Alle Fotos: Chris Bethell

Ich habe bei einer Quiz-Show mitgemacht, um alle zu verarschen

Mein Team: fünf Menschen, die noch nie zusammen in einem Raum waren und es unter keinen Umständen sein sollten.

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02 Oktober 2017, 11:15am

Alle Fotos: Chris Bethell

Die britische Quizshow Eggheads gibt es seit 14 Jahren. Die Prämisse ist einfach: Ein Team aus Quiz-Spezialisten (die "Eggheads") liefert sich in jeder Folge einen Wissens-Battle mit einem Herausforderer-Team. In den normalen Spielrunden spielt jeweils ein Mitglied aus beiden Teams, im Finale treten die Teams geschlossen gegeneinander an. Die Herausforderer können einen Jackpot mit nach Hause nehmen; wenn sie verlieren, wächst das Preisgeld für die nächste Folge.

Klingt das irgendwie spannend? Ich finde nicht. Gut, es gibt interessante Aspekte: passiv-aggressive Team-Beratung und winzige Sitzbänke, auf denen Teilnehmer so dicht aneinandergedrängt sitzen, als wäre Rush Hour in der U2. Und oft genug starren Quiz-Experten den Moderator Jeremy Vine an, als wäre er eine Mikrowelle, auf der die letzten Sekunden verticken. Aber insgesamt zeichnet sich Eggheads durch gähnend langweilige Vorhersehbarkeit aus. Seit 14 Jahren passiert in Endlosschleife das Gleiche. Aber das hat nun ein Ende, denn es gibt einen neuen Herausforderer: mich. Ich bin gekommen, um endlich ein bisschen Chaos in dieses öde Einerlei zu bringen.

Mein Plan

Um Eggheads aufzumischen, muss ich mich zuerst bei Eggheads bewerben. Das ist unglaublich einfach: Ich mache einen Tweet von einem der Produzenten ausfindig, der ganze drei Likes hat. Ich schreibe ihm eine E-Mail und eine halbe Stunde später beantworte ich ihm schon telefonisch Fragen zu meiner Person. Er ist sofort interessiert.

Aber um tatsächlich anzutreten, muss ich ja ein ganzes Herausforderer-Team stellen. Ich wähle den Namen bescheiden in Anlehnung an meinen eigenen: The Oobunch.

Normalerweise bestehen Egghead-Herausforderer-Teams aus besten Freunden und engen Angehörigen, die regelmäßig zusammen an Quiz-Spielen teilnehmen. Mein Team ist dagegen ein Frankenstein-Monster: fünf Menschen, die noch nie zusammen in einem Raum waren und es eigentlich auch unter keinen Umständen sein sollten.

Da ist Ray. Ihn habe ich vor vielleicht fünfzehn Jahren zuletzt gesehen, aber regelmäßig erinnern mich Facebook-Posts über seine hohen Scores bei Buzzfeed-Quizzen an seine Existenz. Meist schreibt er dann noch lässig-gleichgültig "Meh" unter sein beeindruckendes Ergebnis. Da er zweifellos der klügste Mann in meinem Bekanntenkreis ist, muss ich ihn einfach in mein Team einladen.

Dann ist da Hannah. Hannah arbeitet für eine seriöse Zeitung. Ich habe sie zwar noch nie persönlich getroffen, aber ich schätze, sie muss ziemlich intelligent sein. Wenn alle Stricke reißen, habe ich wenigstens ein bisschen Networking betrieben.

Der dritte im Bunde ist mein Schwager Andy, der von dieser Sache Wind bekommt und sich selbst dazu einlädt.

Diese Spieler werden sich zweifellos tapfer schlagen, aber damit mein Plan aufgeht, müssen wir die Schwächen ausnutzen, die ich im Laufe der Jahre bei einem der Eggheads festgestellt habe.

