Anzeige
Menschen

Schlechte Angewohnheiten, die wir vom Ex übernehmen

"Koks war eigentlich nie meine Droge, durch ihn wurde sie es."

von Daisy Jones
02 März 2020, 4:00am

Illustration: Alex Jenkins

Beziehungen haben ihre Vorzüge: Du hast regelmäßig Sex mit einer Person, die genau weiß, was dich zum Orgasmus bringt. Du hast jemanden, dem du die unwichtigsten Kleinigkeiten deines Alltags berichten kannst, ohne ein "Warum erzählst du mir das?" befürchten zu müssen. Und wenn du verkatert bist, ist da jemand, der dich umsorgt, dir Frühstück macht und sachte beim Bachelor den Kopf streichelt.

Aber Partner bringen auch weniger gute Dinge mit in die Beziehung. Zum Beispiel die ganzen Kabel ihres DJ-Equipments, die jetzt euer halbes Schlafzimmer und Teile des Flurs einnehmen. Oder wie sie eisern darauf bestehen, jede Nacht zum Einschlafen ein Dostojewski-Hörbuch zu hören, das dann klar verständlich aus ihren Kopfhörern plärrt – egal wie sehr du deinen Kopf im Kissen vergräbst. Oder ihre Kifferei von morgens bis abends, was dich unweigerlich zur Mitkifferin macht – und euch zu einem lethargischen Stonerpärchen.

Wenn eure Beziehung in die Brüche geht, verschwinden die Kabel und verstummt der nächtliche Großinquisitor. Aber andere Dinge – die Kifferei oder der gesteigerte Fleischkonsum – bleiben bei dir. Die schlechten Angewohnheiten deines oder deiner Ex sind jetzt deine schlechten Angewohnheiten. Kleiner Trost: Andersherum sieht es wahrscheinlich nicht besser aus.


VICE-Video: So erkaufen sich japanische Single-Frauen die "Boyfriend-Experience"


Fleisch und Käse

Bevor ich meinen Ex kennengelernt habe, lebte ich sieben Jahre vegan. Ich habe in der Zeit nie Lust auf Fleisch oder Käse gehabt. Mir hat es auch richtig Spaß gemacht, vegan zu kochen. Bei meinen Freunden war ich für mein veganes englisches Frühstück berühmt.

Mein Ex und ich waren zweieinhalb Jahre zusammen und in dieser Zeit habe ich langsam wieder begonnen, Fleisch zu essen. Es fing damit an, dass er mir von Knochenbrühe vorschwärmte – ihrem hohen Kollagengehalt und anderen vermeintlichen Gesundheitsvorteilen. Irgendwann dachte ich mir: "Wenn ich Hühnerknochenbrühe trinken kann, kann ich auch Hühnchen essen." Von da bin ich dann zu anderen tierischen Produkten übergangen. Zur Belohnung gab es auch mal ein blutiges Steak. Irgendwann habe ich aufgehört, mich als Veganer oder Vegetarier zu bezeichnen.

Wir sind jetzt schon einige Zeit nicht mehr zusammen, aber ich esse immer noch Fleisch und Käse. Ich war gestern erst bei KFC. Ich wäre gerne wieder vegan, aber dafür brauche ich anscheinend wieder ein Schockerlebnis. Vielleicht schaue ich mir mal eine dieser Dokumentationen über Tierquälerei auf Netflix an. Das könnte funktionieren. – Alex, 29

Kokain

Als ich meinen Ex kennenlernte, nennen wir ihn T., habe ich hin und wieder Drogen genommen – ab und zu MDMA auf Partys und reichlich Gras, um wieder runterzukommen. T. und ich haben uns auf Partys kennengelernt und das wurde zur Blaupause unserer weiteren Beziehung. Freitags zogen wir los und waren dann bis Sonntagabend oder Montagmorgen unterwegs. Halt so, dass es gerade gereicht hat, um wieder zur Arbeit zu gehen. Ziemlich schnell war klar, dass Koks ein großes Thema für ihn war. Koks war eigentlich nie meine Droge, durch ihn wurde sie es.

Irgendwann haben wir jedes Wochenende gekokst. Während der Woche bei der Arbeit war ich paranoid und schlecht gelaunt. Ich hatte das Gefühl, etwas nehmen zu müssen, um wieder in die Gänge zu kommen. Es wurde zu einem Ritual und ich gewöhnte mich daran. Nach anderthalb Jahren haben wir uns getrennt. Das hatte aber nichts mit den Drogen oder den Partys zu tun. Ich wollte meinen Job kündigen und durch Europa reisen. Er wollte bleiben und weiter machen.

