10 Fragen

10 Fragen an einen Zahnarzt, die du dich niemals trauen würdest zu stellen

Wie viel verdienst du? Wie oft putzt du wirklich deine Zähne und benutzt Zahnseide? Wie fühlt es sich an, jeden Tag anderen Menschen Schmerzen zu bereiten?

von Rebecca Baden
21 Juni 2017, 8:48am

Alle Fotos: Grey Hutton

Jeder fünfte Deutsche hat Angst vor Dennis Skrubel. Und wenn Dennis mit seinen Geräten richtig loslegt, fürchtet sich sogar jeder Vierte, ergab eine Studie. Dennis greift fremden Menschen mit Gummihandschuhen in den Mund, leuchtet ihnen mit einer Stirnlampe den Rachen aus, setzt Spritzen an Schleimhäuten an und bearbeitet seine Patienten mit Zangen und Bohrern. Abgesehen davon sieht er freundlich aus: Dreitagebart, Tribal-Tattoo am Oberarm, und natürlich ein makelloses Lächeln.

Der 39-Jährige ist seit zehn Jahren Zahnarzt und arbeitet in Brieselang in Brandenburg. Dass viele seiner Patienten nicht unbedingt gerne zu ihm kommen, beschreibt er als "weniger schönen" Teil seines Berufes. Ursprünglich wollte er Musiker werden: "Nach dem Abi kam die Sinnkrise und schließlich der Entschluss, dass ich mein Leben nicht auf der Musik aufbauen kann", sagt er. Ein Schlagzeug steht trotzdem noch in seinem Büro.

Seine Praxis teilt sich Dennis mit seiner Frau und seinem Schwiegervater, beide ebenfalls Zahnärzte. Zu ihrem Team gehören außerdem rund 40 Mitarbeiter. Dass er Zahnarzt geworden ist, verdankt er seinem Ehrgeiz: "Ich wollte mir beweisen, dass ich trotz abgewählter Naturwissenschaften später immer noch Zahnmedizin studieren kann!" Erst nach dem fünfjährigen Studium hat Dennis dann gemerkt, dass ihm der Beruf tatsächlich Spaß macht. Trotz der verängstigten Patienten. "Es gibt diesen Running Gag, dass die Leute auf die Frage, wie es ihnen geht, immer ' Noch gut!' antworten. Wir wollen uns T-Shirts mit der Aufschrift drucken lassen."

Gegen unsere Zahnarztangst gibt es in der Praxis heute – ausnahmsweise – Eis in den Zahnpastafarben Mintgrün und Pastellblau. "Ich hatte auch eins – trotz des Zuckers", sagt Dennis. Und wir haben Fragen.


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VICE: Wie fühlt es sich an, jeden Tag anderen Menschen Schmerzen zu bereiten?
Dennis Skrubel: Menschen weh tun zu müssen, ist definitiv der unangenehmste Teil meines Berufs. Gäbe es keine Betäubungsmittel, wäre es für mich unerträglich, ihn auszuführen. Die Patienten sind uns ausgeliefert, wir müssen bohren, schneiden, stechen. Der Weg der Zahnmedizin ist oft Körperverletzung – mit dem Ziel, dass es den Patienten nach der Behandlung besser geht.

Es gibt für jeden Zahnarzt ein Worst Case Scenario: wenn bei der Wurzelkanalbehandlung das Desinfektionsmittel zu tief gespritzt und die Wurzelspitze getroffen wird. Gelangt das Hypochlorit, das zur Desinfizierung benutzt wird, über die Wurzelspitze ins Gewebe, muss das der schlimmste Schmerz sein, den man sich vorstellen kann. Mir ist das einmal passiert, in der Assistenzzeit. Der etwa 60-jährige Patient stürmte aus dem Behandlungszimmer und rief, dass wir alle Quacksalber seien und niemand zu uns in die Praxis kommen soll. Mir war das schrecklich unangenehm. Der Mann hat mir aber verziehen und ist heute einer meiner Stammpatienten.

Ist dir schon mal etwas in einen Patientenmund gefallen? Popel, eigener Speichel, der Ehering?
Ich weiß ja nicht, wie viele Popel dir spontan aus der Nase fallen, aber mir ist das noch nie passiert. Außerdem trage ich einen Mundschutz. Einmal hatte ich eine sehr anstrengende Patientin, deren Wünsche weit von den realistischen Möglichkeiten der Zahnbehandlung abwichen. Nach der Behandlung musste ich erstmal aus dem Raum gehen und einen Kaffee trinken. In dem Fall dachte ich wirklich kurzzeitig, dass ich etwas in ihrem Mund verlieren würde, nämlich meinen Verstand.