Dieser Egghead heißt Chris. Chris ist ein berühmter Quiz-Champion, der schon alle möglichen Preise abgeräumt hat. Er ist offensichtlich sehr klug. Aber wer ihn beobachtet, sieht ab und zu kleine Risse in der perfekten, belesenen Fassade. Ein leicht entnervter Blick, als er die zehnte Episode in Folge die Sport-Runde zugeteilt bekommt. Eine gemurmelte Abfälligkeit über bescheuerte Fragen. Chris ist ein Mann, der sich nerven lässt! Und genau das werde ich tun – durch meinen Bruder James.

James ist ein Method Actor, und ich habe die perfekte Rolle für ihn. Er darf nur bei der Show mitmachen, wenn er sich die Haare bleicht, sein gesamtes Verhalten umkrempelt und zu Chris wird. Wenn Chris erst einmal sich selbst gegenübersitzt, wird er zwangsläufig irgendwann an der Absurdität der Situation zerbrechen.

Jetzt, wo mein Team steht, muss ich den Small Talk planen. Warum sollte ich das angestrengte, unbeholfene Geplauder den Autoren der Sendung überlassen, wenn ich es selbst schon mal vorbereiten kann?

Jeremy Vine: Wo kommt dein Name denn her?
Oobah Butler: Meine Eltern! Kranke Fantasie!
JV: Soso.
OB: Ich bin das jüngste von sechs Geschwistern: James, Peter, Emma, John, Rebecca ... tja, und dann Oobah. Wie erkläre ich mir das, Jeremy? Langeweile. *Lacht*
JV: Ich wette, du warst genervt, als die App Uber rauskam.
OB: Tja, da gibt es mehr als nur die phonetische Übereinstimmung. Uber-Fahrer nehmen Leute mit, ich nehme sie auf den Arm.

Das ist die Unterhaltung, die ich mit Jeremy Vine führen werde. Ich verspreche es. Ich kann das so genau vorhersagen, weil jeder einzelne Mensch, mit dem ich je gesprochen habe, genau diese Dinge über meinen Namen gefragt hat. Ich werde Jeremy in meine persönliche Marionette verwandeln. Ich werde die Strippen ziehen und er wird für mich tanzen.

Die extrem spezifischen Fragen im Bewerbungsprozess offenbaren mir etwas über die Produzenten der Serie: Sie sind Kontrollfreaks. Zum Beispiel verlangen sie, dass man fünf verschiedene Outfits mitbringt – und nichts darf gemustert sein, keine Pastellfarben, nur schwarze Hosen. Eigentlich darf man nur ein einfarbiges Shirt anhaben, sodass man gezwungenermaßen aussieht wie ein Weirdo in einem 80er-Jahre-Stock-Foto. Ich habe meinem ganzen Team das Gegenteil weitergegeben: gemusterte Oberteile, Pastellfarben und bunte Hosen.

Die Spielregeln

Ich habe eingangs ja schon grob erklärt, wie das Spiel funktioniert. Für Uneingeweihte hier noch mal im Detail: Die Eggheads sind ein Dream Team aus neun Quiz-Weltmeistern und –Spezialisten. So was wie die Harlem Globetrotters der Quiz-Welt. In jeder Folge tritt ein Team aus fünf Herausforderern an und versucht, fünf von ihnen das Wasser zu reichen. In jeder Spielrunde geht es um ein zufällig gewähltes Wissensgebiet, und jedes Mal muss ein Herausforderer sich mit einem Egghead seiner Wahl messen. Jede Runde besteht aus drei Fragen, und wenn es danach noch keinen Rundensieger gibt, wird nach Sudden-Death-Regeln weitergespielt. Von diesen Einzel-Spielrunden gibt es insgesamt vier, danach kommt das Finale: Allgemeinwissen. Das Finale folgt demselben Schema, bloß dass hier alle Sieger aus den vorhergehenden Runden antreten, alle anderen sind komplett ausgeschieden. Das heißt, es kann auch ein einziger Herausforderer vor dem ganzen Egghead-Squad stehen, oder umgekehrt. Wenn die Herausforderer verlieren, wächst der Jackpot um 1.000 Pfund an.

