lassen, sonst heißt es wieder, man könnte ihn für „schwul" halten, wenn er zusammen mit Roy Keane zum Super Bowl geht.

Ausblick: Wenn kein mittelgroßes Wunder passiert, läuft alles auf ein Hauen und Stechen um den dritten Platz mit Schweden hinaus. Denn gegen Italien und Belgien ist die Mannschaft von MARTIN O'Neill klarer Außenseiter.

Der Mann mit dem etwas zu losen Mundwerk. Foto: EPA Images/Fehim Demir

SCHWEDEN

Wie haben sie sich qualifiziert? Als Dritter in Gruppe G hinter Österreich und Russland musste Schweden in die Playoffs, wo sie die favorisierten Dänen ausschalten konnten.

Bekannte Namen: Die schwedische Nationalmannschaft dreht sich fast vollständig um Zlatan Ibrahimovic. Dabei gibt es auch noch andere Spieler, die uns in Deutschland etwas sagen sollten: allen voran Emil Forsberg von RB Leipzig und Albin Ekdal vom Hamburger SV. Stichwort HSV: Welcher Hamburger erinnert sich nicht an den als Topverpflichtung angekündigten Marcus Berg...? Früher als Wunderstürmer gehandelt, ist es in letzter Zeit auch etwas ruhig um John Guidetti geworden. Obwohl seine Formkurve bei Celta Vigo in der zweiten Saisonhälfte deutlich nach oben ging.

Der Gott und seine Anhänger. Foto: EPA Images/Claudio Bresciani

Der Trainer: Erik Hamrén gehört zu den verhasstesten Menschen in Sverige—das ist zumindest der Eindruck, wenn man sich die Facebook-Kommentarspalten von Sportbladet und Co. durchliest. Nach der EM ist für Hamrén Schluss und die meisten schwedischen Fußballfans können diesen Tag gar nicht abwarten. Das hat kurioserweise auch damit zu tun, dass er den Gladbacher Oscar Wendt trotz eines monatelangen öffentlichen Protestschreis nicht zur EM mitgenommen hat.

Ob Erik Hamrén auch noch nach der Vorrunde so viel zu lachen haben wird? Foto: EPA Images/Erik Nylander

Ausblick: Schweden hätte es eh schon in den meisten Gruppen ziemlich schwer gehabt, doch in einer Gruppe mit Belgien und Italien zu landen, kann man nun wahrlich nicht als Losglück bezeichnen. Darum wäre ein Weiterkommen ins Achtelfinale schon eine kleine Sensation. Andererseits kommen ja auch die vier besten Drittplatzierten weiter, was aber im Klartext bedeutet: Im Auftaktspiel gegen Irland müssen unbedingt drei Punkte her. Spielt man danach gegen die beiden großen Brocken ähnlich gut wie im Testspiel gegen Wales (3:0), ist ein kleines Fußballwunder vielleicht doch in Reichweite. Vieles, wenn nicht sogar alles, wird davon abhängen, wie gut Zlatan drauf sein wird. Wenn man mit dem Mund Tore schießen könnte, würde unsere Prognose ganz klar Gruppensieg lauten.