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"Bomben Prank!!": Hohe Strafe für deutschen YouTube-Prankster

Die Vorwürfe lauteten Nötigung, Körperverletzung und Störung des öffentlichen Friedens. Jetzt hat eine Richterin in Hamburg ihr Urteil gesprochen.

von Richard Diesing
14 September 2017, 10:20am

Screenshot: YouTube/ApoRed

Update (18.10.2017; 17:00): Es ist inzwischen mehr als zwei Jahre her, dass der YouTuber ApoRed mit seinem auf YouTube hochgeladenen "Bomben Prank" für scharfe Kritik sorgte. Auf den Clip folgte nicht nur ein Shitstorm sondern auch eine Klage. Am Mittwoch den 18. Oktober findet der Fall in Hamburg nun sein vorläufiges Ende: Eine Richterin verurteilte den YouTuber zu sieben Monaten Haft auf Bewährung. Laut den Zeugenaussagen einiger Opfer des Pranks habe ApoRed sich bei Ihnen inzwischen entschuldigt, wie Spiegel Online berichtet.

Bis zum Urteilsspruch habe der YouTuber tatsächlich in Untersuchungshaft gesessen, weil er zu einem früheren Gerichtstermin nicht erschienen war, heißt es in dem Spon-Artikel weiter. Das Urteil ist der erste Richterspruch wegen eines Pranks, der solch eine große öffentliche Aufmerksamkeit erreichte - inwiefern die Szene der YouTube-Pranker auf das Urteil reagieren wird, ist zunächst unklar. Fest steht jedoch, dass ApoRed seit dem 18. Oktober wieder Videos drehen kann, denn die Bewährungsstrafe bedeutet auch, dass er erstmal auf freiem Fuß ist, wie Spiegel Online berichtet.

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Hier unser ursprünglicher Artikel, den wir zum Beginn des Gerichtsprozess Mitte September veröffentlicht haben: Gestern Abend postete der Hamburger YouTuber ApoRed ein schwarzes Bild auf Instagram und kündigte darin für heute sein "letztes Video für eine lange Zeit" an. Eigentlich ist der 23-Jährige aktuell einer der erfolgreichsten deutschen YouTuber. Was also ist passiert? Mit Prank-Videos sammelte er Millionen von Klicks und über zwei Millionen Abonnenten – aber auch mehrere Anzeigen.

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In Hamburg lief gegen ihn nun ein Gerichtsprozess wegen eines Pranks, bei dem ApoRed mit einem Freund zusammen in der Stadt eine Tasche neben unwissende Passanten gestellt hatte und so tat, als sei es eine Bombe. Er selbst betitelte das Video als "Bomben Prank!!". Der Prozesstermin am Montag dauerte nur 15 Minuten: Weil der YouTuber nicht vor Gericht erschien, ordnete die Richterin kurzerhand Untersuchungshaft an, wie das Hamburger Abendblatt berichtet. Damit ist ApoRed der erste bekannte deutsche YouTuber, der für einen Prank in Haft muss.

"Wir wollen ja nicht, dass die Zeugen ein zweites Mal vergebens kommen"

Vorgeworfen wird dem YouTuber Körperverletzung wegen des immensen Schreckens der Passanten, Nötigung und Störung des öffentlichen Friedens. Außerdem habe er das Video hochgeladen, ohne die gefilmten Opfer des Pranks um Erlaubnis zu fragen. Der Clip wurde über 430.000 mal geschaut und sorgte damit für große Empörung im Netz. Auch viele Fans des YouTubers kritisierten den Clip.

Die Richterin begründete die Entscheidung zur Untersuchungshaft damit, dass so sichergestellt sei, dass der YouTuber zum nächsten Anlauf der Aufarbeitung des Falls erscheine. "Wir wollen ja nicht, dass die Zeugen ein zweites Mal vergebens kommen", sagte sie laut des Hamburger Abendblattes.



Es ist nicht das erste Mal, dass ApoRed mit der Justiz zu tun hat. Schon eine Reihe von Pranks zusammen mit dem YouTuber Leon Machère, bei dem sich die beiden unter anderem 24 Stunden bei Ikea und in einer McDonalds-Filiale aufhielten, zog Anzeigen der Unternehmen nach sich. Außerdem durchsuchte die Polizei vor kurzem seine Wohnung. Aus welchem Grund, dazu schweigt ApoRed.

Das "Bomben Prank"-Video löschte der YouTuber später von seinem Kanal, ebenso wie ein Entschuldigungsvideo, in dem er sich zu dem Prank äußerte. Ob nun weitere YouTube-Prankster angeklagt werden, bleibt abzuwarten. Die Pressestelle der Hamburger Staatsanwaltschaft war für ein Statement heute nicht zu erreichen.

Update (15.9.2017; 14:50): In seinem groß angekündigten Video vom vergangenen Donnerstag erklärte ApoRed gestern Abend, er müsse gar nicht in Untersuchungshaft. Er sei entschuldigt gewesen und würde diese Entschuldigung auch einreichen. "Da geht man doch nicht in U-Haft", erzählt er in dem Video. "Das einzige, was passiert, ist vielleicht eine Geldstrafe und zusätzlich dazu dass man eine Benachrichtigung bekommt, vielleicht einen Brief von der Polizei, dass sie dich drei Stunden vorher abholen und dich dort halt zum Gerichtsprozess hinbringen", so der YouTuber weiter. Die Berichte über die Thematik bezeichnet er als "Fake News". Auf Anfrage wollte sich das Amtsgericht Hamburg nicht dazu äußern. Ein neuer Gerichtstermin stehe aber noch nicht fest, wurde uns mitgeteilt. ApoRed hat auf unsere Anfrage nicht reagiert.