Der große Tag

Ich stehe in einem Second-Hand-Shop der Wohlfahrt in Glasgow – in der größten schottischen Stadt wird Eggheads aufgezeichnet. Während ich Hemden für 50 Pence das Stück durchschaue, zittern meine Hände ein klein wenig. Es sind nur noch 25 Minuten, bis uns das Taxi abholt und ins Studio von BBC Scotland bringt. The Oobunch kommt hier zum ersten Mal zusammen. Hannah trifft zuerst ein. "Womit hast du deine Quiz-Skills trainiert?", fragt sie. "Ähm, ich hab vorletzten Dienstag an einem Pub-Quiz teilgenommen?", sage ich. Hannah wirkt entsetzt. "Haha. Ich hab's hiermit versucht." Sie öffnet auf ihrem Handy die Eggheads-App und ich sehe, dass sie in den letzten 24 Stunden für insgesamt 20 Pfund Inhalte freigeschalten hat.

Bald trifft das zweite Mitglied des Oobunch ein: James. Mit weit aufgerissenen Augen beginnt er sofort zu erklären, wie oft er sein Haar bleichen musste, um es auf die exakte Haarfarbe seines Vorbilds Chris zu bringen. Mich erinnert er gerade mehr an Dr. Emmett Brown aus Zurück in die Zukunft. Er ist aufgekratzt und kratzt auch viel an seiner Kopfhaut – aber James muss nur mal etwas runterkommen, dann ist er schauspielerisch in Topform.

"Alles klar, Oob?" Rays ruhige, südenglische Stimme würde ich überall erkennen. Ich habe ihn zwar seit zehn Jahren nicht gesehen, aber mit seinem Comic-Shirt, seinem großen, roten Vollbart und seiner entspannten Art wirkt Ray noch immer wie das verlorene Bandmitglied von Mastodon.

Wir sind hier, um uns möglichst unmögliche Outfits auszusuchen. Alle dürfen sich nehmen, was sie wollen, außer James. Er muss ein Rugby-Shirt tragen, weil das das Kleidungsstück ist, in dem Egghead Chris geboren wurde und eines Tages sterben wird.

Als letztes taucht mein Schwager Andy auf. Er trägt ein Fleece-Hemd und hält eine Tasche, in der ziemlich sicher dreieckig geschnittene Tunfisch-Sandwiches sind. Weil er den ganzen Weg aus York nach Schottland mit dem Auto hochgefahren ist, haben die Produzenten der Sendung ihm ein Hotelzimmer gebucht, also führt er sich auf wie ein Provinz-Rentner auf Tagesausflug. Eigentlich ist er der einzige sichere Gewinner in unserer Runde.

Das Taxi fährt vor und wir springen rein.

Wir warten in der Lobby und beobachten, wie eine fünfköpfige Gruppe das Gebäude verlässt. Gleichzeitig kommt ein weiteres Fünfer-Team herein. Eggheads-Teams haben einen gewissen Look. Sie sind größtenteils männlich und über 40. Sie sehen zur Hälfte aus wie UKIP-Wähler und zur Hälfte wie Typen, die samstags ehrenamtlich den Schiri für die Cricket-Juniorliga geben. Man führt uns nach oben, ins "grüne Zimmer".

Zwei panische Producer mit Headsets platzen herein. Sie wechseln sich darin ab, den Ablauf runterzurattern: essen, Make-up, Garderobe, gefilmte Zustimmung zum Vertrag und dann ist Showtime. Es erscheint mir bizarr, wie extrem alles wirkt. Die Anweisungen, die sie uns entgegenschreien, kommen beim Team etwa so gut an wie Feuerwerk im Hundezwinger. Zum Beispiel sagen sie uns, dass wir die Namensschilder nicht behalten dürfen, die werden nämlich wiederverwendet. "Habt ihr vor, demnächst noch einen Oobah einzuladen?", frage ich. Die Produzentin runzelt die Stirn. Die Schlacht hat begonnen.

Mit jeder verstreichenden Minute steigt die Spannung in unserem Umkleideraum. James findet sein Haar "nicht glatt genug, um glaubwürdig zu sein", also kümmert sich Hannah mit einem Glätteisen darum.

Ich schlinge ein bisschen Eintopf runter und denke dabei an alle Faktoren, die ich nicht kontrollieren kann – zum Beispiel, welche der neun Eggheads gegen uns antreten.

