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frag eine hure

Eine Sexarbeiterin erklärt, wie du zur Sexting-Expertin wirst

Unsere Sexexpertin Lydia erklärt heute, wie ein perfektes Nackt-Selfie aussieht, wie man eine erfolgreiche offene Beziehung führt und ob zwei Doms miteinander glücklich werden können.

von Lydia Faithfull
07 Oktober 2016, 7:46am

Image by Jovo Jovanovic via Stocksy

Lydia Faithfull arbeitet als Sexarbeiterin im Love-Ranch-Bordell in Nevada. Sie ist auf gute Gespräche und die Dominierung und Erniedrigung von Männern spezialisiert, küsst aber niemanden für Geld. In der Kolumne „Frag eine Hure" beantwortet sie regelmäßig intime Leserbriefe.

Liebe Lydia,

es gibt da diesen Typen, auf den ich total stehe. Wir schreiben uns immer Nachrichten hin und her und es wurde zum Teil auch schon ein wenig sexy—aber auch nur ein bisschen. Wie kann ich das Ganze auf die nächste Stufe heben? Wie mache ich ein Nacktselfie von mir, auf dem ich wie eine wunderschöne, makellose Photoshopversion von mir aussehe, ohne es zu offensichtlich nach einer Photoshopversion von mir aussehen zu lassen? Männer scheinen es da immer leichter zu haben, weil sie einfach nur einen Steifen kriegen und dann ein Foto von ihrem Penis machen müssen—aber was für ein Foto soll man als Frau verschicken?

Männer haben es leicht, weil Frauen diese ganzen unkreativen Dick Pics tolerieren. Was mich am meisten daran stört, ist ihr nicht vorhandenes Gespür für Selbstinszenierung. Frauen verbringen vorab unglaublich viel Zeit mit ihren Haaren und ihrem Make-up, versuchen, das schmeichelhafteste Licht zu finden und verrenken ihren Körper bis zur Perfektion. Wir fotografieren uns aus tausend verschiedenen Winkeln und nehmen anschließend jedes einzelne ganz genau unter die Lupe, damit uns auch kein einziger Makel entgeht. Männer ziehen sich einfach die Hose runter, werden hart und drücken ab.

Wenn sie eine Frau nach einem Selfie fragen, dann bitten sie sie im Prinzip dreißig Minuten lang, in Selbsthass zu baden. Damit sollte Schluss sein. Man sollte niemals ein Selfie von sich verschicken, nur weil man sich dazu verpflichtet fühlt. Wir sollten die Hölle über jeden Mann hereinbrechen lassen, der versucht, unsere Zuneigung zu seinem Vorteil auszunutzen. In meinen Tinder-Zeiten habe ich auf solche Nachfragen immer mit dem Bild von einem Schild geantwortet, auf dem stand: „Dieser DJ nimmt keine Musikwünsche an." Außerdem habe ich den Trottel sofort unmatched.

Mehr lesen: Wie du dein Gehirn überlistest, um Sex zu haben, ohne Gefühle zu entwickeln

Wenn ich ein Selfie von mir mache, deute ich gerne an, dass ich nackt bin, zeige aber niemals Gesicht und Körper gleichzeitig—nicht, weil ich Angst davor habe, erkannt zu werden. Ich habe nur eine Abneigung gegen Fotos, die zu vulgär wirken. Es hat auch nichts Verführerisches oder Mysteriöses mehr, wenn man alles zeigt. Man sollte sich ein gewisses Geheimnis bewahren.

Photoshop eignet sich für kleine Korrekturen, aber ich finde, du solltest viel lieber herausfinden, was deine Schokoladenseite ist. Meiner Erfahrung nach sieht im Wasser und in natürlichem Sonnenlicht einfach jeder Mensch makellos aus. Neonlicht ist dagegen ein Kampf, den ich niemals gewinnen werde—aber wenn du 22 bist und noch nie in deinem Leben eine einzige Zigarette geraucht hast, kannst du dein Glück ja gerne mal versuchen!

