Kultur

Feminismus, Hollywood und nukleare Katastrophen: Im Gespräch mit Elisabeth Moss

Als Peggy wurde sie bei "Mad Men" zum feministischen Meme. Für ihre Rolle in "The Handmaid's Tale" könnte die Schauspielerin endgültig zur Ikone aufsteigen.
27.4.17
Photo by Ray Tamarra/GC Images

Das BuchThe Handmaid's Tale, zu deutsch Der Report der Magd, erschien 1985. Trotzdem fühlten sich viele Trump-Anhänger irritierend angesprochen, als der erste Trailer zur Serienadaption vor kurzem Premiere feierte. Auch über 30 Jahre später hat Margaret Atwoods Meisterwerk nämlich nicht an Aktualität verloren. Der Roman erzählt die Geschichte von Offred, einer Mutter in ihren Dreißigern, die infolge einer nuklearen Katastrophe ihren Namen, ihre Kinder und ihre Freiheit durch ein dystopisches Bevölkerungsprogramm verliert. Schließlich beschließt sie, auszubrechen und Widerstand zu leisten.

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Zahlreiche Schilder auf dem Women's March in Washington zierten Leitsätze der Ich-Erzählerin aus Atwoods Roman. Im Februar schaffte es Der Report der Magd sogar unter die Bestseller von Amazon. Vielleicht ist die Geschichte heutzutage wichtiger, als je zuvor.

In der neuen Serienadaption von Hulu wird die Heldin und Erzählerin von Elisabeth Moss gespielt. Die Schauspielerin dürfte vielen vor allem als Peggy aus Mad Men bekannt sein. Ihre Figur kämpfte sich als einzige Frau in einer Werbeagentur der 60er nach oben und schaffte es damit zum emanzipatorischen Meme. Grund genug, mit Moss über die Interpretation ihrer neuen Rolle, eines der wichtigsten feministischen Werke der Literaturgeschichte und ihr Abendessen mit Margaret Atwood zu unterhalten.

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Broadly: Hast du dich vor dem Dreh mit Margaret Atwood unterhalten?
Elisabeth Moss: Ich habe mich während den Dreharbeiten an der Serie mehr mit ihr unterhalten. Zuvor habe ich sie nur mal bei einem Abendessen mit den Machern und einigen anderen Schauspielern kennengelernt. Ich saß gegenüber von ihr, weil mich Samira Wiley gezwungen hat. Ich hatte allerdings den ganzen Abend über Schwierigkeiten, sie zu verstehen, weil es in dem Restaurant so laut war und Margaret nicht besonders laut spricht. Ich war nur damit beschäftigt, möglichst jedes Wort zu verstehen und irgendwelche Fragen zu stellen, die sie mit Sicherheit schon tausendmal gehört hat. Das Beste, was ich von diesem Abend mitgenommen habe, war ihr Buch. Wenn ich verstehen wollte, wie sich meine Rolle fühlt, musste ich nur das Buch aufschlagen.

Warum ist die Geschichte deiner Ansicht nach noch immer so erfolgreich?
Es ist etwas albern, aber ich habe Margaret die Frage gestellt: "Meinst du, dass du die Zukunft voraussehen konntest?" Sie hat mir dieselbe Antwort gegeben, die man auch oft in den Medien liest: "Ich habe in meinem Buch nur beschrieben, was ich damals beobachten konnte oder im Verlauf der Geschichte bereits passiert ist." Das ist auch der Grund, warum ihr Buch nach wie vor so aktuell ist. Es geht um einen Menschen, der alles verliert und einfach versucht, zu überleben. Damit können sich die Menschen identifizieren. Denn das Leben kann ziemlich schwer sein und birgt nunmal die eigenartigsten Schicksalsschläge. Trotzdem versucht man weiterzumachen und am Leben zu bleiben. Und genau darum geht es auch in der Geschichte von Offred.


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Was sagst du zu den Memes von Peggy Olson aus der letzten Staffel von Mad Men?
Ich finde das alles sehr aufregend und auch irgendwie schmeichelhaft. Das hätte ich nicht erwartet, als wir die Szene gedreht haben. Ich habe einfach nur versucht, in meiner Rolle zu bleiben und mit der Zigarette im Mund so lässig wie möglich auszusehen. Dass Frauen damit zum Ausdruck bringen können, wie sie über ihre eigenen Leistungen und ihr Selbstvertrauen denken, finde ich wunderbar. Das macht mich ziemlich stolz.

Du kommst aus Los Angeles. Wie war es, im berühmten Valley von Los Angeles aufzuwachsen?
Ich habe die ersten fünf oder sechs Jahre im Valley verbracht. Danach habe ich dreizehn Jahre lang in Laurel Canyon gelebt, also in dem Stadtteil zwischen dem Valley und Hollywood. Es war schön in Laurel Canyon aufzuwachsen. Es hat sich nicht angefühlt, als wäre man in LA, beziehungsweise Hollywood. Ich muss oft über Freunde lachen, die in der Gegend wandern gehen. Wir mussten damals noch jeden Tag über den Hügel laufen. Mittlerweile fahren die Leute dafür extra mit dem Auto nach Laurel Canyon. Wir hatten damals kein schickes Haus und auch keine besonders schicke Nachbarschaft. Wir hatten nur Hunde und einen kleinen Garten. Wir hatten nichts mit dem Leben in Hollywood am Hut. Wie ich dann später erfahren habe, gab es sogar einen Film namens Laurel Canyon. Von alledem wusste ich damals aber noch nichts. Ich wusste nicht, dass es in Laurel Canyon eine Musikerszene und Hippies gab.

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Wie hast du dich auf deine neue Rolle vorbereitet?
Ich habe zunächst mal Musik gehört und habe mir eine Playlist zu meiner Rolle erstellt. Anschließend bin ich das Drehbuch so oft wie möglich durchgegangen. Wenn ich mal unsicher war, habe ich das Buch zur Hand genommen und mir einige Sätze darin markiert – ganz streber- und schauspielerhaft.

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Welche Rollen würdest du in Zukunft gerne spielen?
Ich finde es schön, dass Frauen Vorbilder sein können, obwohl sie Fehler haben und verwundbar sind. Im Moment arbeite ich deswegen an verschiedenen neuen Projekten, in denen es immer um starke und komplizierte Frauen geht.

Fällt es dir manchmal schwer, deine Rolle abzulegen, wenn du nach dem Dreh nach Hause gehst?
Was das angeht, gehe ich ziemlich routiniert vor. Meine Leistung lässt nach, wenn ich zu ernst werde – aber dagegen hilft die Abwechslung. Ich war schon immer so, dass ich im einen Moment in einer Szene weinen sollte und schon im nächsten Moment wieder Witze gerissen habe. Das tut mir gut. Es hilft mir, Gefühle schneller abrufen zu können. Ich kann nicht lange in einer Emotion stecken bleiben. Ich muss meine Stimmung ändern können, um schnell reagieren und mich treiben lassen zu können. Manchmal kommt es so vor, dass ich eine sehr emotionale Szene drehe und irgendetwas passiert, wodurch sich meine komplette Rolle verändert. In der Regel mag ich schwere Themen. Alles andere würde mich nur langweilen.

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