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Apples neue Laptops sind ein Rückschritt für Umwelt und Verbraucher

Eine Ära ist zu Ende: Leicht reparierbare MacBooks gehören ab sofort der Vergangenheit an. Für die Nutzer ein Kontrollverlust, für die Umwelt ein Recycling-Problem.

von Jason Koebler
04 November 2016, 10:43am

Diese MacBooks konnte John Bumstead vor der Verschrottung bewahren | Bild: John Bumstead

Lange hatte die Apple-Gemeinde sehnsüchtig auf das neue MacBook Pro gewartet; letzte Woche war es endlich so weit: Apple stellte sein neuestes Gerät vor. Das MacBook Pro der 16. Generation unterscheidet sich von seinen Vorgängern vor allem durch seine kontextsensitive Multitouch-Leiste, die sogenannte Touch-Bar. Sie lässt sich an die individuellen Bedürfnisse der Nutzer anpassen und bietet praktische Funktionen für die Anwendung, die man gerade benutzt. Doch das neue Gerät löste nicht nur Begeisterungsstürme aus, sondern markiert auch das Ende einer Ära: Mit dem Release des neuen MacBook Pro nimmt Apple nun offiziell das MacBook Pro ohne Retina-Display von 2012 vom Markt—der einzige Mac, der vom Nutzer selbst aufgerüstet werden kann. Somit drohen die Apple-Computer nun endgültig zur Wegwerfware zu werden.

Das 2012er MacBook Pro mit herkömmlichem Display zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass Arbeitsspeicher und CD-Laufwerk mit wenig Aufwand aufgerüstet oder ausgetauscht werden können. Zudem ist der Akku verschraubt und nicht, wie sonst üblich, festgeklebt. Er kann vom User somit leicht ersetzt werden, ohne sich selbst zu gefährden oder das Computergehäuse zu beschädigen.

Die Markteinführung des neuen MacBook Pro bedeutet nun jedoch das Ende dieses Computers. Die neuen MacBook Pro sind ein echtes Performance-Upgrade für eine Produktlinie, die fast vier Jahre lang ohne nennenswerte Änderungen ausgekommen ist. Doch der Wechsel zu einem kleineren und schlankeren Design geht auf Kosten der individuellen Anpassbarkeit, Reparaturmöglichkeiten und Aufrüstbarkeit.

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Das neue MacBook Pro verfügt, wie die früheren Retina-Designs vor ihm, über einen festgeklebten Akku und einen Arbeitsspeicher, der mit dem Logicboard verlötet ist. Wenn ihr also nicht zufälligerweise ein echter Profi am Lötkolben seid, wird euer MacBook bis zum Ende seines Lebens mit den Werk- Spezifikationen auskommen müssen.

Beim Logicboard des neuen MacBook Pro sind sowohl Arbeitsspeicher (rote Kästchen) als auch Wi-Fi-Card (gelbes Kästchen) fest verlötet | Bild: iFixit

Zwei Lichtblicke gibt es jedoch: Ein Test von iFixit zeigt, dass das Touchpad leicht entfernt und somit beispielsweise auch ohne Probleme gereinigt werden kann. Auch der Solid-State-Drive (SSD) kann ausgebaut werden. Allerdings sind sowohl das Touchpad als auch der SSD herstellerspezifisch. Ersatzteile können somit nicht auf legalem Wege erworben werden—denn Apple verkauft keine Ersatzteile für MacBooks und iPhones an Privatkunden oder unabhängige Reparaturdienste.

Da Apple-Computer meist sowieso eine lange Lebenserwartung haben, mag die Aufrüstbarkeit für die meisten Kunden keine besonders große Rolle spielen. Aber es gibt da noch eine andere, weniger bekannte Gruppe auf dem Elektronik-Markt: Die Reparatur-Spezialisten, die Apple-Computer reparieren, aufarbeiten und weiterverkaufen. Sie leben quasi davon, dass sich die Lebensdauer von Apple-Produkten durch Refurbishing verlängern lässt. Motherboard hat auf der Electronics Reuse Conference in Houston mit einigen dieser Leute gesprochen und sie sind sich sehr wohl bewusst, dass sie sich wohl bald ein neues Geschäftsmodell einfallen lassen müssen.

„Ich freue mich zwar nicht darauf, zu lernen, wie man ein Logicboard repariert, aber ich glaube, dass es unvermeidbar ist."

Apple hat kein besonderes Interesse daran, diese Leute zu unterstützen und ist natürlich auch nicht dazu verpflichtet, Computer so herzustellen, dass sie repariert und weiterverkauft werden können. Nichtsdestotrotz ist ein Computer, der nach einer Überarbeitung noch viele Jahre weiterlaufen kann, wesentlich umweltfreundlicher als einer, der sofort verschrottet wird, nur weil der Arbeitsspeicher rumspinnt oder man sich kein teures SSD-Ersatzteil leisten kann.

„Es ist nicht möglich, anständige Ersatzteile von chinesischen Drittanbietern zu einem vernünftigen Preis zu erwerben. Wenn paranoide Recycler ihre SSDs also schrotten, bleiben am Ende Hunderte wunderschöner Laptops zurück, die nur noch ausgeschlachtet werden können, weil sie keine funktionsfähigen Computer mehr sind", erklärte John Bumstead, Gründer des MacBook Refurbish-Dienst RDKL, Inc., gegenüber Motherboard.

Bumstead ist darauf spezialisiert, MacBooks und MacBook Pros von 2008, 2009 und 2010 zu reparieren und weiterzuverkaufen. Jedes Jahr verkauft er Tausende dieser Computer (ein Teil seines Bestands ist oben im Titelbild zu sehen). Während eure alten Computer für euch nur noch nutzlose Staubfänger sein mögen, sind sie für andere Leute möglicherweise alles andere als Schrott. So können sie beispielsweise für Leute mit wenig Geld oder Schulgruppen noch sehr nützlich sein.

Die technischen Probleme, mit denen Bumstead am häufigsten konfrontiert ist, können bei älteren MacBook- oder MacBook Pro-Modellen leicht behoben werden. Dazu zählen durchgebrannte RAM-Sticks, Computer ohne Festplatte (die von den alten Besitzern entfernt wurden) und fehlerhafte Wi-Fi-Chips (auch diese sind im neuen MacBook Pro fest integriert). Bei dem neuen Modell könnte jedoch bereits nur eines dieser Probleme das Aus für das gesamte Gerät bedeuten.

Die Zeiten, in denen ein MacBook-Besitzer sein Gerät einfach selbst reparieren konnte, sind definitiv vorbei. Einige Reparatur-Spezialisten versuchen sich den neuen Gegebenheiten anzupassen und erlernen den Umgang mit Mikroskopen, Spannungsprüfern und Lötkolben, um Probleme am Logicboard erkennen und beheben zu können. Diese Arbeit ist jedoch wesentlich spezialisierter und zeitaufwändiger als beispielsweise die Aufrüstung des Arbeitsspeichers.

Bumstead sieht das Ganze pragmatisch: „Ich freue mich zwar nicht darauf, zu lernen, wie man ein Logicboard repariert, aber ich glaube, dass es unvermeidbar ist. Denn am Ende wird es das einzige Teil sein, das man überhaupt noch reparieren kann. Abgesehen vom Bildschirm oder der Tastatur bleibt da nicht mehr viel übrig."

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