Einen Mann in deinen Bann zu ziehen, ist nicht schwer, wenn du ernst meinst, was du sagst.

Beim Sexting und mit Nackt-Selfies solltest du immer ganz genau kommunizieren, worauf du hinaus willst. Mach diesem Mann ganz genau klar, wie du dich mit ihm fühlst und was du gerne mit ihm anstellen würdest. Ein Beispiel: Du sitzt allein zuhause und schaust Netflix, aber du würdest lieber auf seinem Schoß sitzen und ihn durch seine Jeans spüren. Male ihm ein Bild mit Worten und unterstreich das Ganze durch ein mysteriöses Selfie von dir. Mach ihn buchstäblich nackig. Einen Mann in deinen Bann zu ziehen, ist nicht schwer, wenn du ernst meinst, was du sagst.

Foto: Lydia Faithfull

Liebe Lydia,

mein Freund und ich sind seit einigen Jahren zusammen und ich möchte eine offene Beziehung mit ihm führen. Kann unsere Beziehung das schaffen? Wäre es das Risiko überhaupt wert oder ist das Ganze doch wieder nur so ein Trend, den 2017 alle bereuen, wenn Monogamie wieder hip ist?

Was in Zukunft sein wird, kann man nicht vorhersehen. Ich stand erst vor Kurzem auf der anderen Seite einer offenen Beziehung. Letztendlich habe ich Gefühle für einen Mann entwickelt, der offiziell vergeben, aber doch irgendwie verfügbar war. Unsere Abmachung war nicht besonders erstrebenswert für mich und ich hatte mir so etwas persönlich auch nie ausgemalt, aber daran war nicht viel zu rütteln. Das alles hat schon bald dazu geführt, dass Gefühle verletzt wurden—weil wir nicht genug miteinander kommuniziert haben, aber auch weil wir es versäumt haben, über unsere persönlichen Grenzen zu sprechen. Das ist eine verzwickte Situation und man muss akzeptieren, dass man solche Fehler mit der Zeit immer wieder machen wird—und trotzdem stehen wir jetzt hier. Es ist nicht zu leugnen, dass wir verknallt sind und dennoch ziehen wir bewusst weiter.

Bist du bereit, dich mit solchen verletzten Gefühlen auseinanderzusetzen und Exklusivität gegen eine Art ausgehandelte Demokratie einzutauschen? Bist du dir bewusst, wie frustrierend und zeitaufwendig das Ganze werden kann und wie viel Feingefühl eine solche Situation von allen Beteiligten verlangt?

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Ich frage mich, was dich dazu bewegt hat, überhaupt darüber nachzudenken, ein solches Risiko in Kauf zu nehmen. Hast du jemanden kennengelernt oder bist du fremdgegangen? Bist du unzufrieden mit eurem Sexleben? Bist du auf der Suche nach Bestätigung oder Zuneigung? Vielleicht bist du ja auch an einem anderen Geschlecht interessiert? Ich möchte, dass du über das Warum nachdenkst, bevor du über das Wie nachdenkst. Wenn du mit deinem Partner nicht mehr glücklich bist, schlag ihm bitte keine offene Beziehung vor, nur weil du dir unsicher bist, wie du das Ganze beenden sollst. Wenn es keine Entscheidung ist, die ihr zusammen getroffen habt, dann wäre das ziemlich egoistisch. Nehmen wir aber mal an, ihr habt darüber bereits ausgiebig gesprochen und ihr fühlt euch in eurer Beziehung sicher genug, es tatsächlich zu versuchen. In diesem Fall würde ich euch dringend dazu raten, gemeinsam aufzuschreiben, wovor ihr Angst habt und wo eure Grenzen liegen. Was sind die Deal Breaker? Wie garantiert ihr eure sexuelle Sicherheit? Könnt ihr ein Veto einlegen, wenn sich einer von euch emotional bedroht fühlt? Ihr solltet auch darüber sprechen, wie die ideale Situation für euch aussehen würde und sicherstellen, dass ihr auf dasselbe Ziel hinarbeitet. Idealerweise sollte es eure Beziehung bereichern, wenn ihre andere Leute mit einbezieht und nicht zerstören, was ihr bereits habt.

