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Die abenteuerliche Flucht eines mutmaßlichen Bitcoin-Meisterdiebes beschäftigt ganz Island

Er soll im selben Flugzeug wie die Premierministerin das Land verlassen haben, seither fehlen vom Verdächtigen und der Beute im Wert von 1,6 Millionen Euro jede Spur. Jetzt meldet er sich mit einem Leserbrief in einer Zeitung zu Wort.

von Wajeeh Maaz; Übersetzt von Sandra Sauerteig
23 April 2018, 10:46am

Der Isländer Stefansson soll 600 Mining-Server gestohlen haben | links: Sindri Thor Stefansson | Bild: Polizei Reykjavik || rechts: Symbolbild von Servern in einem Datenzentrum | Bild: imago | photothek

Island hat eine der niedrigsten Kriminalitätsraten der Welt. Trotzdem ist es Schauplatz eines der größten Bitcoin-Raubzüge in der Geschichte der Kryptowährung geworden. Der mutmaßliche Meisterdieb Sindri Thor Stefansson soll mit seinen Komplizen 600 Computer, die zum Bitcoin-Mining verwendet wurde, erbeutet haben, bevor er von den Behörden im Februar geschnappt wurde. Seine Haftzeit konnte der mutmaßliche Kryptodieb jedoch nun unerwartet verkürzen: Vor wenigen Tagen brach Stefansson aus dem isländischen Gefängnis aus und befindet sich seitdem auf der Flucht.

Die Behörden werfen Stefansson und zehn weiteren Personen vor, im Dezember und Januar in insgesamt vier Datenzentren eingebrochen zu sein. Ihre Beute soll insgesamt über 1,6 Millionen Euro wert sein. Dieser recht hoch bemessene Schaden könnte mit der Leistungsfähigkeit der 600 gestohlenen Rechner zu tun haben, weil für das Mining von Bitcoin oder anderer Kryptowährungen besonders leistungsfähige Grafikprozessoren benötigt werden. Isländischen Behörden zufolge ist die Raubserie die größte der isländischen Geschichte und in der lokalen Presse wird sie als "der große Bitcoin-Raub" bezeichnet. Wie der Guardian berichtet soll Steffanson am vergangenen Dienstag aus dem Gefängnis geflohen sein und sich außer Landes geschmuggelt haben.

Die Flucht führte durchs Fenster, dann ins Flugzeug der Premierministerin

Die Flucht selbst ist allem Anschein nach weit weniger spektakulär abgelaufen, als man vermuten mag. Denn Stefansson saß keineswegs in einem Hochsicherheitsgefängnis hinter Schloss und Riegel. Tatsächlich wurde er erst zehn Tage vor seiner Flucht in eine Anlage mit niedriger Sicherheitsstufe verlegt, ohne Stacheldrahtzaun, aber mit Internetzugang für die Insassen. Dort soll Stefansson durch ein Fenster in die Freiheit geklettert sein, laut isländischem Polizeichef Gunnar Schram habe er vermutlich Hilfe von einem Komplizen bekommen.

Kurze Zeit nach dem Ausbruch taucht Stefansson auf Überwachungsvideos des einzigen internationalen isländischen Flughafens Keflavík auf. Hier soll er ausgerechnet mit demselben Flugzeug das Land verlassen haben, in dem auch die isländische Premierministerin, Katrín Jakobsdóttir saß. Diese befand sich gerade auf dem Weg nach Schweden, um den indischen Premierminister Narendra Modi zu treffen. Die isländische Polizei sagte laut AP, dass das Flugticket auf einen falschen Namen ausgestellt worden sei. Die Ermittler vermuteten außerdem, dass Stefansson womöglich gar keinen Pass habe vorzeigen müssen, da er von Island nach Schweden reiste und beide Länder sind Mitglieder des Schengener Abkommens sind. Für Stefansson wurde ein internationaler Haftbefehl erlassen.


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Steffanson sagt, er saß zu Unrecht im Knast

Inzwischen hat sich der flüchtige Stefansson selbst zu Wort gemeldet, wie BBC News berichtete. In einem Brief an die isländische Zeitung Frettabladid schreibt er, dass er zu Unrecht im Gefängnis gesessen hätte.

Er sei für kein Verbrechen verurteilt worden und die Frist seiner Untersuchungshaft habe am 16. April geendet, so Stefansson. Darum habe er es nicht eingesehen, freiwillig im Gefängnis zu bleiben. Des Weiteren schrieb er, dass er gerne nach Island zurückkehren würde. Wo er sich momentan aufhält, ist nicht bekannt.

Auf die gestohlenen Computer ist ein hoher Finderlohn ausgesetzt

Auch von den Computern, die Stefansson und seine Bande erbeutet haben sollen, fehlt nach wie vor jede Spur. Sie wurden aus Datenzentren in Reykjanesbær, nahe des Flughafens in Reykjavik, und Borgarnes an der isländischen Westküste gestohlen. Die Eigentümer der Computer haben einen Finderlohn in Höhe von 48.000 Euro für Hinweise ausgeschrieben, die die Polizei zu den verschollenen Rechnern führen.

Die isländische Polizei indes versucht den Computern mit eher ungewöhnlichen Methoden auf die Spur zu kommen: Sie beobachtet das isländische Stromnetz. Denn da Bitcoin-Mining sehr viel Energie verbraucht, hoffen die Polizisten, auf verdächtige Bewegungen im Stromverbrauch aufmerksam zu werden, falls die gestohlenen Server eingesetzt werden. Die Behörden baten im März isländische Internetanbieter, Stromanbieter und Lagerhallenbetreiber um Mithilfe. Sie sollen alle ungewöhnlichen Ereignisse melden, die mit derEnergieversorgung zu tun haben.

Im vergangenen Jahr hat sich Island zu einer Art Hotspot für das Minen von Kryptowährungen entwickelt. Dank günstiger erneuerbarer Energie und den kühlen Temperaturen herrschen die idealen Voraussetzungen für große Mining-Anlagen.

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