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Browser-Tool: Jetzt kann jeder täuschend echte KI-Gesichter erschaffen

Künstliche Intelligenz macht enorme Fortschritte, wenn es um manipulierte Bilder geht. Erkennst du den Unterschied?

von Johannes Drosdowski
15 Februar 2019, 8:00am

Du bekommst eine doofe Anmache von einem fremden Instagram-Account, schon das Profilbild kommt dir verdächtig vor: zu viel Model, viel zu wenig echt. Also schmeißt du das Bild in die Google-Suche und findest raus: Dieses Grinsegesicht kommt von einer Bildagentur, garantiert ein Fake.

So leicht wirst du es in Zukunft nicht mehr haben. Denn Forschende von Nvidia, einer US-Firma, die vor allem für ihre Grafikprozessoren bekannt ist, haben eine Software entwickelt, die mithilfe von KI täuschend echte Fotos generiert – von Menschen, die nie existiert haben. Damit lässt sich die Glaubwürdigkeit von Fake-Accounts erhöhen. Denn die Forschergruppe veröffentlichte am 6. Februar nicht nur ein Paper zur KI, sondern stellte auch eine Website online, die ihre Ergebnisse präsentiert: thispersondoesnotexist.com.


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Besucher können sich dort mit jedem Seitenaufruf ein neues und vom Computer erfundenes Gesicht anzeigen lassen. Von realen Menschen sind sie kaum zu unterscheiden. Sogar den miesen Look, den schlecht gemachte Schnappschüsse von unseren Eltern manchmal haben, ahmt die KI ganz gut nach: das Licht ist nicht perfekt, die Augen sind rot, die Haut glänzt.

KI-Generiertes Foto von einem Mann
Wenn dieser Typ nicht echt aussieht, dann sieht niemand echt aus| Bild: thispersondoesnotexist.com | Screenshot: Motherboard

Die KI der Forschenden ist ein Generative Adversarial Network, kurz GAN. Bei einem solchen Netzwerk arbeitet die KI sozusagen erst einmal gegen sich selbst. Im Fall der neuen Nvidia-KI entwirft ein Teil der Software als Schöpferin neue Gesichter. Ein anderer Teil versucht als Richterin herauszufinden, welche Bilder KI-generiert sind und welche echte Menschen darstellen. Weil die Schöpferin aber etwas lernen soll, nimmt sie sich das Urteil der Richterin zu Herzen. Dadurch werden die generierten Bilder immer besser. Das Ziel der Schöpferin ist es, die Richterin am Ende komplett zu überzeugen.

Schon seit Jahren arbeiten Forschende mit solchen Netzwerken, denn in Zukunft sollen sie unter anderem bei Animationen in der Film- und Computerspiel-Branche helfen. Auch eigene Musikstücke soll Künstliche Intelligenz komponieren können. Gesichter zu erschaffen war bisher keine Stärke von GANs, die Ergebnisse wirkten nicht gerade lebensecht. Die Forschenden von Nvidia haben die Technologie nun auf ein neues Level gebracht.

Schwarz-weiß Fotos von KI-generierten Menschen
So schlecht sahen die künstlich generierten Gesichter einer KI im Jahr 2014 aus | Bild: Studie von Goodfellow et al. | Screenshot: Motherboard

Die KI von Nvidia greift auf Fotos von echten Menschen zurück. Sie verändert die Fotos, indem sie Eigenschaften von Bildern eines anderen Menschen übernimmt. Sie verleiht dem Foto eine andere Haut- oder Augenfarbe, macht die Haare lockig oder glatt, kurz oder lang, spielt mit typisch männlichen oder typisch weiblichen Gesichtszügen. Dieses Verfahren nennt sich Style Transfer und kommt auch in vereinfachter Form bei Filter-Apps zum Einsatz, die zum Beispiel deinem Selfie den Look eines impressionistischen Gemäldes verpassen.

Tabelle der Original-Fotos und der Fotos, die die KI gemacht hat
Die Fotos der Menschen ganz links und ganz oben sind echt. Dann hat die Software sie miteinander kombiniert und neue Gesichter erschaffen | Bild: Studie von Karras, Laine, Aila | Screenshot: Motherboard

So erkennst du die Fake-Gesichter trotzdem

Wer genau hinschaut, kann bei einigen Fotos trotzdem noch erkennen, dass da etwas nicht stimmt. Denn die Software – so gut sie auch ist – hat noch immer ein paar Probleme. Vor allem der Übergang vom Kopf zum Bildhintergrund fällt ihr offenbar noch schwer. Haarsträhnen sind unscharf an Stellen, an denen sie es nicht sein dürften; der Hintergrund ist verschwommen, es fehlt Struktur.

Dieses Foto von einem Jungen hat eine KI generiert
Verschwommener Hintergrund, unscharfe Haare und ein eigenartiger Übergang von Himmel zu Wald – Fake! l Bild: thispersondoesnotexist.com | Screenshot: Motherboard

Einige von der Software erstellte Kindergesichter haben Falten, an Orten, die normalerweise erst dreißig Jahre später mit Anti-Aging-Creme eingerieben werden.

KI-generiertes Foto eines Mädchens
Ganz schön viele Falten für einen so kleinen Menschen | Bild: thispersondoesnotexist.com | Screenshot: Motherboard

Wozu sie die KI eigentlich entwickelt haben, dazu schreiben die Forschenden von Nvidia in ihrem online verfügbaren Paper ebenso wenig wie zu den Gefahren, die ihre Technologie mit sich bringen könnte. Dafür haben sie den Code der KI jedoch online gestellt, damit andere ihn nutzen können, etwa um Katzen, Schlafzimmer oder Mangas zu generieren. Oder auch Gemälde:

Dass die GAN-Technologie sich schon jetzt einen Platz in der Kultur erarbeitet hat, ist spätestens seit Oktober 2018 klar. Da versteigerte das Auktionshaus Christie's ein GAN-generiertes Bild: Das Portrait of Edmond de Belamy – ein ziemlich verschwommener Typ ohne Nase – erzielte einen Preis von über 430.000 US-Dollar.

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