Wie eure sexuelle Beziehung begonnen hat, ist ein wichtiger Anhaltspunkt, der euch unter Umständen zeigt, was euch bevorsteht. Wenn eure Beziehung mit einer gewissen Abenteuerlust begonnen hat und ihr bereits mit Dritten experimentiert habt, dann habe ich ein gutes Gefühl bei der Sache und denke, dass ihr es tatsächlich schaffen könntet.

Liebe Lydia,

ich habe vor Kurzem einen Mann kennengelernt und wir hatten auch schon ein paar Mal Sex. Er ist ein Dom, genau wie ich. Der Sex war bisher nicht so toll, weil ich meisten den Sub spiele und ihn den Dom sein lasse. Ich habe Angst davor, ihn zu verlieren, wenn er nicht darauf steht, die Rollen zu tauschen. Ist es möglich, dass zwei Doms eine erfolgreiche Beziehung führen? Was ist mit zwei Subs? Was sollen wir tun?

Liebes, du hast erst ein paar Mal mit diesem Typen geschlafen, also zerbrich dir deswegen nicht zu sehr den Kopf. Was mir mehr Sorgen macht, ist, dass du ziemlich große Abstriche für jemanden machst, den du gerade erst kennengelernt hast. Du bist ein gefährliches Beispiel für ziemlich unbefriedigenden Sex—so hört es sich zumindest an.

Wenn der Sex schrecklich ist, warum solltest du dann noch mehr deiner kostbaren Zeit für diese Beziehung opfern?

Obwohl ich mein Geld als professionelle Domina verdiene, spielen Machtdynamiken in meinen Liebesbeziehungen nur selten eine Rolle. Ich kenne meine sexuellen Bedürfnisse und das hat nichts mit Autorität zu tun. Es gibt Dinge, die ich vehement ablehne und Dinge, ohne die ich nicht leben könnte. In der Vergangenheit hatte ich auch bereits Partner, die meinen Enthusiasmus für bestimmte sexuelle Vorlieben nicht teilen konnten und dauerhaft unzufrieden waren. Das könnte ich mir heute nicht mehr vorstellen. Da mag seltsam klingen, aber obwohl ich ein echter Sadist bin, fühle ich mich von unterwürfigen Männern überhaupt nicht angezogen. Es ist sehr viel befriedigender, mit einem durchsetzungsfähigen Mann zusammen zu sein, den ich attraktiv finde und sich dafür die Machtdynamik zu sparen. Meine Sessions als professionelle Domina sind dagegen ein gesundes Ventil für meinen sexuellen Sadismus.

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Das bringt mich zu meiner Empfehlung in Bezug auf Domme/Dom- (oder Domme/Domme, Dom/Dom) und Sub/Sub-Beziehungen. Wenn sich keiner von beiden wohl dabei fühlt, die Rollen zu tauschen, warum besucht ihr dann nicht gemeinsam als Paar ein Dungeon? Viele Dungeons beschäftigen neben Herrinnen und Meistern auch professionelle Subs und Switches. Es muss noch nicht einmal ein Dungeon sein. Ihr könntet zusammen zu einem BDSM-Treffen oder irgendeinem anderen Event gehen und euch eine interessante dritte Person suchen, die ihr mit ins Boot holen könnt.

Auch auf das Risiko hin, dass ich klinge, als wollte ich böse Geister herauf beschwören, aber vielleicht sind du und dein Freund auch einfach sexuell inkompatibel. Besser ihr gesteht euch das jetzt ein, bevor ihr Gefühle entwickelt. Genau aus diesem Grund bin ich auch ein großer Befürworter von Sex beim ersten Date. Wenn der Sex schrecklich ist, warum solltest du dann noch mehr deiner kostbaren Zeit für diese Beziehung opfern?


Foto: Mario Antonio Pena Zapatería | Flickr | CC BY-SA 2.0