Politik

Fotos: Den maskierten Feministinnen von Chile ist das Vermummungsverbot egal

Während die Regierung ein Maskierungsverbot durchbringen will, gehen die Feministinnen weiter unbeirrt auf die Straße. Denn ihre Masken sind viel mehr als nur Mittel zum Zweck.

von Greta di Girolamo
12 Januar 2020, 4:00am

Alle Fotos, wenn nicht anders angegeben: Mila Belén

Bunte Federn, auffällige Pailletten und glitzernde Perlen zieren die Köpfe Hunderter Frauen. Manche sind alleine unterwegs, andere in Gruppen. Sie alle eint eine Forderung: Hört auf, Frauen zu töten; hört auf, Frauen zu vergewaltigen; lasst Frauen die neue Verfassung mitschreiben. Sie sind die maskierten Feministinnen von Chile.

In den 80er Jahren war das Tragen von Masken in Chile ganz normal, etabliert von den bewaffneten linken Gruppierungen im Kampf gegen die Pinochet-Diktatur. Masken waren ein Symbol des Widerstands und der Revolution. Als in den 90er Jahren die Demokratie nach Chile zurückkehrte, verloren die linken Gruppierungen an Schwung, aber die Masken blieben – vor allem bei der Studentenbewegung. Mit der Zeit wurde das Tragen von Masken in Chile jedoch immer mehr mit Gewalt und Kriminalität in Verbindung gebracht – vor allem wegen junger maskierter Männer, die sich verbarrikadierten und die Polizei mit Steinen bewarfen.

Capuchas
Capuchas feministas

Heute wird das Kleidungsstück vor allem dazu verwendet, um während der seit Monaten andauernden Demonstrationen für Reformen die eigene Identität zu schützen, um keine polizeiliche Verfolgung fürchten zu müssen. Zusätzlich fungiert die Maske als schwacher Schutz gegen das Tränengas, das die chilenische Polizei nur zu gerne einsetzt.

Zudem beansprucht die chilenische Feministinnenbewegung die Masken jetzt für sich. "Die Meinung zu Masken hat sich verändert", sagt die 34-jährige Demonstrantin Josefina. "Immer mehr Menschen gehen auf die Straße und merken dann, dass sie dort ihr Gesicht vor den Geschossen der Polizei schützen müssen – egal ob mit einer Maske oder einem Taschentuch über den Augen. Früher fand ich maskierte Menschen scheiße, weil sie immer nur Sachen zerstört haben. Jetzt habe ich meine Meinung geändert."

Um sich von den anderen Demonstranten abzuheben, die meistens nur einfache Sturmhauben aufsetzen, schmücken die Feministinnen ihre Masken aufwändig mit vielen Accessoires. "Wir wollen uns nicht nur vermummen, sondern auch auf eine besondere Art wahrgenommen werden. Die Verzierungen dienen aber nicht nur der Ästhetik. Jedes einzelne Accessoire ist für die Frau hinter der Maske sehr wichtig. Wir wollen damit unsere Geschichten erzählen", sagt die 25 Jahre alte Javiera.

Capuchas feministas
Taller Capuchas Rojas

Anfang November 2019 legte der chilenische Präsident Sebastián Piñera einen Gesetzesentwurf vor, durch den das Vermummen an öffentlichen Plätzen härter bestraft werden soll. Der Entwurf sieht außerdem vor, dass während Demonstrationen keine Masken mehr getragen werden dürfen. Vergehen sollen härter bestraft werden, wenn dabei das Gesicht nicht zu sehen ist – mit bis zu drei Jahren Haft. Währenddessen gehen immer mehr Demonstrierende mit Masken auf die Straße.

Taller Capuchas Rojas en Resistencia
Foto: Carlos Molina
Marea Roja
Foto: Carlos Molina

Trotz des Gesetzesentwurfs und regelmäßiger Drohungen in den sozialen Medien hat Complejo Conejo – ein chilenisches Textil-Kunstkollektiv mit Fokus auf das Recht auf Anonymität – schon mehr als 700 Masken gebastelt und an Demonstrierende verteilt. Und man will nicht aufhören, bis ganz Chile maskiert ist. Das Kollektiv ist inzwischen so erfolgreich, dass sogar schon Anfragen aus dem Ausland kamen. Um der Nachfrage nachzukommen, hat man jetzt eine Anleitung veröffentlicht, mit der sich die Leute ihre eigenen Masken basteln können.

"Der Gesetzesentwurf ist ein Bluff. Damit soll nur davon abgelenkt werden, was wirklich wichtig ist. Wir wollen, dass die Menschen mit den Masken für sich kämpfen und sich verteidigen", sagt Andrea, die zu Complejo Conejo gehört. "Das Recht auf Anonymität geht Hand in Hand mit der Meinungsfreiheit – und damit, nicht bestraft zu werden, wenn man grundlegende Menschenrechte einfordert. Wer sind die maskierten Menschen? Nicht mehr Kriminelle, sondern endlich die ganze Bevölkerung."

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Andrea trägt eine weiße Maske mit Hasenohren | Foto: Carlos Molina
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Foto: Carlos Molina
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Foto: Carlos Molina
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