Der eindeutige Endgegner unter den neun ist Kevin Ashman. Er ist der Lionel Messi der Eggheads. Erst vor Kurzem hat er das wieder bewiesen, indem er das dritte Jahr in Folge Quiz-Weltmeister geworden ist. Wie kann ich den hochkonzentrierten Kevin aus der Fassung bringen? Plötzlich gellt ein Schrei durchs Zimmer: "MEINE KOPFHAUT!"

Ich renne zu James und halte ihm den Mund zu. Bei genauerem Hinsehen entdecke ich Bluttropfen in seinem Ohr und Schorf an seinem Haaransatz. Vielleicht war das einmal bleichen zu viel?

Nein, war es nicht. Die Zuschauer sind sich später in dem Punkt einig, und auch über die Aufmachung des restlichen Teams haben sie einiges zu sagen. Die Producer kehren zurück und läuten die Make-up-Phase ein.

Innerhalb von fünf Minuten hat man mich in eine Art Mini-Playback-Version von Annie Lennox verwandelt, ich bin kampfbereit. Wir gehen wieder hoch, wo unsere Outfits bereitliegen, frisch aus der Kleiderpresse. Vier von uns tragen Shorts, nur zwei Team-Mitglieder tragen die vorgegebenen Farben, auf Rays Vier-Pfund-Primark-Shirt steht hinten "Japan" – und die Producer haben kein Wort über unsere Fehltritte verloren.

Dann müssen wir unsere Zustimmung zu den Vertragsbedingungen filmen lassen. Ich sehe vage vor mir, wie ich gefesselt in einer Hochlandscheune darauf warte, dass meine Eltern das Lösegeld zahlen.

Ein Producer wartet vor dem Studio-Saal auf uns. Es ist Zeit. "In eurem Jackpot sind 2.000 Pfund. Ihr spielt heute gegen Beth, Dave, Pat, Kevin ... und Judith." Ich bin entsetzt. Chris tritt heute nicht einmal an. Ich blicke über meine Schulter zu James mit der blutenden Kopfhaut. Der vage Schatten eines Mannes, der nicht einmal anwesend ist. Sein Blick wirkt leer und tot.

Vor der Studiotür warten wir darauf, dass das grüne Lämpchen angeht. Ich nehme meine entmutigte Truppe in Augenschein. "Hey, warum wolltest du mich eigentlich dabeihaben, Oob?", fragt der zuverlässige Ray leise. Ich erkläre ihm die Sache mit den Quiz-Resultaten auf Facebook. Während ich spreche, bemerke ich, dass sein Bein auf- und abhüpft wie ein irre gewordener Cockerspaniel. "Also, die Sache ist die, Oob ... bei diesen Dingern schummle ich immer." Nervöses Gelächter blubbert aus Ray hervor. "Yup. Ich google einfach die Antworten, die ich selbst nicht weiß."

Der Verarscher ist zum Verarschten geworden. Wer hätte gedacht, dass man bei Quiz-Spielen in sozialen Netzwerken schummeln kann? Ich wollte Chaos, und nun scheint sich mein Wunsch zu erfüllen.

Ein Egghead nach dem anderen trifft ein, doch meine Aufmerksamkeit gilt dem wandelnden Mysterium Kevin. Die anderen stellen sich höflich vor, aber Kevin sitzt schweigend da und nippt an seinem Wasser. Seine Unbeweglichkeit verführt mich zu düsteren Gedanken über meine eigene Sterblichkeit, doch dann wird mir klar: Das ist es. Kevin ist der Anker, der Wetterhahn. Wenn ich Kevin brechen kann, breche ich Eggheads.

Ich höre Schritte, gefolgt von einer Stimme wie von einem verstörten Bärenjungen.

Jeremy Vine, der Moderator!

