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photo issue 2014

Die VICE Photo Issue 2014 ist da!

In der Photo Issue 2014 ist nichts so, wie es scheint. Es geht um optische Täuschung, betrügerische Bilder und jede andere Art von Augenwischerei. Mach dich bereit!
2.9.14

Eine Warnung vorweg: Nichts in der diesjährigen VICE Photo Issue ist so, wie es scheint.

Foto: Roxana Azar

Fotos sind nie die Realität—sie sind immer die subjektive Wahrnehmung von jemandem, der in einem bestimmten Moment den Auslöser einer Kamera drückt. Sie sind mehr oder weniger ein sehr kurzer Augenblick der Realität des Fotografen—oder der Realität, von deren Existenz er oder sie dich überzeugen will. Fotos sind unzuverlässig. Bilder lügen Millionen Menschen jeden Tag auf so viele Arten und Weisen ins Gesicht, dass wir hier gar nicht alle auflisten könnten. Trotzdem schaffen es einige Fotos, ganze Generationen für etwas kämpfen zu lassen, jeden von uns zu Tränen zu rühren, die Toten ewig weiterleben zu lassen und noch vieles mehr.

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Einfach nur die Bilder sehen? Hier geht es zur Fotografenübersicht.

Dieser kaum greifbare und ungewisse Blickwinkel ist die Grundlage für die VICE Photo Issue 2014. Wegen dem immer bedeutender werdenden Ausdruck „Trompe-l’œil“ ist die Ausgabe dieses Jahres eine Darbietung von Schall und Rauch, darunter fotografische Illusionen und Wandlungen jeglicher Art. Die Ausgabe beinhaltet eine Reihe an visuellen Tricks, Täuschungen und Veränderungen von einigen der besten, aktuell tätigen Künstler. Die Beiträge von verehrten Fotografen, deren Bilder die Welt verändert haben—unter anderem Weegee, Cindy Sherman und Laurie Simmons—, teilen sich die Seiten mit den Visionären von morgen. Hier ein paar der Highlights dieser Ausgabe:

Ich erinnere mich noch an ein—völlig zu Recht—verärgertes FB Posting von Thomas Albdorf, wo er sich sinngemäß darüber beschwert, dass seine Art zu fotografieren in Österreich nicht wirklich wertgeschätzt wird. Dass war aber nicht der Anlass, Thomas in der internationalen Photo Issue auf vier Seiten zu veröffentlichen und das ganze noch mit einem Extra-Bild in der Alps Ausgabe zu toppen. Ihr solltet euch einen der innovativsten Fotografen Österreichs wirklich merken, vor allem, weil sein Buch diesen Herbst erscheint.

(Links) Laurie Simmons: How We See/Look 1/Daria, 2014, Pigmentdruck, 178 x 122 cm. (Rechts) Jimmy DeSana: Red Boy in the Woods, circa 1978, C-Druck, 127 x 86,5 cm. Fotos bereitgestellt von Laurie Simmons und Salon 94, New York

Es gibt eine Fotostrecke von Laurie Simmons und ihrem guten Freund und Mentor, dem Punk-Kunst-Fotografen Jimmy DeSana.

Jaimie Warren hat für diese Ausgabe ein Krippenspiel mit Charakteren aus Horrorfilmen erschaffen.

Unser Freund Piotr Sokul fotografiert auch schon seit Ewigkeiten. Das hat mit einer ziemlich rauchigen Fotostrecke für den VICE Snowboard Guide begonnen und wenn du Glück hast, sind dir vor Jahren ein paar Partyfoto-Galerien untergekommen, die ungefähr gar nichts mit Event-Fotos zu tun haben, die wie eine Plage das Internet überschwemmen und stattdessen einen tiefen Einblick in die Seele Wiens zu Anfang des 21. Jahrhunderts bieten. Für die Photo Issue 2014 hat uns Piotr vier Bilder aus seinem Archiv zur Verfügung gestellt, die nur zu perfekt in diese Ausgabe passen und noch einmal Piotrs Genie deutlich machen.

