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Die "Badass Army" kämpft gegen geleakte Nacktbilder und Rachepornos

Lange konnten sich Täter, die Nacktbilder anonym leaken, in relativer Sicherheit wiegen. Die Badass Army kämpft mit handfesten Tipps, Aktionen und Anwälten dagegen an – und fluten zum Schutz der Opfer berüchtigte Foren mit Spam.

von Joseph Cox; Übersetzt von Sandra Sauerteig
23 April 2018, 12:18pm

Bild: Shutterstock |  Andrea Kovacevic 

Der Kampf gegen Rachepornos und geleakte Nackbilder ist für die Opfer oft sehr frustrierend. Die Täter laden die Aufnahmen meist anonym hoch und müssen sich vor juristischen Konsequenzen kaum fürchten. Die Aktivistengruppe Badass Army möchte das jetzt ändern.

Die Gründerin Katelyn Bowden wollte sich wehren, nachdem ihre Nacktbilder im vergangenen Jahr im Netz landeten – und sie wollte anderen Frauen in derselben Situation helfen. Inzwischen hat die Badass Army mehrere hundert Mitglieder, die meist selbst Opfer von Rachepornos wurden. Sie unterstützen andere Frauen dabei, ihre Accounts zu schützen und juristische Anfragen zu verschicken. Manchmal stören sie auch bekannte Revenge-Porn-Foren, indem sie sie mit eigenen, harmlosen Bilder zuspammen – so rutschen illegal geteilte Nacktbilder in den Threads weiter nach unten. Denn für die Opfer ist es eine traumatische Erfahrung, dass unzählige Unbekannte ihre Aufnahmen im Netz sehen können – durch die Aktionen der Badass Army werden die Bilder zumindest seltener sichtbar.

"Wir helfen Menschen, die über keine großen technischen Skills verfügen, etwas zu tun. Das fühlt sich gut an", sagte Badass-Gründerin Katelyn Bowden gegenüber Motherboard. Badass ist die Abkürzung für Battling Against Demeaning & Abusive Selfie Sharing.

Die Badass-Gründerin entdeckte ihre Bilder auf Anon-IB

Im April 2017 entdeckte Bowden, dass Bilder von ihr auf Anon-IB kursierten, einer Seite, auf der gehackte Nacktbilder wie Panini-Sticker getauscht und gesammelt werden. Das Forum wird jeden Monat von über zwei Millionen Nutzern aus aller Welt aufgerufen, die Threads sind nach Ländern, Städten oder auch Universitäten unterteilt. Auch tausende Deutsche posten auf der Seite, die womöglich weniger sicher ist, als die Täter vermuten – denn durch ein Datenleck der Seite wurden IP-Adressen der Nutzer auch Journalisten zugespielt.

Zuerst wusste Bowden nicht, was sie nach dem Leak tun sollte. Glücklicherweise hatte sie IT-Profis im Freundeskreis, die ihr halfen, die Bilder entfernen zu lassen. Doch die Aufnahmen tauchten bald wieder an anderer Stelle auf – ein typisches Problem bei Nacktbild-Leaks. Außerdem entdeckte Bowden in den Threads Bilder von anderen Frauen, die sie kannte. Sie suchte Kontakt zu den Opfern. Ihre Überlegung: Je mehr Frauen darüber Bescheid wissen, desto eher können wir uns effektiv wehren. Schnell schlossen sich immer mehr Frauen dem Projekt an, bei seinem Start im August 2017 waren es bereits 50, heute sind es mehrere Hundert.


Auf Broadly: Der qualvolle Kampf gegen Rachepornos


Starke Passwörter, keine iCloud – diese Tipps kann jeder umsetzen

Rachel war eine der ersten Frauen, der die Badass Army helfen konnte. Bowden kontaktierte Rachel, die hier nur mit ihrem Vornamen genannt werden möchte, im November 2017, um ihr zu sagen, dass Bilder von ihr auf der Gaming-Chat-Plattform Discord geteilt wurden. Das war für Rachel keine bahnbrechende Neuigkeit, denn sie hatte bereits seit Jahren damit zu kämpfen, dass immer wieder Bilder von ihr im Netz auftauchten. Doch durch die Badass Army erhielt sie zum ersten Mal die Möglichkeit, etwas dagegen zu unternehmen.

"Katelyn war in all den Jahren die Erste, die zu mir sagte: So kannst du dich dagegen wehren'", sagte Rachel gegenüber Motherboard.

Die wichtigsten Tipps der Badass Army sind grundlegende Hinweise zu besseren digitalen Sicherheitsmaßnahmen: stärkere Passwörter verwenden, Bilder nicht in der iCloud speichern, weil Dritte leichter darauf zugreifen könnten oder sich auf Facebook einen zweiten Account zuzulegen. Außerdem setzen sie sich in den USA für Gesetze ein, die Rachepornos verbieten, und dafür, juristische Prozesse zu vereinheitlichen, um Bilder schneller entfernen zu lassen.

"Für das, was wir den Frauen beibringen, würde ein Anwalt 500 Dollar verlangen", sagte Bowden. Inzwischen arbeiten auch einige Anwälte mit der Badass Army zusammen, die nur ein Honorar nehmen, wenn das Verfahren erfolgreich war.

Identifizierte Täter landen auf einer Liste

Manchmal gelingt es Badass auch, Leute, die Rachepornos hochladen, zu identifizieren. Dazu benutzen sie beispielsweise ein Grabber-Tool, das die IP-Adresse von Nutzern erkennt. Bowden sagt, dass sie auf diese Weise bereits um die 150 Leute demaskieren konnte. In einigen Fällen gibt die Gruppe die Namen der Täter an die Polizei oder Anwälte weiter. Außerdem notieren sie die Namen auf einer Liste.

"Wir möchten diese Liste irgendwann veröffentlichen. Wir überlegen nur noch, wie wir das machen, ohne Selbstjustiz und Chaos zu erzeugen", sagte Bowden. Der norwegische Hacker Einar Otto Stangvik, der auch die Sicherheitslücke bei Anon-IB entdeckte, unterstützt die Badass Army.

Kelsey Bressler, Mitglied und Webentwicklerin der Badass Army, sagte gegenüber Motherboard: "Als ich merkte, dass meine Fotos online waren, war ich wütend und wollte zurückschlagen. Ich wollte anderen in meiner Situation helfen, aber wusste nicht wie. Durch Badass kann ich diese Wut in den Kampf für Gerechtigkeit umwandeln und anderen Opfern helfen."

"Meine Bilder sind inzwischen nicht mehr im Netz und der Täter wird im Gefängnis landen", fügte sie hinzu.

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