Wir sind jetzt ein Jahr nicht mehr zusammen, mit dem Koksen habe ich aber nicht aufgehört. Es ist nicht mehr so viel wie in der Beziehung mit T. – zum Glück –, aber er hat mich auf den Geschmack gebracht. Und den werde ich jetzt so schnell nicht wieder los. – Jesse, 26

Lieferdienste

Mein Ex und ich haben während unserer Beziehung viel gearbeitet. Wenn wir um 8 oder 9 Uhr abends nach Hause kamen, hatte keiner von uns Lust, etwas zu kochen. Manchmal habe ich vorgeschlagen, schnell was zu machen, aber er hat mich immer zu Deliveroo oder anderen Lieferdiensten überredet. Von fünf Wochentagen haben wir im Schnitt an vier bestellt – was sich keiner von uns wirklich leisten konnte. Zwar gab es oft Vietnamesisch, aber häufig waren es auch Pizza oder Burger. Irgendwann fühlte ich mich nicht mehr gut.

Wie auch immer. Wir haben uns vergangenen September getrennt. Ich hatte herausgefunden, dass er mich betrogen hat. Wie er dazu überhaupt Zeit hatte, werde ich nie verstehen. Ich war auf jeden Fall sehr froh, ihn loszuwerden. Essen bestelle ich trotzdem noch STÄNDIG. Er hat mir das Gefühl gegeben, dass es total OK ist, sich einfach ein Curry liefern zu lassen, anstatt selbst eins zu kochen – was billiger, gesünder und besser für deine Psyche wäre. Im Grunde hat er mich zu einem faulen Menschen gemacht. Wenn ich darüber nachdenke, ist das vielleicht sogar schlimmer, als dass er mich betrogen hat. – Kat, 24

Fahrstil

Das ist schon sehr speziell, aber wegen meines ersten Freundes fahre ich furchtbar. Er war ein Jahr älter und als ich 17 war, hat er mich überall hingefahren. Als ich dann selbst Fahren lernte, habe ich einfach seine Angewohnheit übernommen, das Lenkrad mit einer Hand zu drehen, während die andere mit lässig abgeknicktem Handgelenk übergreift. Es ist schwer zu beschreiben, aber es ist falsch und bestimmt ziemlich gefährlich. Man soll ja immer beide Hände am Lenkrad haben, vor allem in Kurven – falls das Auto wegrutscht oder so.

Ich mache das jetzt seit zwölf Jahren so und kann es mir nicht abgewöhnen. Offensichtlich dachte ich damals, dass das sehr cool aussieht. – Emma, 29

Alkohol

Ich habe meinen Ex in der Schule kennengelernt. Über sieben Monate führten wir eine On-Off-Beziehung. Er hat extrem viel getrunken. Ich glaube, wir hatten kein einziges Mal nüchtern Sex. Zumindest war er nicht nüchtern. Bei all unseren Aktivitäten und Dates war Alkohol dabei.

Nachdem wir uns getrennt hatten und ich meinen aktuellen Partner kennenlernte, war ich super nervös bei dem Gedanken, mit jemandem ohne Alkohol intim zu werden. Ich musste vor jedem Treffen mit ihm etwas trinken. Es war so ungewohnt, mit jemandem Zeit zu verbringen, der sich noch an Einzelheiten des Tages erinnern konnte. Ich brauchte einige Zeit, um diese Nervosität abzulegen, aber wir sind jetzt seit fast zwei Jahren zusammen.

Ich spüre zwischendurch immer noch den Drang, viel zu trinken. Aber das ist etwas, das sich im Hinterkopf abspielt. Mein Ex scheint immer noch schwer zu trinken, wie ich gehört habe. Ich bereue die vergeudete Energie auf jeden Fall sehr. – Nat, 21

Crack

Mit meinem Ex-Mann war ich acht Jahre zusammen. Ich war 21, als ich ihn kennenlernte, und seit zwei Jahren weg vom Heroin. Sieben Jahre unserer Ehe schaffte ich es, nüchtern zu bleiben. Er spritzte sich die ganze Zeit Heroin.

Ein Jahr vor unserer Trennung hatte ich einen Rückfall. Er rauchte vor mir Crack und ich hatte es noch nie probiert. Ich war neugierig. Es folgte ein achtmonatiger Crack-Binge, der schließlich in Wohnungslosigkeit und Sexarbeit endete. Inzwischen bin ich wieder nüchtern, Gott sei Dank. Hier kann auch gerne mein Name stehen. Ich akzeptiere und vergebe mir meine vergangenen Fehler. – Megan, 29

Folge VICE auf Facebook, Instagram und Snapchat.

Tagged:
Drogen
Kokain
Alkohol
fastfood