"Schön, dich kennenzulernen ...", sagt er und starrt auf sein Clipboard. "Oobah?"
"Ja, Oobah."
"Wo kommt der Name denn her?"
"Aus der kranken Fantasie meiner Eltern!"
Wir lachen beide.
"Ja, ich bin der jüngste von sechs. James, Peter, Emma, John, Rebecca und, tja, Oobah! Ich schätze, es wurde ihnen langweilig!"
"Klingt ein bisschen wie die App, nicht?"
"Mit Uber habe ich nicht nur den Namen gemeinsam ... ich nehme gern mal jemanden mit. Besser gesagt: auf den Arm."

Mein Drehbuch. Es gibt Lacher. Ich bin wie Christus auf der Hochzeit in Cana. Ich habe aus dem ausgelutschten Wasser köstlichen Comedy-Wein gemacht.

Jeremy ist offensichtlich fasziniert davon, wie zusammengewürfelt das Oobunch-Team wirkt. Er spricht mit allen darüber, warum sie heute hier sind. Als er bei Ray ankommt, kann Jeremy kaum fassen, wie lange wir einander vor der Sendung nicht gesehen hatten. "Fünfzehn Jahre, das ist ja unglaublich", sagt Jeremy. "Und hat sich Oobah in der Zeit sehr verändert?" Rays Stimme bricht ein bisschen vor Nervosität. "Eigentlich kaum, bis auf die Haarfarbe."

Unser Themengebiet für die erste Runde ist Geschichte. Ich schicke James. Chris mag heute nicht dabei sein, aber das muss den restlichen Eggheads doch trotzdem extrem seltsam vorkommen, oder? Während die Filmcrew alles für die Fragerunde vorbereitet, gibt es fünf Minuten Schweigen.

Ich bemerke, dass Jeremy in meine Richtung schaut und dabei Dinge vor sich hinmurmelt. "Warnschilder am Rand von Klippen", sagt er. "Wie bitte?", frage ich zurück. "Oder wenn Kellner sagen, dein Teller wäre zu heiß, obwohl er das gar nicht ist." Sein Blick huscht Richtung Boden. "Das Wort 'Zen' sollte bei Scrabble verboten sein." Sein Blick trifft wieder meinen. "Wenn ich an der Macht bin, schaffe ich ein paar Sachen ab." Heilige Scheiße. Dieser Mann lebt eindeutig auf einem anderen Planeten.

Die Fragerunde ist schnell und schwierig. Es läuft nicht gut für James, Beth besiegt ihn zwei zu null. Ich bin fasziniert davon, dass er hier mit einer Fake-Brille und Rugby-Shirt sitzt, mit seinem gebleichten Haar-Nest und der blutenden Kopfhaut, und sich wie ein Zombie-Abklatsch eines Eggheads benimmt – und kein Mensch verliert ein Wort darüber. Das Thema der nächsten Runde steht fest: Sport. Das will ich selbst übernehmen, und ich weiß schon, welchen Egghead ich als Kontrahentin will.

"Judith, bitte!"

Wir sitzen und unterhalten uns darüber, in welchem Teil von London Judith lebt, und ich schlage vor, dass wir uns ja mal auf einen Drink treffen können. Sie zieht die Art scherzhaft schockiertes Gesicht, die nur Menschen hinkriegen, die vor 1971 geboren wurden.

"Erste Frage: Aus welcher Sportart stammt der Begriff 'Set'?" Ich zögere. "Mein erster Instinkt sagt Rugby ... aber mein Kopf sagt Hockey." Ich halte inne. "Aber ich sage doch Tennis!" Vine atmet erleichtert auf. "Da hast du dein Team aber an der Nase rumgeführt." Judith schaut mich an. "Mich auch!" Jetzt habe ich sie. Ich spiele mit ihr.


Schau dir hier die vollständige Episode Eggheads mit Oobah an:


Als Nächstes bekommt Judith ihre Frage, und sie antwortet richtig. Ich applaudiere ein bisschen, was sie weiter zu verwirren scheint. Dann antworten wir beide einmal falsch. Letzte Frage – wenn ich die schaffe, steht sie mächtig unter Druck. "Welcher US-Schwimmer war während der Olympiade 2016 in einen kontroversen Vorfall an einer Tankstelle verwickelt?" Ich weiß die Antwort: dieser Depp, der dieselbe Frisur hat wie ich! "Ryan Lochte!" Judith gibt ihre letzte Antwort ab und liegt daneben. Sie ist raus!

