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Aufgeflogen

Der türkische Geheimdienst versucht offenbar, deutsche Politiker auszuspionieren

Mehrere Abgeordnete sind vom BKA gewarnt worden.

von VICE Staff
28 Juni 2017, 11:54am

Foto: imago | ZUMA Press

Zwischen Deutschland und der Türkei läuft es schon eine Weile nicht mehr so gut – das hängt vielleicht auch mit der schlechten Angewohnheit der türkischen Regierung zusammen, deutsche Journalisten einzusperren. Und jetzt gibt es schon wieder einen Grund, sich zu streiten: Offenbar haben türkische Spione erneut deutsche Politiker ins Visier genommen. Laut einem Bericht der Welt sammelt der türkische Geheimdienst Informationen über eine ganze Reihe von Innen-, Außen- und Verteidigungspolitikern im Bundestag.

Das Bundeskriminalamt hat demnach bestätigt, in den letzten Wochen mit mehreren Abgeordneten Gespräche über die "Gefährdungssituation" geführt zu haben. Dabei soll es um Beobachtung durch den türkischen Geheimdienst gegangen sein, berichtet die Deutsche Welle. Und um die Gefahr, die möglicherweise von türkischen Nationalisten in Deutschland ausgeht.

Das BKA selbst hat keinen Bezug auf die Türkei genommen. Aber eine Sprecherin hat gegenüber der Welt erklärt, dass es in den sogenannten "Sicherheitsgesprächen" auch um "mögliche Aktivitäten ausländischer Nachrichtendienste" ging.


Eine andere Art von Spionage: Ich habe undercover in einem türkischen Bordell gearbeitet


Wenn das stimmt, wäre es für den türkischen Geheimdienst wohl ziemlich unangenehm. Es läuft bereits jetzt ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts türkischer Spionage-Aktivitäten bei der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe.

Dieses war eingeleitet worden, nachdem der Chef des türkischen Geheimdienstes MIT dem Präsidenten des deutschen Bundesnachrichtendienstes (BND), Bruno Kahl, Anfang des Jahres eine Akte mit Informationen über in Deutschland lebende Gülen-Anhänger überreichte. Auf der Liste standen unter anderem die Namen der SPD-Bundestagsabgeordneten Michelle Müntefering sowie der Berliner CDU-Landesparlamentarierin Emine Demirbüken-Wegner. Die Regierung Erdoğan macht den Prediger Fethullah Gülen und dessen weit verzweigte Organisation für den gescheiterten Putschversuch im Juli 2016 verantwortlich. Die Türken hatten das womöglich als nette Geste gemeint, damit die Deutschen es leichter haben, die Gülen-Mitglieder zu beobachten. Die Bundesregierung reagierte allerdings ziemlich undankbar: Sie machte die ganze Sache öffentlich, warnte die Menschen auf der Liste und erklärte der türkischen Regierung, sie dürfe keine vermeintlichen Regime-Gegner auf deutschem Boden ausspionieren. Und dann wurde auch noch das Verfahren in Karlsruhe eingeleitet.

Wenn es wirklich türkische Spione waren, vor denen das BKA jetzt die Abgeordneten gewarnt hat, wäre das peinlich für die Türken – denn das hieße, dass sie dabei erwischt wurden, einen NATO-Partner auszuspionieren.

Der "türkische Spion" könnte dann so etwas wie das Gegenstück zum "russischen Hacker" werden: Während der russische Hacker im Verborgenen agiert und man immer erst hinterher erfährt, dass er praktisch überall seine Finger drin hatte, versucht der türkische Spion dauernd, seine Verbündeten auszuspionieren – und wird jedes Mal dabei erwischt. Çok kötü ya!

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