Persönlichkeitstest

Forscher haben vier Facebook-Typen ermittelt: Welcher bist du?

Eine neue Studie zeigt: Fast jeder gehört zu einem von nur vier Typen, deren Nutzerverhalten unterschiedlicher nicht sein könnte.

von Juliane Görsch
21 Juli 2017, 9:24am

Bild: Nate Edwards | BYU Photo

Schießt du Fotos von dir mit albernen Hasenfiltern? Stalkst du heimlich die Profile verflossener Liebschaften oder spammst du die Timelines deiner Freunde mit Veganer-Links? Eine neue Studie hat herausgefunden, dass sich jeder Mensch hauptsächlich in einem von nur vier unterschiedlichen Verhaltenstypen wiederfindet, wenn er sich bei Facebook einloggt.

In der Studie mit dem jugendlich schmissigen Namen I <3 FB der Brigham Young University in Utah gingen die Forscher der Frage auf den Grund, warum wir Facebook so sehr lieben. Allein in Deutschland loggen sich täglich 23 Millionen Menschen ein – mehr als bei jedem anderen Sozialen Netzwerk. Im Monat sind es sogar 30 Millionen. Onkel, Tanten, entfernte Cousinen, alte Sandkastenkameraden und Party-Bekanntschafen von vor fünf Jahren tummeln sich in den Freundeslisten eines jeden Nutzers.

Folgt Motherboard auf Facebook, Instagram, Snapchat und Twitter

Die Gretchenfrage lautet: Wie halten es all die User mit ihrer Timelime? Um der Antwort auf den Grund zu gehen, musste eine besondere Methode her – die Motivationen und Gründe für die Nutzung von Facebook können schließlich sehr unterschiedlich sein. Als wissenschaftliches Werkzeug wurde daher die Q-Methode gewählt, mit der auch komplizierte Fragen nach subjektiver Wahrnehmung und individuellen Einstellungen beantwortet werden können. Das Gute daran: Man braucht dazu keine große Masse an Leuten.

Jeder lässt sich einem von vier Facebook-Typen zurechnen

47 Teilnehmer (16 Männer und 28 Frauen), ein standardisierter Fragebogen und persönliche Interviews reichten, um eine Reihe von gleichgesinnten Facebook-Typen ausfindig zu machen. "Diese Methode begrenzt die Zahl der nötigen Teilnehmer. Wir hätten nicht 200 Teilnehmer auf einmal interviewen können", erklärt Ko-Autor Kris Boyle die Q-Methode gegenüber Motherboard. "Wenn wir die Studie noch einmal mit 47 anderen Teilnehmer durchführen würden, kämen wir auf die vier selben dominanten Kategorien."

Die Grundlage für den Fragebogen basierte auf 48 Aussagen aus Wissenschaftsjournalen, Zeitschriftenartikeln, Blogs, Chaträumen und Kommentarspalten. Dort hatten die Autoren der Studie Tom Robinson, Kris Boyle und Clark Callaham, mögliche Gründe für die Nutzung von Facebook zusammengetragen. Darunter finden sich so unterschiedliche Aussagen wie "Ich kann auf Facebook einfach auf das Profil meines Schwarms gehen, um Interessen zu erfahren" oder "Ich mag, dass Facebook mir zeigt, wie sich die Welt entwickelt".

Die Teilnehmer sollten dann den Aussagen in diesem Katalog auf einer Skala entweder zustimmen oder widersprechen. Dabei kristallisierten sich vier unterschiedliche Typen heraus: Selfie-Schießer, Marktschreier, Schaufensterglotzer und Beziehungspfleger - deren ausführlichere Charakterisierung wir euch nicht vorenthalten wollen.

Typ Beziehungspfleger – Content ist Liebe

Der Beziehungspfleger will über das Netzwerk Beziehungen zu Familie, Freunden und Bekannten aufrecht erhalten. Dazu teilt, postet und schreibt er sich die Seele aus dem Leib. Es ist die Art von Person, die sich tatsächlich an Orten "eincheckt", um Freunden zu zeigen, wo in der Stadt man sich denn nun gerade befindet.

"Lecker Burger zum Mittag","Hier die Bilder vom Wandern auf den Lofoten" und "Bei diesem Link musste ich an dich denken" könnten typische Posts des Beziehungspflegers sein. Aussagen, denen dieser Typ im Fragebogen besonders stark zugestimmt hat, waren "Facebook ermöglicht es mir, schnell nach Hilfe zu fragen" und "Facebook ist eine gute Möglichkeit, mit Freunden und Familie zu schreiben, die weiter weg wohnen".

Diese User sehen Facebook nicht als öffentliches Forum, sondern als privaten Raum, in dem sie sich mit Freunden austauschen können – auch wenn alle anderen ebenfalls sehen, für welches Event sich die Person heute wieder interessiert.

Typ Marktschreier – Schuld an den ausartenden Diskussionen

Für den Marktschreier ist keine politische oder gesellschaftliche Meinungen zu krass, um sie nicht seinen Facebook-Freunden mitzuteilen. Dieser Typ sucht dabei aber nicht unbedingt einen Dialog (der aber meistens trotzdem von ganz alleine entsteht). Die Beziehungspflege wiederum ist ihm im Vergleich zu Typ 1 egal – was zählt ist die Übermittlung von Informationen und Meinungen an ein möglichst großes Publikum.