Das Oobunch-Team grinst mich an, als ich zurückkehre. James nimmt mich in den Schwitzkasten und reibt mir mit den Knöcheln über den Kopf – das hat er in den 26 Jahren, die wir uns kennen, noch nie gemacht. Die Eggheads werfen sich skeptische Blicke zu. Die nächste Kategorie ist Film und Fernsehen, also ein Fall für Ray. Er muss seinen Egghead wählen. Im Grunde kann er sich da jeden Eierkopf vorknöpfen, solange es nicht der allwissende Kevin ist. "Ich nehme Kevin."

WAS? Ich weiß nicht, ob er dumm oder mutig ist, aber Antworten googeln kann er hier vergessen. Als ich zusehe, wie Ray sich vorbereitet, während die Kamera abwechselnd ihn und Kevin filmt, kann ich aus irgendeinem Grund nicht aufhören zu kichern. Aber beide Männer schlagen sich ausgezeichnet und kennen die Antworten auf ihre Fragen – bis zur letzten Frage. In Rays Augen sehe ich Unsicherheit, und das kann ich ihm kaum verübeln. Wer hat bitte den Kinder-Animationsfilm Sing gesehen und weiß noch, wie die Figuren hießen?

Anscheinend Ray. Er liegt auch diesmal richtig. Zeit für Kevins letzte Frage. "Wie heißt die Figur, die Thomas Turgoose in dem Film This Is England verkörpert?"

Kevin schweigt.

Wir sitzen zusammen, ich grabe meine Finger in James' Schulter. Kevin, der mächtigste Quiz-Gegner der Welt, wird doch jetzt nicht "Woody" antworten?

"Ich sage mal ... Woody."

Wir brüllen durchs Studio, Ray macht einen Fistpump. This Is Chaos. Die Producer und der Regisseur wirken verdutzt angesichts unserer Reaktion. Ray läuft übertrieben triumphal zurück ins Studio und wir umarmen ihn. Kevin folgt in seinem Fahrwasser, den Kopf gesenkt wie Charlie Brown. Keiner der Eggheads spricht mit ihm.

Ich kann es kaum glauben, aber wir sind in Führung. Die nächste Runde beginnt: Geografie. Unabhängig vom Themengebiet müsste jetzt eigentlich Hannah ran, denn Andy wollen wir uns fürs Finale aufheben. Aber Hannah kann vor Aufregung (und vermutlich vor Schlafmangel) kaum sprechen, also tritt Andy nach vorn und wählt den Egghead Dave, der ebenfalls für sein umfassendes Wissen respektiert und gefürchtet wird.

Die beiden liebenswerten Nordengländer gehen in die schwierigste Runde des Spiels. Sie beantworten beide alle drei Fragen richtig, also beginnt der Sudden-Death-Modus. Wir halten schon den Atem an, als Jeremy plötzlich kommentiert: "Du machst dich gut da oben, Andy. Siehst ein bisschen nach Cat Stevens aus ..." Dann kommt die Todesfrage: Auf welcher Ärmelkanal-Insel gibt es den Fluss Yar? Ich glaube, das weiß nicht einmal der Fluss Yar. Andy rät Anglesey – falsch. Dann kriegt Dave eine Frage, die so lächerlich einfach klingt, dass ich denke, es muss sich um ein Missverständnis handeln: In welcher Hauptstadt liegt [irgendwas mit unfassbar französisch klingendem Namen]? Natürlich lautet die Antwort "Paris". Das besiegelt die Team-Aufstellung fürs Finale: Die Teams werden von jeweils drei Mitgliedern vertreten.

Andy, James, Judith und Kevin sind also ausgeschieden. Jeremy schlurft über die Studiobühne, und meine Gedanken rasen: Ich wollte einfach nur einen seltsamen Auftritt hinlegen, aber ohne jegliche Ambition oder Logik sind jetzt drei von uns im Finale, der klügste Egghead-Boss ist aus dem Rennen und uns trennen nur noch drei Fragen vom Jackpot. Es wäre doch ganz nett, 2.000 Pfund zu gewinnen, oder nicht? Ich atme tief durch. Lass uns dieses Ding gewinnen.

