Eine kritische Zuschauerin frauenfeindlich beschimpfen – Ist das noch Punk?

Auf Facebook haben sich die Sänger von Terrorgruppe und Egotronic eine hitzige Diskussion über einen Zwischenfall auf der Warped Tour geliefert.

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03 Juli 2017, 4:05pm

Fotos: Imago

Vergangene Woche verlor die kalifornische Punkband The Dickies ihren Platz in der Warped Tour, weil der Sänger eine Tirade wüster Beschimpfungen auf eine kritische Zuschauerin niedergehen ließ. Der Auslöser war, dass sie ein Schild mit dem Satz "Teenagerinnen sollten sich keine herabwürdigenden Witze von einem widerlichen alten Mann anhören müssen" in Richtung Bühne hielt.

Am Sonntag sah dann der Frontmann der Terrorgruppe, Archi "MC Motherfucka" Alert, die Noisey-Geschichte auf Facebook und teilte öffentlich seinen Ärger über die Reaktion der Verantwortlichen hinter der Warped Tour. Für ihn sei das Verhalten der Kalifornier einfach "punktypisch" und der Ausschluss ein "später Ritterschlag".

In den Kommentaren findet sich größtenteils Zuspruch für Archis Haltung. Die Bandbreite reicht dabei von "Wer da moppert hat Punk nicht verstanden" bis zur Verhöhnung der Zuschauerin mit dem Schild.


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Ein anderes bekanntes Gesicht im deutschsprachigen (Elektro-)Punk rieb sich jedoch an der Einschätzung, dass dieses Verhalten eben als "Punk" zu entschuldigen sei. Egotronic-Kopf Torsun Burkhardt verglich das Verhalten der Dickies und das Statement von Archi mit dem "unangenehmsten Teil der Dorfjugend" und stieß damit eine umfangreiche Diskussion an.

Im Verlauf der hitzig geführten Debatte sagte Archi über den Veranstalter: "Dieser Hurensohn von Kevin Lyman musste der Band hoffentlich auch die kompletten Gagen für die entfallenen Shows ausbezahlen. Ich kennen [sic] jedenfalls keinen Veranstaltungsvertrag in dem der Band das Beschimpfen des Publikums verboten wird." Torsun darauf: "Misogynen rumzumackern und wegen nem bescheuerten Pappschild ne aufgeheizte Bedrohungslage zu schaffen ist schonmal Punk. Ist notiert." [sic!] Der Streit wurde über mehrere Stunden fortgesetzt.

Die beiden kamen am Sonntag jedenfalls nicht mehr auf einen gemeinsamen Nenner. Trotzdem gut und wichtig: Das Thema Sexismus im Punk wird auch wieder in Deutschland von den Bands thematisiert und auch wenn manchmal die Köpfe rauchen, ist eine Debatte immerhin schon mal ein Anfang.

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