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Neue Musik

Mauli hat's erkannt: 2017 war ein beschissenes Jahr für Deutschrap

"Es ist Donnerstag, ich kauf' mir Vetements" – Mit seinem Parodie-Snippet zerreißt Mauli alles, was euch heilig ist.

von Noisey Staff
20 November 2017, 3:59pm

Fotos: Anna Mengels | Artwork von  (2015)OFFIZIELLES SNIPPET AUTISMUS & AUTOTÜR

Der Actionfilm Wanted von 2008 ist vor allem dadurch in Erinnerung geblieben, dass die Protagonisten darin ihre Pistolenkugeln um die Kurve fliegen lassen konnten. (Physiker weinten angesichts dieser Comic-Logik, aber gut.) Im Finale schafft es Angelina Jolie sogar, ihre Patrone in einem perfekten Kreis fliegen zu lassen, dadurch rund 10 böse Typen zu erschießen und die Kugel dann mit ihrem Kopf aufzufangen. Ähnliches hat Mauli jetzt mit seinem neuen Snippet geschafft – nur, dass die feindlichen Typen eben Deutschrapper sind und er selbst clever genug ist, dem Tod durch einen lässigen Schritt nach vorne zu entgehen.

Das "offizielle Snippet zu Autismus und Autotür" beginnt mit epischen Chören und einer dominanten Ansage: "2017, was für ein Scheißjahr für Deutschrap!" Dann setzt der brachiale Beat ein und Mauli rattert mit schlampig laut gemixter Stimme Jahreszahlen runter. Spätestens beim Doubletime ist klar: Kollegah ist der erste, der hier regungslos getroffen zu Boden fällt. Was folgt, ist eine gnadenlose Verarsche aller Raptrends, die dieses Jahr mal kraftvoll und langanhaltend oder eben mal gequetscht und schnell vergessen aus den Boxen gefurzt wurden.

Lean-getränkt, karibisch mit vielen "Oleees" oder im Fußballtrikot: Vor allem Afrotrap mit all seinen Varianten bekommt es richtig hart ab. Kein Wunder, wurde dieser Sound inzwischen zur Calvin Klein-Shorts der Szene degradiert. Fast jeder springt damit rum, in der Hoffnung, dass vielleicht ja dieses Mal was geht und man sich am nächsten Morgen in den Charts wiederfindet. Und auch alle Nuschelrapper, die zu einer endlos geloopten Kinder-Melodie monoton Sinnlosigkeiten vor sich hin brabbeln, bekommen seine augenzwinkernde Verachtung zu spüren.

Natürlich darf auch der obligatorische Fuckboy- aka "Ich kann nicht mehr lieben, wegen diesem einen Engel damals im Sandkasten"-Track nicht fehlen, der mit Piano-Geklimper ins Mikro geschlonzt wird. Genauso wenig wie die Ansage gegen die Hater, der "Keine neuen Freunde, der Kreis bliebt klein"-Song und das unvermeidliche Markendropping á la Rin: "Nicht irgendein Brot, nein, Knäckebrot von Wasa." Am Ende grinst nochmal ein Abklatsch auf Mark Forster und/oder Andreas Bourani ins Mic, um auch alle Radiohit-geilen Kollegen zu fällen.

Voilà, nicht mal fünf Minuten gebraucht und trotzdem alle zu Terrine verarbeitet.

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