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Dieses Rohr speit nach zwei Jahren immer noch Blut und Viren ins Meer

Neue Aufnahmen von dem Abwasserrohr einer Fischfarm zeigen, dass dort weiterhin Fischabfälle ungefiltert in den Pazifik geballert werden.
20.12.19
Tavish Campbell taucht neben dem Rohr, aus dem Fischabfälle kommen
Tavish Campbell neben dem Abwasserrohr der Fischfabrik | Foto mit freundlicher Genehmigung von Campbell

Erinnerst du dich noch an das Blutrohr? Neue Aufnahmen zeigen, dass es fröhlich weiterpumpt, zwei Jahre nachdem das Rohr bekannt geworden ist und im Netz eine Schockwelle ausgelöst hat.

Im Herbst 2017 war Fotograf Tavish Campbell vor Vancouver Island auf den Grund der Seestraße Discovery Passage getaucht. Dort an der kanadischen Pazifikküste vermutete er das Abwasserrohr der nahegelegenen Fischfabrik Brown's Bay Packing, die Atlantische Lachse aus Fischfarmen verarbeitet. Durch diese Gegend ziehen auch wilde Rotlachse, besser bekannt als Sockeye-Wildlachs aus dem Supermarktregal.

sockeye salmon

Foto mit freundlicher Genehmigung von Tavish Campbell

Was er dort sah, war alles andere als normal. Das Rohr pumpte eine rote Wolke aus Innereien, Blut und Schuppen ins Wasser. Als er eine Probe zur Analyse an das Atlantic Veterinary College auf Prince Edward Island schickte, fand man darin Darmwürmer und den Piscine Reovirus, der zwar als ungefährlich für den Menschen gilt, aber bis zu 20 Prozent einer infizierten Fischpopulation töten kann.

Nachdem Campbell 2017 seine Aufnahmen veröffentlicht hatte, verkündete der damalige Fischereiminister Dominic LeBlanc, dass die Betriebe mehr zum Schutz der Wildlachse unternehmen müssten. Aquakulturfirmen sollten regelmäßige Tests auf den Reovirus durchführen müssen. Die Dinge schienen sich zu bessern.


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Als Campbell dann allerdings über ein Jahr später wieder an der gleichen Stelle tauchte, viermal zwischen Oktober und November, pumpte durch das Rohr noch immer ungestört eine Blutfontäne mit Fischabfällen und Krankheitserregern ins Wasser.

"Es war bedrückend, das Blut immer noch austreten zu sehen", sagte Campbell zu VICE. "An die Stelle der Enttäuschung trat dann aber bald die Angst um unsere Wildlachse und die Küstengewässer British Columbias."

2019 erlebte der kanadische Bundesstaat an der Pazifikküste die schlechteste Lachsrückkehr seit Beginn der Aufzeichnungen. Zum Laichen kehren die Fische zu ihrem Geburtsort im Süßwasser zurück. Anfang des Jahres war man noch von etwa fünf Millionen Tieren ausgegangen, am Ende musste die Zahl auf nur knapp über 600.000 korrigiert werden.

Der amtierende Fischereiminister Jonathan Wilkinson sagte in einer Pressekonferenz im August, es sei "keine Frage", dass der Klimawandel die Schuld an diesem Rückgang trägt. Nicht nur die Umwelt, sondern auch die Wirtschaft sei betroffen. Rohre, die hektoliterweise infizierte Fischabfälle in die Gewässer pumpen, durch die Wildlachse ziehen, dürften auch wenig zur Besserung der Situation beitragen. Studien zeigen, dass das Virus hochansteckend und verheerend für Fischpopulationen sein kann.

Brown's Bay Packings geschäftsführender Teilhaber, David Stover, sagte zu CTV News, dass das Unternehmen kurz davor sei, eine neue, rund eine Million Euro teure Filteranlage in Betrieb zu nehmen. Diese enthalte auch eine spezielle Desinfektionskomponente. "Auch wenn wir nicht auf den Reovirus testen, sind wir überzeugt, dass der Prozess Bakterien und Viren töten wird", so Stover.

Fotograf Campbell sagte, dass die Fischverarbeitungsfabrik kontinuierlich in Betrieb gewesen sei und zumindest dann Blut ins Meer spuckt, wenn die Arbeiter drinnen Fische zerlegen und reinigen.

"2019 war die schlechteste Rotlachs-Rückkehr in der kanadischen Geschichte", sagte Campbell. "So sieht es aus, wenn eine Tierart ausstirbt, und es geschieht direkt vor unserer Nase."

Das Unternehmen wehrte sich kurz nach Campbells zweiter Veröffentlichung in diesem Dezember vehement gegen die Vorwürfe und veröffentlichte ein Video, in dem es das neue Filtersystem vorstellt. Die Abwässer der Fabrik scheinen tatsächlich nicht länger blutrot, sondern gelblich-klar zu sein – oder wie der Sprecher im Video sagt: "Wie Limonade".

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