Mit Freunden und Familie bleibt der Marktschreier dafür über Messenger in Kontakt. Er würde sich lieber die Finger abschlagen, als einen lieben Gruß mit Herz-Emojis auf einer Pinnwand zu hinterlassen. Nicht, weil er ein kalter Fisch ist, sondern weil Facebook für ihn keine Plattform für persönliche Dialoge ist.


Auf Broadly: Tschüss, Tinder – Wie man eine feministische Dating-App entwickelt


Wenn eine Timeline mit einer Diskussion über die Legalisierung von Marihuana oder Massentierhaltung explodiert, steckt dahinter meistens ein Marktschreier. Für ihn selbst ist Facebook eher eine Art Feedreader. Ein Studienteilnehmer beispielsweise charakterisierte seine Nutzung folgendermaßen: "Facebook eignet sich als cooles Mittel, um Nachrichtenartikel und Nachrichtenvideos zu teilen. Ich bleibe dadurch auf dem neuesten Stand, was in der Welt passiert, was die öffentliche Meinung ist und wie sie sich verändert."

Like for Like aka. der Selfie-Perfektionist – "Das hier ist kein Tagebuch, sondern ein öffentlicher Ort"

Likes, Shares und Kommentare sind alles für Selfie-Typen. Diese Gattung Facebook-User gibt auch ganz offen zu, dass sie Facebook allein zum Stillen ihres Bedürfnisses nach Aufmerksamkeit nutzt, wie die Forscher in ihrer aktuellen Studie feststellen durften.

Sieht ein Selfie, Urlaubsfoto oder Video vielleicht etwas zu perfekt aus? Scheint ihr Leben immer aufregend und abwechslungsreich? Dann steckt dahinter womöglich eine Menge Arbeit. Selfie-Typen fühlen sich durch Likes und Kommentare extrem aufgewertet und in ihrem Selbstbewusstsein gestärkt. Deswegen kreieren sie eine Online-Persona, die genau die gewünschte Reaktion erzielen kann. Im Unterschied zum Beziehungspfleger verteilt dieser Typ Likes nicht als eine Art seine Zuneigung auszudrücken, sondern um selbst Likes zurückzubekommen.

Die Selbstauskünfte aus den Forscherinterviews machen das eindrucksvoll deutlich: "Je mehr Menschen meinen Post sehen oder liken, desto mehr habe ich das Gefühl, dass ich ihnen wichtig bin" oder: "Für mich ist es wie ein Fotoalbum, eine Chronik davon, was ich erlebt haben. Es ist kein Tagebuch, sondern ein öffentlicher Ort, an dem ich mein Leben dokumentieren kann."

Typ Schaufensterglotzer – Selber posten? Ungern. Stalken und Konsumieren: Ja

Dann gibt es da noch eine Gattung, die eine gemütlichere, passivere Gangart pflegt: Ihre Profilbilder werden vielleicht sogar immer noch vom Standard-Icon geschmückt, ihr Name könnte ein Anagramm ihres echten Namens sein. Sie stehen etwas abseits und beobachten Facebook aus der Ferne – gleichermaßen skeptisch wie fasziniert.

"Ich liebe es, Leute auf FB zu stalken. Wenn jemand einen Namen erwähnt, suche ich ihn auf Facebook, um einen ersten Eindruck zu bekommen", gab beispielsweise ein Teilnehmer der Studie zu Protokoll, den die Forscher in diese Gruppe klassifizierten. Der Schaufensterglotzer fühlen eine gewisse gesellschaftliche Verpflichtung auf Facebook zu sein, teilen aber höchst selten private Informationen. Sie lesen und konsumieren, treten dabei aber höchst selten selbst in den Vordergrund – höchstens in privaten Nachrichten.

Pfleger meets Schreier: Auch Mischformen sind möglich

Laut den Autoren der Studie können Menschen auch in mehrere Kategorie gleichzeitig fallen, allerdings überwiegt in den meisten Fällen ein Typ. Kris Boyle würde sich beispielsweise als eine Mischung aus Beziehungspfleger und Marktschreier bezeichnen. "Wenn ich ehrlich bin, bin ich aber am häufigsten der Selfie-Typ. Wir können uns mit mehreren Kategorien identifizieren, es wird aber eine geben, die dominant ist", so der Kommunikationswissenschaftler. Auf Twitter könnte die selbe Person aber auch ein Marktschreier sein, weil sie sich dort nicht von neugierigen Verwandten beobachtet fühlt. Auf Instagram ist sie dafür vielleicht ein Schaufensterglotzer – jede Plattform bringt andere Seiten zum Vorschein.

Möglicherweise bringen verschiedene Netzwerke auch noch ihre ganz eigenen Typen hervor. Genau hier liegt laut den beteiligten Forschern auch das Ziel ihrer Studie: Zu verstehen, wie Soziale Netzwerke die Persönlichkeit formen. "Oft nutzen wir Soziale Medien und denken über das Warum nicht nach", sagt Boyle. Studien wie diese regen zum Nachdenken über das eigene Verhalten an. "Vielleicht stellt jemand nach dem Lesen der Studie mit Erschrecken fest, dass er ein Selfie-Typ ist und möchte das ändern".