Die erste Final-Frage: "Wie lautet die bekannte Redensart? 'Vorsicht ist besser als ...'"

Nachsicht. Natürlich antworten wir richtig. Die Eggheads antworten ebenfalls richtig. Dann sind wir wieder dran: "Welches Team der Premier League wurde in der Saison 2016/2017 vom US-Coach Bob Bradley gemanagt?" "Swansea!" Und zurück zu den Eggheads. Wieder kennen sie die richtige Antwort. Dritte Frage: "Welcher Rolling-Stones-Song beginnt mit den Worten: 'She would never say where she came from ...'?" Wir haben nicht die leiseste Ahnung. Fuck. Warum sind wir drei Finalisten alle Team Beatles und nicht Team Stones? Wir ignorieren die entrüsteten Schreie der gesamten britischen Bevölkerung und raten: "Angie."

FALSCH. Es ist "Ruby Tuesday". Wir warten darauf, eggxekutiert zu werden. Und natürlich liegen die Eggheads bei der letzten Frage richtig und befördern uns damit ins Aus.

Aber was als Nächstes geschieht, überrumpelt mich noch einmal. "Wir hatten eine Sound-Störung bei der letzten richtigen Antwort. Können wir das alles bitte noch mal haben – die Antwort und die Reaktionen?" Die Worte des Regisseurs hallen übers Set. Niemand scheint seine Forderung außergewöhnlich zu finden. Hannah, Ray und ich haben gerade 2.000 Pfund verloren und uns in einer landesweiten TV-Sendung blamiert. Ein herber Moment, den wir so nie wieder erleben werden – aber genau das möchte der Regisseur jetzt von uns. Das Ganze fühlt sich so brutal an, als wollte das Fernsehteam uns durch die Blume sagen: "Don't fuck with us."

Und einfach so ist alles aus. Game Over. Vine und die Eggheads verabschieden sich und man eskortiert uns raus. Sie nehmen mir das Namensschild von der Brust und werfen es in einen Eimer. Ich habe endgültig verloren.

Hinterher sitzen wir in einem Pub bei einem Drink zusammen. Ich fühle mich völlig niedergeschlagen. Ich weiß gar nicht wieso, immerhin haben wir fast alles so gemacht, wie ich es mir gewünscht hatte. Vielleicht ging es mir insgeheim die ganze Zeit schon darum zu gewinnen? Unser Taxi zum Flughafen kommt. Als ich einsteige sehe ich eine Gestalt, die unentschlossen auf dem Parkplatz herumsteht, eine Supermarkttüte in der Hand. Das ist doch wohl nicht ... Quiz-Champion Kevin?

"Ihr wart gut. Ich hätte mich besser vorbereiten sollen", murmelt er. "Ich besitze nicht mal einen Computer oder ein Handy ..." Er entschuldigt sich, dass er gegangen ist, ohne sich richtig zu verabschieden. Ich glaube, wir haben Kevin kaputtgemacht. Wir haben einen der besten Quizzer der Welt zerstört. Als er davonschlurft, geht mir auf, warum ich mich so komisch fühle. Eggheads mag wie eine langweilige Sendung wirken, aber eigentlich ist es die seltsamste Show im britischen Fernsehen. Dazu braucht es gar keine Verasche-Aktion von mir. Jeremy Vine ist ein Mann, der besser in einen David-Lynch-Film als ins britische Wochentagsfernsehen passt, und Kevin Ashman ist ein schwankender Koloss, der jederzeit einen quizbasierten Zusammenbruch erleiden könnte.

Umgeben von meinen seelisch ramponierten Teamgefährten sehe ich zu, wie Kevin in der Ferne verschwindet, und muss darüber nachdenken, wie ungewiss das Leben ist. Du kannst jede Minute darauf verwenden, der oder die Beste auf deinem Gebiet zu werden, aber du bist immer nur einen Ray davon entfernt, als hoffnungsloser Charlie Brown mit einer Supermarkttüte durch die Stadt zu irren.

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