Denkst du bei empfindlichen Patienten "Was für ein Jammerlappen"?
Patienten, die nicht kooperieren oder sich sogar körperlich wehren, erschweren die Behandlung. Die einen zappeln, die anderen haben einen stark ausgeprägten Schluckreflex, und wieder andere können ihre Zunge nicht kontrollieren. Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als dass meine Patienten stillhalten. Sie deswegen als "Jammerlappen" zu betiteln, würde ich aber nie tun. Die größten Angstpatienten sind übrigens Polizisten.

Wie sahen die kaputtesten Zähne aus, die du je gesehen hast?
Manche Gebisse sind in einem desolaten Zustand. Jeder Zahn hat Karies oder Parodontitis. Die Wurzelspitzen sind vereitert und aus kleinen Öffnungen im Kiefer tritt noch mehr Eiter hervor. Eklig finde ich das aber nicht. Der Mund ist eine Baustelle, und je kaputter er ist, desto mehr kann ich als Zahnarzt heilen.

Wie oft übergeben sich Leute bei der Behandlung über deine Hände?
Viele Patienten haben einen starken Würgereflex, aber richtig übergeben hat sich bei mir noch niemand. Bei meiner Frau ist das anders, sie ist auch Spezialistin für Kinderzahnheilkunde. Bei einem Termin kurz nach dem Mittagessen hat ein junger Patient mal seine schlecht zerkauten Fischstäbchen auf den Behandlungstisch erbrochen. Ausgekotzte Fischstäbchen sind das Schlimmste, was ich in der Praxis je erlebt habe.

Zahnärzte streichen unter Medizinern besonders hohe Gehälter ein. Wie viel verdienst du?
Die Zeiten, in denen Zahnärzte besonders hohe Gehälter bekommen haben, sind vorbei. In den 80ern hatten Zahnmediziner mindestens einen Sportwagen und mehrere Einfamilienhäuser. Heute geht der Großteil des Gewinns für Materialkosten drauf. Wie viel ich verdiene, weiß ich nicht – meine Frau kümmert sich um das Finanzielle. Sie zahlt mir jeden Monat ein Taschengeld auf mein altes Konto aus der Studienzeit. Das sind 2.000 Euro, die nur mir gehören. Mit dem Rest meines Gehalts werden die Kredite für unsere große Praxis abbezahlt.

Zahnmediziner haben den Ruf, beim Studium den einfachen Weg eingeschlagen zu haben. Bist du Zahnarzt geworden, weil du zu faul für ein Studium der Allgemeinmedizin oder Chirurgie warst?
Ja! Zahnmediziner ist der einzige Medizinerberuf, bei dem man direkt nach dem Studium Facharzt ist. Alle anderen hängen nach dem fünfjährigen Allgemeinmedizinstudium noch ein Fachstudium dran. Darauf hatte ich keinen Bock, ich wollte früher fertig sein.

Was sind die seltsamsten kosmetischen Behandlungen, die Patienten von dir verlangen?
Ich versuche seit Ewigkeiten, Grillz anzubieten, aber leider war noch niemand bei mir, der welche haben wollte. Vor einigen Wochen wollte jemand, dass wir ein Herz mit zwei Initialen in die Krone eingravieren. Eine andere Patientin wollte eine Blume. Das kommt sehr selten vor, aber weil es so viel Spaß macht, bieten wir solche Dinge umsonst an.

Mal ehrlich, putzt du wirklich mehrmals täglich deine Zähne und benutzt Zahnseide?
Für Zahnseide bin ich zu faul. Meine Zähne putze ich aber wirklich drei Mal am Tag – ausnahmslos! Die längste Zeit, in der ich sie nicht geputzt habe, waren sechs Stunden.

Hast du schon mal eine Frau mit gelben Zähnen gedatet?
Das würde ich niemals tun, ich bin immerhin seit fünf Jahren verheiratet! Aber schlechte Zähne wären ein echtes Ausschlusskriterium. Das kriege ich auch bei unseren jüngeren Assistentinnen mit, die erzählen oft von ihren Tinder-Dates. Wenn ein Kerl Zahnstein hat, geht gar nichts. Der Job kann beim Daten zum Problem werden.

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