Gert Resinger hat uns seine Bilder zuerst auf Facebook geschickt, wo wir sie einige Zeit reifen ließen, bevor auch wir nach mehrmaligem Wiedersehen endlich erkannt haben, dass seine Collagen und Cut-ups mehr zu bieten haben als Kunstuni-übliches artyfarty Herumgeschnipsle. Seither haben wir uns in jedes seiner Fotos verliebt und versuchen das, was zwischen den Scherenschnitten liegt, zu ergründen, indem wir uns auf Gerts Website sein Gesamtwerk anschauen und uns sein Disco Down Artshow-Interview an die Netzhaut und Gehörknöchelchen führen. Schlauer sind wir jetzt zwar nicht, aber dafür um einige fotofantastische Erfahrungen reicher.

Nadja Stäubli hat uns eines ihrer Bilder zur Verfügung gestellt, das sie auf Reisen gemacht hat. Den Zugang zu ihrem Herzen findet die Welt durch das Objektiv ihrer Kamera. Nicht Orte, sondern die Summe aller Momente sind ihre Heimat.

Marina Rosa Weigl verwendet alte Dunkelkammer-Techniken, um ihre Bilder so zu manipulieren, dass sie dich hinterfragen lassen, was zu sehen und was nicht zu sehen, was nur Einbildung und was wirkliche Wahrnehmung ist. Die Fotos spiegeln ihre Faszination für die Illusion des Lichts wider und sie fordert uns dazu auf, die Wahrheit und die Ehrlichkeit des Auges und der Kamera auf die Probe zu stellen. In ‚From Off to On‘ geht es darum, den menschlichen Körper in ein deformiertes Objekt aus Licht und Farbe zu verwandeln. Die mehrfachen Belichtungen verstärken nochmals unsere Vermutung, dass nichts so ist, wie es sein soll.

Cindy Sherman: Cover Girl (Vogue), 1975/2011, drei Gelatinsilberdrucke, 26,7 x 20,3 cm (pro Bild), 48,6 x 42,2 cm (pro Rahmen), Dreier-Edition. Bereitgestellt von der Künstlerin und Metro Pictures, New York

Dann gibt es ein dreiseitiges Faltblatt von Cindy Sherman—eins ihrer frühen Kunstwerke, das sie noch in der Kunstschule anfertigte.

Peter Kaaden hat uns zuliebe wieder seine Zahnarztkamera ausgepackt, um diesmal sein verspieltes Auge auf die Lebensmittel und Dinge aus unseren Küchen zu richten.

Michael Marcelle, einer unserer Lieblingsfotografen, hat für diese Ausgabe ein neues Portfolio seiner Arbeit erstellt. Dieses trägt den Namen „Third Skin“.

Ich und Cynthia Talmadge, eine Freundin und Mitarbeiterin von mir, haben einige unserer neuen, gemalten Positiv/Negativ-Stillleben bereit gestellt.

Und Dr. Harold Edgerton war eine Legende, der keine noch so komplizierte Kameratechnik ausließ.

Obwohl Fotos nie die Wirklichkeit sind, muss ich zugeben, dass sie etwas Absolutes abbilden. Eine Kamera ist ja immer noch ein mechanisches Gerät: Die Linse nimmt alles auf, was sie einfängt, und das mit einem kalten, aber demokratisch unnachgiebigem Auge. Und diese unbeständige Art der Wahrheit ist sehr mächtig, wenn du sie dir zu Nutzen machen kannst. Ich fordere also dich, den Leser der 2014er Photo Issue, dazu auf, beim Durchblättern skeptisch zu sein. Schau genau hin und nimm diese Seiten nicht für bare Münze. Aber finde auch Trost in der Ungewissheit, was vor und nach dem Augenblick passierte, als der Verschluss der Kamera zu ging—in genau diesem kleinen Zeitfenster kann die bloße Essenz der menschlichen Existenz für immer festgehalten werden.

Hier geht es zur Fotoübersicht.